+
Ahmad Al Faqi al Mahdi steht in Den Haag vor Gericht. Foto: Patrick Post

Weltstrafgericht

Neun Jahre Haft für Zerstörung von Weltkulturerbe Malis

Die Bilder schocken die Welt: Mit Hacken und Äxten zerschlagen Dschihadisten jahrhundertealte religiöse Bauwerke in Timbuktu. Ein Kriegsverbrechen. Dafür muss der Verantwortliche ins Gefängnis.

Den Haag (dpa) - Zum ersten Mal hat der internationale Strafgerichtshof einen Dschihadisten für die Zerstörung von Weltkulturerbe schuldig gesprochen und zu einer Haftstrafe verurteilt.

Vier Jahre nach der Zerstörung von Jahrhunderte alten religiösen Bauwerken in Timbuktu verurteilte das Gericht den Dschihadisten Ahmad Al Faqi al Mahdi am Dienstag in Den Haag zu neun Jahren Haft. Er hatte nach Ansicht der Richter die Attacken geleitet und war selbst an der Zerstörung von fünf Monumenten beteiligt.

Der etwa 40 Jahre alte Islamist hatte die Tat gestanden. Das bewertete das Gericht als mildernden Umstand und verhängte eine verhältnismäßig milde Strafe. Die Zerstörung von Weltkulturerbe ist ein Kriegsverbrechen, das mit bis zu 30 Jahren Haft bestraft werden kann. Es war das erste Mal, dass ein Angeklagter vor dem Weltstrafgericht seine Schuld zugab.

Im Sommer 2012 hatte die Dschihadisten-Miliz Ansar Dine, die mit Al-Kaida verbündet ist, die Wüstenstadt Timbuktu im westafrikanischen Mali überrannt und in Timbuktu neun mittelalterliche Heiligengräber und eine Moschee zerstört. Weltweit war das Entsetzen groß.

Der auch als Abu Tourab bekannte Angeklagte war Leiter der Moralpolizei der Dschihadisten und hatte die Zerstörung geleitet. Mit Videos hatte die Anklage im Gerichtssaal bewiesen, dass Al Mahdi selbst auch mit der Axt auf die alten Mauern aus Lehm und Steinen eingeschlagen hatte. Damals hatte er die Tat als "Verteidigung des wahren Islam" gegen falsche Heiligenverehrung gerechtfertigt.

Informationen des Gerichts

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Niedersächsischer Landtag stimmt über Selbstauflösung ab
Knapp drei Wochen nach dem Verlust der Mehrheit für die rot-grüne Koalition in Niedersachsen entscheidet der Landtag in einer Sondersitzung über seine Auflösung. Damit …
Niedersächsischer Landtag stimmt über Selbstauflösung ab
USA und Südkorea beginnen gemeinsames Militärmanöver
Seoul (dpa) - Die Streitkräfte der USA und Südkoreas haben trotz neuer Drohungen Nordkoreas ein gemeinsames Militärmanöver begonnen. Im Zentrum der seit langem geplanten …
USA und Südkorea beginnen gemeinsames Militärmanöver
Spanische Terrorermittler verfolgen neue Spur
Fünf Mitglieder der mutmaßlichen Terrorzelle von Barcelona wurden erschossen, vier festgenommen. Zwei weitere sind möglicherweise ebenfalls tot. Konnte sich der letzte …
Spanische Terrorermittler verfolgen neue Spur
Deutschlands Kurden-Vorsitzender im Interview: „Türkei ist unser Gegner“
Die deutschen Politiker gehen mit der Türkei immer schärfer ins Gericht. Das geht Ali Ertan Toprak, Vorsitzender der Kurdischen Gemeinde in Deutschland, jedoch nicht …
Deutschlands Kurden-Vorsitzender im Interview: „Türkei ist unser Gegner“

Kommentare