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Maischberger-Eklat: Butscha-Augenzeuge einfach ausgeladen - ARD-Erklärung sorgt für Wirbel 

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Von: Stephanie Munk

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In der ARD-Sendung „Maischberger. Die Woche“ ging es am Mittwoch, 6. April, um die Gräueltaten im Ukraine-Krieg.
In der ARD-Sendung „Maischberger. Die Woche“ ging es am Mittwoch, 6. April, um die Gräueltaten im Ukraine-Krieg. © Screenshot ARD.de

Ein Kriegsreporter, der als Augenzeuge über die Gräueltaten von Butscha berichten sollte, war am Mittwoch aus dem Maischberger-Talk wieder ausgeladen worden. Das Unverständnis ist groß.

Berlin – Mittwochabend, kurz nach 23 Uhr: Das ist der Sendetermin für „Maischberger. Die Woche“, dem ARD-Talk mit Sandra Maischberger. Am Mittwoch, 6. April, ging es in der Sendung um die entsetzlichen Bilder aus dem ukrainischen Vorort Butscha und der Reaktion der deutschen Politik darauf. Eingeladen waren dazu der ehemalige Tagesschau-Sprecher Ulrich Wickert, die Zeit-Journalistin Anna Sauerbrey und Gabor Steingart, Herausgeber von The Pioneer. Außerdem diskutierten Gregor Gysi (Linke) und Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) mit Moderatorin Sandra Maischberger.

Maischberger und Ukraine: Kriegsreporter reiste extra aus Kiew an - und wurde dann ausgeladen

Was viele Zuschauer nicht wussten: Eigentlich sollte noch jemand in der Runde sitzen. Und zwar der Kriegsreporter Enno Lenze, der die Gräueltaten in Butscha mit eigenen Augen gesehen hat und als Augenzeuge darüber berichten sollte. Die Texte des freiberuflichen Kriegsreporters sind unter anderem bei Spiegel, Welt, N24 und der Rheinischen Post zu lesen. Doch der Reporter wurde von der ARD offenbar kurzfristig wieder aus der Sendung ausgeladen. Und das, obwohl der Journalist extra wegen der Sendung von Kiew nach Deutschland gereist war.

Enno Lenz setzte am Nachmittag vor dem Maischberger-Talk einen Tweet ab, in dem seine Verärgerung über die kurzfristige Ausladung deutlich wird: „Ich bin in Rekordzeit aus Kyiv zurück gekommen um heute Abend bei Maischberger als Augenzeuge von den Kriegsverbrechen zu berichten. Gerade wurde ich ausgeladen. Man wolle doch mehr über Corona machen und ich werde nicht mehr gebraucht. Ok.“, schrieb der Kriegsreporter enttäuscht. Allem Anschein nach verfasste er seinen Tweet im Auto, denn dazu postete er das Bild einer nächtlichen Autobahn.

Tatsächlich war Thema Nummer 2 in der Maischberger-Sendung die Corona-Pandemie und die Frage, ob die Aufhebung der Schutzmaßnahmen zu fahrlässig ist. Außerdem diskutierten die Gäste, was aus der allgemeinen Corona-Impfpflicht werden soll (alles über die Impfpflicht-Abstimmung im Bundestag lesen Sie hier).

Maischberger zu Ukraine: Twitter-Nutzer reagieren fassungslos - „Dreiste Unverschämtheit“

Dass Enno Lenze zugunsten der Diskussion über Corona wieder ausgeladen wurde, stieß bei Twitter-Nutzern, die unter dem Tweet des Kriegsreporters kommentierten, auf große Unverständnis. „Eine dreiste Unverschämtheit“, „die Priorisierung ist unfassbar“, „Fehlentscheidung“ und „unglaublich, was die sich erlauben“ war darunter zu lesen.

Enno Lenze, Reporter aus Berlin, steht im Zentrum von Moskau an einer Straße.
Der Reporter Enno Lenze, hier 2021 auf einer Straße in Moskau. © Christian Thiele/dpa

Maischberger zu Ukraine: ARD bittet um Verständnis auf Twitter

Die Redaktion von „Maischberger. Die Woche“ reagierte am Nachmittag vor der Sendung via Twitter auf die Kritik zur Umplanung: „Wir können die Enttäuschung verstehen. Die Gräueltaten in Butscha und der Ukraine werden heute Abend auf jeden Fall das zentrale Thema bei uns sein. Aber als multithematische Sendung sehen wir heute auch einen größeren Gesprächsbedarf zur aktuellen Corona-Politik.“

Gut angekommen ist diese Erklärung bei den meisten Twitter-Nutzern, die darunter kommentierten, offensichtlich nicht: „Man hätte einen der anderen Gäste ausladen können, nicht den, der extra 1000 km per PKW anreist“, schreibt einer. Ein anderer: Das ist unfassbar. Wir reden seit 2 Jahren über Corona und ihr ladet Enno Lenze aus, der gerade aus dem Kriegsgebiet kommt?“

Maischberger zu Ukraine: Ausgeladener Kriegsreporter reist bald zurück nach Kiew

Enno Lenze erklärte auf Nachfrage seiner Twitter-Follower, dass ihm die Anreise von Kiew nach Berlin 15 Stunden plus Wartezeit an der Grenze gekostet hatten. Für die Maischberger-Sendung habe er dann kurzfristig noch Ersatz gefunden: Er sei zu einer Sondersendung zum Thema Ukraine von Podcast-Betreiber Tim Pritlove eingeladen worden. In „vermutlich zwei Wochen“ sei er wieder vor Ort in der Ukraine. „Ich berichte weiter. Keine Sorge.“ (smu)

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