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In Putins Reich rumort es: Nach Kadyrow-Drohung lässt Antwort des Kreml-Sprechers tief blicken

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Von: Richard Strobl

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Die Rückschläge im Ukraine-Krieg führen in Russland zu Kritik an der militärischen Führung. Selbst der Putin-Sprecher sah sich nun zu einer vielsagenden Stellungnahme gezwungen.

Moskau - In Putins Russland rumort es. Nach den großen Gebietsgewinnen der Ukraine im Osten des Landes und dem teils fluchtartigen Rückzug der russischen Truppen, mehren sich die Stimmen, die die Verantwortung dafür bei der militärischen Führung sehen.

„Natürlich wird alles, was passiert, alles, was das Militär während der Spezialoperation tut, dem Oberbefehlshaber gemeldet“, antwortete Putin-Sprechers Dmitry Peskow am Montag laut Tass auf die Frage nach Putins Reaktion auf den Rückzug der Truppen im Osten der Ukraine. Weiter stellte Peskow fest, dass Wladimir Putin in permanentem Austausch mit den Militärkommandeuren und dem Verteidigungsminister stehe. Das gelte auch in Bezug auf den Einsatz in der Ukraine.

Ukraine feiert Erfolge - in Russland kommt Kritik auf

Soweit klingt das alles nach Business as usual. Doch, dass Peskow sich zu dieser Klarstellung gezwungen fühlt - und dass Journalisten offenbar öffentlich fragen, ob Putin über die Vorgänge in der Ukraine wirklich informiert sei, könnte verdeutlichen, wie sehr Putins zementierte Macht aktuell zu bröckeln beginnt. Eine interessante Note an der Peskow-Äußerung: Putin ist demnach lediglich über die Rückzugs-Entscheidung der Militär-Führung informiert worden - getroffen oder beeinflusst hat er sie demnach nicht.

Peskows Äußerungen sind letztlich als Reaktion auf eine Sprachnachricht des eigentlich stets linientreuen Tschetschenen-Anführers Ramsan Kadyrow zu verstehen. Dieser hatte am Vortag der militärischen Führung Fehler vorgeworfen, die Situation als „unfassbar“ bezeichnet. Zudem hatte Kadyrow damit gedroht, nach Moskau zu kommen, um dem Verteidigungsministerium und der Staatsführung die tatsächliche Lage im Ukraine-Krieg zu erklären. Kadyrow war damit die erste prominente Figur in Putins Machtapparat, die öffentlich von Fehlern gesprochen hatte.

Putin unter Zugzwang? Peskow-Antwort lässt tief blicken

Doch auch allgemein kippt in Russland aktuell offenbar zumindest teilweise die Stimmung. Einige Lokalpolitiker fordern sogar den Rücktritt Putins. Besonders im ultrarechten Lager ist der Ärger über die militärische Führung enorm. Verteidigungsminister Sergej Schoigu wird hier meist verantwortlich gemacht.

Interessant: Peskow wurde nach Tass-Angaben auch gefragt, ob die militärische Führung Russlands denn aktuell noch das Vertrauen Putins genieße. Die Mantra-artige und ausweichende Antwort lässt auch hier tief blicken: „Die militärische Sonderoperation wird fortgesetzt, bis alle ursprünglich gesetzten Ziele erreicht sind“.

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