Venezuela, Caracas: Präsident Nicolas Maduro spricht bei einer Pressekonferenz.
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Venezuela, Caracas: Präsident Nicolas Maduro spricht bei einer Pressekonferenz.

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Nicolás Maduro: Leben und Karriere des venezolanischen Politikers

Drogengeschäfte, Wahlmanipulation, Menschenrechtsverletzungen: Die Liste der Vorwürfe gegen Nicolás Maduro ist lang. 

  • Nicolás Maduro gilt als sehr kontroverse Figur. Bereits bei seiner Wahl zum venezolanischen Staatspräsidenten 2013 wurden Vorwürfe der Wahlmanipulation laut.
  • Aufgrund seiner wiederholten Versuche, das Parlament zu entmachten, und jeglicher Unterbindung seiner Absetzung als Staatsoberhaupt wird Maduro auch als Diktator bezeichnet.
  • Von den Vereinten Nationen wird dem Politiker Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen.

Der venezolanische Politiker Nicolás Maduro Moros wurde am 23. November 1962 in Caracas geboren. Während seiner Mutter eine katholische Kolumbianerin war, stammte die Familie seines Vaters von sephardischen Juden aus Curaçao ab. Maduro wuchs zusammen mit drei Schwestern in El Valle auf, einer Gemeinde des Hauptstadtbezirks, und wurde katholisch erzogen. Seine Eltern waren beide politisch sehr aktiv. Maduros Vater war Mitbegründer der sozialdemokratischen Partei Acción Democrática (AD). Bereits mit fünf Jahren wurde der spätere venezolanische Präsident auf ein Treffen des linken Flügels der AD mitgenommen, was den Grundstein für seine weiteren politischen Aktivitäten legte.

Dass er einmal zum Staatspräsidenten von Venezuela aufsteigen würde, ahnte damals noch niemand. Aufgrund zahlreicher Korruptionsskandale und Vorwürfen der Wahlfälschung sowie Menschenrechtsverletzung ist Maduros politische Position äußerst umstritten. Viele Länder erkennen ihn nicht länger als rechtmäßiges Staatsoberhaupt an und vergleichen ihn mit einem Diktator.

Nicolás Maduro: Politische Anfänge und Werdegang

Bereits als Zwölfjähriger begann Nicolás Maduro, sich für eine Bewegung des venezolanischen Guerillaführers Douglas Bravo zu engagieren. Nach seinem Schulabschluss am Liceo José Avalos in El Valle arbeitete der spätere Staatspräsident erst einmal bei der U-Bahn von Caracas und arbeitete sich zum Gewerkschaftsvertreter hoch. Ende der 1970er war er außerdem Studentenführer der politischen Linken, obwohl er selbst kein Student war. Seine Bemühungen zahlten sich schließlich aus: 1986 bekam er ein Stipendium der Sozialistischen Liga und absolvierte eine einjährige Kaderausbildung auf Kuba mit dem Schwerpunkt Gewerkschaftsarbeit. Kaum zurück, nutzte er seine Expertise, um eine neue Gewerkschaft für die Beschäftigten des Öffentlichen Nahverkehrs mitzugründen.

Zeitgleich schloss sich Maduro der Bolivarianischen Revolutionsbewegung von Hugo Chávez an und wurde 1994 Mitglied der Nationaldirektion. Drei Jahre später gründete er zusammen mit Chávez die Movimiento Quinta República (MVR) und wurde 1998 zum Abgeordneten der Nationalversammlung gewählt. Im selben Jahr gewann Chávez die Wahl zum venezolanischen Präsidenten.

In den folgenden Jahren hatte Maduro außerdem die Titel des Vorsitzenden der MVR-Fraktion sowie des Vorsitzenden des Ausschusses für die Entwicklung der sozialen Integration inne. Von 2005 bis 2006 war er Sprecher der Nationalversammlung, bis er in diesem Amt von seiner späteren Ehefrau Cilia Flores abgelöst wurde und Maduro stattdessen zum Außenminister ernannt wurde. 2007 wurde die Vereinigte Sozialistische Partei Venezuelas (PSUV) gegründet, die Parteien wie die MVR, die die Bolivarianische Revolution unterstützt hatten, unter einen Hut brachte.

