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Augenzwinkern: Petr Bystron gibt sich gegenüber Rechtsextremen eher sorglos

Nicht gekannt, nicht gewusst

Die dubiosen Kontakte von AfD-Landeschef Petr Bystron

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Eine Mitarbeiterin mit NPD-Kontakten, Sympathiebekundungen für Rechtsextremisten: Bei AfD-Landeschef Petr Bystron häufen sich zweifelhafte Vorfälle. Vorwürfe weist er zurück. Parteifreunde wollen ihn zur Rechenschaft ziehen.

München – Wer die Facebook-Aktivitäten von Doris S. (Name geändert) beobachtet, bekommt ein klares Bild ihrer politischen Einstellung: Neben Pegida-Kontakten tauchen NPD-Seiten in ihrem Profil auf. NPD-Landesverband Nordrhein-Westfalen, NPD-Landesverband Bayern. Mit großer Anteilnahme teilt sie Beiträge des Münchner Stadtrats und NPD-Mannes Karl Richter. Bis vor Kurzem war er ihr Facebook-Freund. In einem Prozess demnächst vor dem Landgericht München wird ihr vorgeworfen, einen griechischen Wirt als „Kanake“ bezeichnet zu haben.

Doris S., eine Frau mit klarem Hang zum Rechtsextremismus. Eine unter vielen, könnte man sagen. Wäre sie nicht Mitarbeiterin in der bayerischen AfD-Landesgeschäftsstelle. Funktionäre bezeichnen sie gar als unbezahlte „Privatsekretärin“ von Landeschef Petr Bystron.

„Für mich arbeitet diese Frau nicht“

Bystron weist das zurück: „Für mich arbeitet diese Frau nicht.“ Sie „entlaste“ aber hin und wieder den Geschäftsstellenmitarbeiter. Seltsamerweise setzte sich Bystron aber im Vorstand dafür ein, dass S. fest angestellt wird. Dieser lehnte ab. Von ihren Facebook-Aktivitäten habe er nichts gewusst, behauptet Bystron. S. hat ihr Profil offenbar bereinigt. Unserer Zeitung liegen aber Screenshots vor, die ihre NPD-Kontakte belegen. Es geht auch nicht um sie. Es geht um Bystron. Denn S. ist nicht sein einziger Berührungspunkt mit Rechtsextremisten

Kürzlich war bekannt geworden, dass der Verfassungsschutz ihn beobachtet. Er hatte die als rechtsextrem eingestufte Identitäre Bewegung (IB) eine „tolle Organisation“ und „Vorfeldorganisation“ der AfD genannt, eine „Schutzschild-Strategie“ gefordert. Selbst in der AfD stößt das vielen auf. Wer es gut mit ihm meint, spricht von Sorglosigkeit. Andere meinen, er sei schlicht offen für Extremisten. Für eine bürgerliche Partei, die man sein wolle, sei er nicht tragbar. Bei der Fortsetzung der Listenaufstellung für den Bundestag an diesem Wochenende  in Greding, bei der auch Spitzenkandidatin Alice Weidel erwartet wird, wollen einige Funktionäre ihn angreifen.

Bystron räumt ein, Aktivisten der Identitären Bewegung getroffen zu haben. Ein Foto im Internet zeigt ihn mit Masskrug neben einem der Aktivisten auf der Wiesn. Es sei in einer Box der AfD-Jugend entstanden, sagt Bystron. Er habe nicht gewusst, wem er da zuproste.

Gemeinsam mit Rechtsextremisten zum Vortrag?

Nicht gewusst, nicht gekannt – so war es laut Bystron auch Ende Juni 2016 vor dem Eine-Welt-Haus in München. Dort wollte er einen AfD-kritischen Vortrag besuchen, wurde aber aufgehalten. Neben ihm tauchten zwei bekannte Rechtsextremisten auf. Zeugen berichteten, die drei seien gemeinsam gekommen. Bystron bestreitet das. Beide lud der AfD-Mann aber später auf ein Bier ein.

In Greding wollen seine Kritiker die Neuwahl des Listenplatzes vier, auf dem derzeit Bystron steht, erreichen. Der Antrag hat wohl wenig Chancen. Die Stimmung gehe „in Richtung Wagenburg“, meint ein Funktionär. Es soll nicht der Eindruck entstehen, man knicke vor der CSU und den angeblich von ihr gesteuerten Behörden ein. Bystron klagt gegen den Freistaat.

„Der Verursacher der Misere“

Seine Kritiker weisen das zurück. Bystron sei „nicht das Opfer eines billigen Wahlkampfmanövers der CSU oder des Verfassungsschutzes und kein Märtyrer der AfD, sondern der Verursacher der Misere“, heißt es in einer internen Mail des „Bayerndialogs“, in dem sich gemäßigte AfDler austauschen. Der Landeschef entwickle sich „zum Sicherheitsrisiko für die Wahlchancen der AfD Bayern“.

Ihren Antrag wollen die Kritiker nur unter zwei Bedingungen zurückziehen: Bystron solle sich deutlich von der IB distanzieren – und seinen Landesvorsitz bis zur Neuwahl des Vorstands ruhen lassen.

In einer Mail an die Mitglieder versuchte Bystron am Freitag, die Wogen zu glätten. Die AfD habe „als Partei keine Berührungspunkte mit der IB“. Er bedauere, dass er „Anlass für falsche Interpretationen“ geliefert habe. „Diesen Fehler werde ich nicht wiederholen.“ Vor Annahme des Antrags warnt er. Die Partei könne dann die Listenaufstellung womöglich nicht rechtzeitig abschließen. Ob das die Kritiker überzeugt, darf bezweifelt werden.

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