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Lauterbachs Kriegserklärung: Verirrter Gesundheitsminister

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Von: Sebastian Horsch

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Die Äußerungen von Gesundheitsminister Karl Lauterbach zum Krieg in der Ukraine kommentiert Sebastian Horsch, Politik-Redakteur beim Münchner Merkur.
Die Äußerungen von Gesundheitsminister Karl Lauterbach zum Krieg in der Ukraine kommentiert Sebastian Horsch, Politik-Redakteur beim Münchner Merkur. © Wolfgang Kumm/dpa/Klaus Haag

Als Gesundheitsminister äußert sich Karl Lauterbach auf Twitter zum Krieg in der Ukraine und torpediert damit die Bemühungen von Kanzler Olaf Scholz, Deutschland und die Nato aus dem Krieg herauszuhalten. Ein Kommentar von Sebastian Horsch.

Karl Lauterbach war am verlängerten Wochenende wieder viel auf Twitter unterwegs. Der vorgeblich so sachlich orientierte Bundesgesundheitsminister haut dort mit einer Leichtigkeit schwerwiegende politische Einschätzungen raus, dass es einem die Sprache verschlägt.

Der Applaus, den Lauterbach auf Twitter erhält, scheint ihn anzuspornen

Der Applaus, den Lauterbach von Teilen des Online Netzwerks erhält, scheint ihn anzuspornen. Und tatsächlich ist es ja auch sein gutes Recht als Gesundheitsminister, sich publikumswirksam über die hohen Infektionszahlen auf der Münchner Wiesn auszulassen. Wer, wenn nicht er, muss darauf hinweisen. Das gilt selbst dann, wenn seine Ansicht, alle Festbesucher hätten zum Corona-Test verpflichtet werden müssen, einer Machbarkeitsüberprüfung wohl nur schwer standhalten würde. Auch Lauterbachs Schlussfolgerung, die Länder dürften nun nicht mehr lange mit einer Maskenpflicht in Innenräumen warten, ist mindestens streitbar – als Fachminister bewegt er sich damit aber fraglos auf seinem Terrain.

Doch was um Himmels willen reitet den Gesundheitsminister, mal eben als erstes Mitglied der Bundesregierung Putin den Krieg zu erklären? Seit Monaten vollzieht Kanzler Olaf Scholz einen diplomatischen Eiertanz, um Deutschland – und somit die Nato – trotz vielseitiger Unterstützungsmaßnahmen für die Ukraine keinesfalls direkt in den Konflikt zu ziehen. Lauterbach hingegen ist entweder bereit, diesen Grundsatz für einige tausend Twitter-Likes infrage zu stellen – oder er ist sich der Bedeutung seiner Wortwahl als deutscher Minister gar nicht bewusst. Man fragt sich, was schlimmer wäre.

Sebastian Horsch

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