Nicolás Maduro: Aufstieg zum Staatspräsidenten von Venezuela

Im Oktober 2012 wurde Nicolás Maduro von Hugo Chávez zum venezolanischen Vizepräsidenten ernannt. Nach dem Tod von Chávez übernahm er als Interimspräsident dessen Amt und wurde am 14. April 2013 zum neuen Präsidenten gewählt. Die Wahl entschied er im Duell mit Henrique Capriles knapp mit 50,66 Prozent der Stimmen für sich. Das Ergebnis wurde jedoch aufgrund des Vorwurfs der Wahlmanipulation stark angezweifelt. Laut der Opposition wurden Wähler wie Medien eingeschüchtert, zudem habe es geheime wie doppelte Stimmen gegeben. Eine genauere Prüfung der Wahlergebnisse wurde von der Regierung abgelehnt und Maduro wurde in seinem Amt als Präsident vereidigt.

Anfang 2014 kam es zu Protesten gegen Maduros Regierung. In vielen venezolanischen Städten fanden Demonstrationen gegen den Staatspräsidenten statt. Dabei standen insbesondere die steigende Inflation und die prekäre Versorgungslage im Fokus. Die Polizei- und Militärtruppen des Präsidenten brachten die Proteste jedoch schnell zum Erliegen. Gleichzeitig sank der Zuspruch für Maduro weiter. 2015 erreichte die Opposition eine Zweidrittel-Mehrheit bei den Parlamentswahlen.

Ein Jahr später wurde ein Abberufungsreferendum gegen Maduro initiiert, nachdem der Großteil der Bevölkerung eine Absetzung ihres Präsidenten befürwortet hatte. Der nationale Wahlrat von Venezuela setzte dem Referendum jedoch einen Riegel vor und erklärte, dass es erst im nächsten Jahr stattfinden könne. In diesem Falle hätten jedoch keine Neuwahlen mehr stattfinden können, da im Falle einer Abwahl des Präsidenten der Vizepräsident sein Nachfolger wird. Davor hatte die Wahlbehörde eine klare Verzögerungstaktik verfolgt und verfassungswidrige Hürden für den Erfolg des Referendums festgesetzt.

Nicolás Maduro: Internationale Kritik am Staatspräsidenten

2016 wurde ein politisches Verfahren gegen Nicolás Maduro eröffnet, in dem ihm Verfassungsbruch und Verletzung von Menschenrechten vorgeworfen wurde. Das Oberste Gericht stand dem Präsidenten dagegen treu zur Seite und bezeichnete einen Vorstoß des Parlaments zur Amtsenthebung Maduros als verfassungswidrig. Am 29. März 2017 entzog das Oberste Gericht dem Parlament jegliche Macht und übertrug es sich selbst. Aufgrund des internationalen Drucks wurde der Vollzug am 1. April rückgängig gemacht. Maduro fand jedoch eine andere Strategie, um das Parlament zu entmachten. 2017 wurde die Konstituierende Nationalversammlung gegründet, deren Kandidaten nicht etwa vom Volk, sondern von Maduro bestimmt wurden. So sitzen unter anderem sein eigener Sohn und seine Frau darin.

Die Präsidentschaftswahlen 2018 wurden noch vor der eigentlichen Stimmabgabe von der Opposition als „betrügerische Show“ demaskiert. Nachdem der Wahltermin vier Monate vorgezogen worden war, wurden die aussichtsreichsten Oppositionskandidaten automatisch ausgeschlossen. Die EU, USA und weitere südamerikanische Staaten erklärten daraufhin, die Wiederwahl Maduros nicht anzuerkennen. Stattdessen erkennen sie den Parlamentsvorsitzenden Juan Guaidó als Interimspräsidenten an, der die Wahl als unrechtmäßig verurteilte und sich im Januar 2019 zum Übergangspräsidenten erklärte. Großmächte wie Russland und China pflegen dagegen freundschaftliche Beziehungen mit Maduro. Aufgrund der Aufhebung der Gewaltenteilung und jeglicher Unterbindung einer Machtenthebung wird der Politiker oft als Diktator bezeichnet.

Nicolás Maduro: Kontroversen um den venezolanischen Politiker

Nicolás Maduro steht aufgrund einer Vielzahl an angeblichen Straftaten in der Kritik. Die UNO wirft dem venezolanischen Politiker Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Seit dem Jahr 2014 soll seine Regierung willkürliche Tötungen angeordnet haben und dabei auch von Folter Gebrauch gemacht haben, heißt es in einem im September 2020 veröffentlichten Bericht. Dabei handle es sich um „koordinierte Verbrechen mit dem Wissen oder der direkten Unterstützung“ von hohen Regierungsmitgliedern. Die venezolanische Regierung selbst wies die Vorwürfe zurück.

