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Politik-Redakteur Mike Schier

Kommentar

Neuwahlen in Großbritannien: Die Opposition am Boden

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Wer die Neuwahlen in Großbritannien als Zeichen für einen Exit vom Brexit sieht, dürfte wohl enttäuscht werden. Durch die Neuwahlen wird der Zeitplan für den Brexit sogar noch enger, meint Politik-Redakteur Mike Schier.

Womöglich war es ja nur ein Anflug von legendärem britischen Humor: Jeremy Corbyn hat gestern die überraschende Ausrufung von Neuwahlen explizit begrüßt. Für die vielen, die Corbyn nicht kennen: Der Mann ist so etwas wie britischer Oppositionsführer. Nach dem Brexit sprachen ihm 80 Prozent der eigenen Labour-Abgeordneten das Misstrauen aus – was ihn nicht daran hinderte, im Amt zu bleiben. In einer Umfrage sagten nun nur 45 Prozent der Labour-Anhänger, dass sie Corbyn für den besten Premierminister hielten – was ihn vermutlich nicht daran hindern wird, gegen Theresa May anzutreten.

Für May ist die Chance günstig: Die historisch schwache Labour-Partei ist kein echter Gegner. Auch die Rechtsaußen von Ukip suchen nach dem Brexit vergeblich ein neues Thema. Und der Ärger, der den Briten in vielen Details der Brexit-Verhandlungen ins Haus steht, scheint noch nicht ins kollektive Bewusstsein vorgedrungen. Nur jetzt darf May auf eine derart satte Mehrheit hoffen.

Wer nun auf eine Art zweites Brexit-Referendum baut, dürfte enttäuscht werden: Corbyn hatte sich so halbherzig hinter die „Remain“-Kampagne gestellt, dass kein neuer Impuls zu erwarten ist. Im Gegenteil: Durch die Wahl wird der Zeitplan für Verhandlungen mit der EU enger. Und eine gute Lösung noch unwahrscheinlicher.

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