+
Nicaraguas Präsident Daniel Ortega prägt die Geschicke seines Landes seit Jahrzehnten.

Opposition ruft zu Boykott auf

Nicaraguas Präsident Ortega strebt Wiederwahl an

Managua - Der ehemalige Guerillaführer paktiert mit Kirche und Geschäftsleuten, für die Armen hat er Sozialprogramme aufgelegt. Mit seiner Frau an der Seite will er die Macht der Familie nun dauerhaft sichern. Regierungsgegner kritisieren den autoritären Stil des Staatschefs.

Der nicaraguanische Präsident Daniel Ortega hat bei der Wahl große Chancen auf eine vierte Amtszeit. In der jüngsten Umfrage lag der Amtsinhaber mit fast 70 Prozent weit vorn. Die Opposition hatte er vor der Abstimmung bereits mit juristischen Mitteln weitgehend ausgeschaltet.

Regierungsgegner riefen zu einem Boykott der Wahl und zu Protesten auf. "Die Regierungspartei FSLN hat staatliche Ressourcen im Wahlkampf genutzt, internationale Wahlbeobachter sind nicht zugelassen und es gibt keinen echten Wettbewerb", sagte Haydee Castillo von der Initiative Consorcio Panorama Electroral, die die Wahlen beobachtet.

Ortega zieht mit seiner Ehefrau Rosario Murillo als Vizepräsidentschaftskandidatin ins Rennen. Kritiker bemängeln, dass die Familie so ihre Macht sichern wolle. Sollte der bereits fast 71-jährige Ortega sein Mandat nicht bis zum Ende ausüben können, würde seine Frau übernehmen. Sieben seiner Kinder hat das Paar zudem an Schaltstellen in Politik, Wirtschaft und Medien platziert.

Präsident Ortega hat eine Reihe von Sozialprogrammen angeschoben und ist bei vielen Nicaraguanern sehr populär. Mit der katholischen Kirche und der konservativen Unternehmerschaft hat er einen Pakt geschlossen. Wegen seines autoritären Regierungsstils und Korruptionsvorwürfen gegen seine Familie haben sich allerdings viele frühere Weggefährten von dem Ex-Guerillero abgewandt.

Neben Staatschef und Vize werden auch die 90 Abgeordneten der Nationalversammlung sowie 20 Vertreter für das Mittelamerikanische Parlament gewählt. Zur Wahl aufgerufen sind 3,8 Millionen Nicaraguaner über 16 Jahre. Die Wahllokale öffnen um 7.00 Uhr (14.00 Uhr MEZ) und schließen um 18.00 Uhr (Montag 1.00 Uhr MEZ). Mit ersten Ergebnissen wird ab 23.00 (6.00 Uhr MEZ) gerechnet.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Trumps denkwürdiger Auftritt hinterlässt ein aufgebrachtes Land
Geplant war nur ein Statement zur Infrastruktur im Trump-Tower. Dann aber kamen Fragen zur Gewalt von Charlottesville. Der denkwürdige Auftritt von Donald Trump …
Trumps denkwürdiger Auftritt hinterlässt ein aufgebrachtes Land
Polizei setzte sich bei G20-Einsatz über Verbot hinweg
Die Polizei überschritt bei den Protesten gegen den G20-Gipfel in Hamburg offenbar ihre Kompetenzen. Besonders über ein Verbot setzten sich die Sicherheitskräfte hinweg.
Polizei setzte sich bei G20-Einsatz über Verbot hinweg
Trump zieht Notbremse und löst zwei Beraterkreise auf
Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump löst nach harscher Kritik an seiner Haltung zur Gewalt in Charlottesville kurzerhand zwei Beraterkreise im Weißen Haus auf. …
Trump zieht Notbremse und löst zwei Beraterkreise auf
Kommentar: SPD in der Putin-Falle
„Privatsache“ sei  der neue Öl-Job für Ex-Kanzler Gerhard Schröder beim russischen Staatskonzern Rosneft, behauptet SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Ein schwerer …
Kommentar: SPD in der Putin-Falle

Kommentare