Des Weiteren wird Maduro vorgeworfen, die Bevölkerung Venezuelas während seiner Regentschaft weiter in die Armut getrieben zu haben – und das, obwohl das Land eigentlich über reiche Erdölvorräte verfügt. Die Bürger bezeichneten die Mangelernährung infolge einer schweren ökonomischen Krise passend als „Maduro-Diät“. Nach einer Umfrage der drei wichtigsten Universitäten des Landes verloren im Jahr 2016 rund drei Viertel der Venezolaner acht Kilos. Laut Unicef sind mittlerweile 13 Prozent aller Kinder unterernährt. Auch die medizinische Versorgung des Staates ist prekär. Trotzdem forderte der Politiker im März 2020 alle Frauen des Landes auf, zahlreiche Kinder zu haben.

Auch in Drogengeschäfte soll Maduro involviert sein. Das US-Außenministerium wirft ihm vor, mit Drogenkartellen zusammenzuarbeiten und Geldwäsche zu betreiben. Seit 20 Jahren soll er einen Drogenhändlerring mit dem Namen Cartel de los Soles anführen. Wegen „Narko-Terrorismus“ wurde gegen ihn und weitere hochrangige Politiker Anklage erhoben. Zudem wurde ein Kopfgeld in Höhe von 15 Millionen Dollar auf Maduro ausgesetzt.

Nicolás Maduro: Familie und Privatleben

Seit 2013 ist Nicolás Maduro mit der venezolanischen Anwältin und Politkerin Cilia Flores verheiratet, nachdem er sich von Adriana Guerra Angulo hatte scheiden lassen. Aus erster Ehe hat der Politiker den Sohn Nicolás Maduro Guerra, der ebenfalls eine politische Karriere eingeschlagen hat und von seinem Vater kurz nach dessen Ernennung zum Staatsoberhaupt zum Kopf des Ermittlungskorps des Präsidenten gemacht wurde. In dieser Funktion kontrolliert er die Auswirkungen der politischen Handlungen des Präsidenten.

2014 erhielt er außerdem zu seinem 24. Geburtstag die Position des Koordinators der National Film School of Venezuela. Vor diesen Ernennungen hatte Maduro Guerra kaum Erfahrung als Politiker und keine Berührungspunkte mit der Film-Industrie. Im gleichen Jahr wurde er bei einem Parteikongress der PSUV zum Abgeordneten des El Valle Capital District gewählt. 2017 erhielt er zudem einen Sitz in der Konstituierenden Nationalversammlung. Maduro Guerra hat zusammen mit seiner Frau Grysell Torres zwei Töchter, die 2007 und 2014 geboren wurden, was Nicolás Maduro zum Großvater macht.

Das Ehepaar Maduro steht wegen des Verdachts zur Vetternwirtschaft stark in der Kritik. Im Jahr 2000 wurde Cilia Flores zur Abgeordneten in die Nationalversammlung gewählt. Während ihrer Zeit als Abgeordnete soll sie 16 Verwandten einen Arbeitsplatz in der Nationalversammlung verschafft haben. Die Politikerin selbst wies die Nepotismus-Vorwürfe als abwegig zurück und klagte, Opfer einer Schmutzkampagne zu sein. Ein Korruptionsverfahren gegen Flores wurde eingestellt.

Mit Maduros knappen Gewinn in der Präsidentschaftswahl 2013 wurde Flores zur First Lady, eine Position, die davor zehn Jahr lang nicht bekleidet worden war. Die 64-Jährige war in erster Ehe mit Walter Ramón Gavidia verheiratet, mit dem sie drei Söhne hat: Yosser Gavidia Flores, Walter Gavidia Flores und Yoswal Gavidia Flores. Mit Maduro war sie bereits seit den 1990er Jahren in einer romantischen Beziehung, als sie Hugo Chávez als Anwältin zur Seite stand. Flores verfolgte stets ihre eigenen politischen Ambitionen und wurde 2006 zum ersten weiblichen Präsidenten der Nationalversammlung gewählt.

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