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9-Euro-Ticket: Mehrheit ist für Verlängerung - doch Lindner lehnt ab

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Von: Bedrettin Bölükbasi

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9-Euro-Ticket
Eine klare Mehrheit der Bundesbürger wünscht sich auch nach dem Auslaufen des 9-Euro-Tickets ein günstiges Angebot im Nah- und Regionalverkehr. Doch Finanzminister Christian Lindner ist dagegen. © Arne Dedert/dpa

Das 9-Euro-Ticket kam als zeitlich begrenzte Entlastung für die Bürger inmitten des Ukraine-Krieges. Trotz der vielen Forderungen lehnt Finanzminister Linder eine Verlängerung des Angebots ab.

München - Der Ukraine-Krieg ist und war zu keinem Zeitpunkt ein regional begrenzter Konflikt. Die Auswirkungen des Angriffskriegs von Kreml-Chef Wladimir Putin bekam man auch in Europa und somit ebenfalls in Deutschland zu spüren - und zwar insbesondere wirtschaftlich. Die Konsequenzen des Krieges führten unter anderem zu Preiserhöhungen.

Die Ampel-Koalition griff den Bürgern daher mit Entlastungen unter die Arme. Dazu gehört auch das bundesweite 9-Euro-Ticket. Ein Angebot, das allerdings nur auf drei Monate begrenzt ist. Nun fordert die Mehrheit eine Verlängerung. Doch für Finanzminister Christian Lindner (FDP) kommt dies nicht infrage.

9-Euro-Ticket: Lindner lehnt Verlängerung ab - Absage auch für Tankrabatt

Er lehnt eine weitere Finanzierung des 9-Euro-Tickets oder eines Nachfolgeangebots strikt ab. „Das 9-Euro-Ticket ist eine befristete Maßnahme, genau wie der Tankrabatt“, sagte Lindner den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Samstag (23. Juli). „Deshalb sind im Bundeshaushalt weder eine Fortsetzung des Tankrabatts noch Mittel für eine Anschlussregelung für das 9-Euro-Ticket vorgesehen“, so der Minister.

Beim Ende August auslaufenden 9-Euro-Ticket würden Steuerzahler ein nicht kostendeckendes Angebot im Öffentlichen Personennahverkehr finanzieren, so Lindner. „Es zahlen damit auch diejenigen, die das Angebot selbst im ländlichen Raum gar nicht nutzen können“, begründete der FDP-Politiker. Das Konzept überzeuge ihn nicht: „Jedenfalls könnte der Bund es nicht bezahlen, da im Jahr 2023 die Schuldenbremse wieder eingehalten werden muss.“

9-Euro-Ticket: Unionspolitiker schließt sich Lindner an - „enorme Streuverluste“

Widerspruch gegen eine Verlängerung des Angebots gibt es nicht nur von Lindner, sondern auch von der Union. Der parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag, Thorsten Frei (CDU), sagte den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland, er halte eine Fortsetzung des Tickets „nicht für eine gute Idee“. Aus seiner Sicht sei es „sehr viel klüger“, in den Ausbau der Nahverkehrsinfrastruktur zu investieren und mehr Waggons zu kaufen.

Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) betonte der CDU-Politiker zudem, künftige Entlastungen müssten nur noch auf wirklich Bedürftige begrenzt werden: „Man muss ganz genau schauen, wo diejenigen sind, die unter diesen Preissteigerungen massiv leiden. Dort brauchen wir eine gezielte Entlastung.“ Neben dem 9-Euro-Ticket widersprach er auch der Verlängerung etwa des Tankrabatts, denn dies habe „enorme Streuverluste“.

9-Euro-Ticket: 79 Prozent der Bürger für Verlängerung des Angebots

Die Mehrheit der Bevölkerung dürfte gegen ein Ende des günstigen Tickets protestieren. Die Stimmung bei den Bürgern zeigt immerhin ein eindeutiges Bild. Eine klare Mehrheit der Bundesbürger wünscht sich auch nach dem Auslaufen des 9-Euro-Tickets ein günstiges Angebot im Nah- und Regionalverkehr.

In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts „Kantar“ im Auftrag des Nachrichtenmagazins Focus befürworten 79 Prozent der Befragten ein ähnliches Ticket, das finanziell vom Staat unterstützt wird. 16 Prozent sind dagegen. 5 Prozent sind unschlüssig oder machten keine Angabe. Am größten ist die Zustimmung mit 90 Prozent bei den unter 30-Jährigen.

Details zu der Umfrage:

Das Meinungsforschungsinstitut Kantar befragte am 19./20. Juli insgesamt 1008 Personen.

Die Frage lautete: „Ende August läuft das 9-Euro-Ticket, mit dem in ganz Deutschland der öffentliche Nah- und Regionalverkehr genutzt werden konnte, aus. Sollte es ab September weiterhin ein in der Leistung ähnliches, finanziell vom Staat unterstütztes Ticket geben?“ 

9-Euro-Ticket: Omnibus-Verband beschwert sich über rückläufige Nachfrage bei eigenem Angebot

Ohne Zweifel ist das 9-Euro-Ticket äußerst beliebt, doch nicht bei allen. Denn für andere Verkehrsbranchen stellt das Angebot eine riesige Herausforderung dar. So meldete etwa rund die Hälfte aller Reise- und Fernbusunternehmen bei einer Blitzumfrage des eigenen Verbands eine rückläufige Nachfrage nach den eigenen Angeboten, wie der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (bdo) laut der dpa mitteilte.

Insbesondere für Klassen- und Vereinsfahrten würden die Veranstalter aufgrund des günstigen ÖPNV-Tickets seltener ein privates Busunternehmen beauftragen, hieß es. Bei diesen beiden Kundengruppen sei die Nachfrage bei den Busunternehmen im Schnitt um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Bei Senioren, der dritten wichtigen Kundengruppe, verzeichnete die Branche im Schnitt sogar einen Rückgang von mehr als zwei Drittel. „Ziel eines durch Steuermittel finanzierten ÖPNV-Billigtickets kann nicht sein, dass sich ohnehin schon umweltfreundliche Verkehrsmittel gegenseitig Fahrgäste abwerben und hierdurch Wettbewerbsverzerrungen zulasten der Reisebusbranche neu etabliert werden“, teilte bdo-Hauptgeschäftsführerin Christiane Leonard mit.

Die im Juni gestarteten 9-Euro-Tickets gelten noch im Juli und August und ermöglichen bundesweit jeweils für einen Monat Fahrten in Bussen und Bahnen des Nahverkehrs. Laut Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) könnte es aber Nachfolgermodelle für das zeitlich begrenzte Angebot geben. (bb mit dpa/AFP)

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