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Waffenlieferung an die Ukraine - auf Kosten der eigenen Armee?

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Von: Linus Prien

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Die niederländische Regierung plant, Panzerhaubitzen an die Ukraine zu liefern. In der Armee wurde protestiert, da die Waffensysteme zur eigenen Aufrüstung benötigt werden sollen.

Amsterdam - In den Niederlanden stößt eine beabsichtigte Lieferung von Panzerhaubitzen an die Ukraine auf Widerstand im Militär. „Ich verstehe die Notwendigkeit, die Ukraine zu unterstützen, aber gleichzeitig wird von uns erwartet, dass wir unsere Streitkräfte in Ordnung bringen, und diese Panzerhaubitzen sind ein gutes Mittel zu diesem Zweck“, sagte der Vorsitzende der Niederländischen Offiziersvereinigung, Niels van Woensel, der Amsterdamer Zeitung De Telegraaf. Auch in Deutschland wurde die Frage diskutiert, welche Waffensysteme die Bundeswehr entbehren könne. Seit Beginn des eskalierten Ukraine-Konflikts forderte die ukrainische Regierung ihre Partner dazu auf, Waffen zu liefern.

Ukraine-Krieg: Waffen für die Ukraine könnten im eigenen Land benötigt werden

Bei der niederländischen Armee sei man frustriert, denn die Geschütze würden benötigt, um die Schlagkraft der eigenen Armee zu erhöhen. Die Verteidigungsministerin müsse nicht nur die Belange der Ukraine, sondern auch die des eigenen Landes abwägen. „Man sollte davon ausgehen, dass Den Haag eine umfassendere Bewertung der Interessen vornehmen wird, so wie es in Deutschland der Fall ist. Dort zögert der Bundeskanzler, schwere Waffen abzugeben, weil man, wie unser Land, nur wenige davon hat“, sagte van Woensel.

Im Zusammenhang der Lieferung schwerer Waffen aus Bundeswehrbeständen sagte der stellvertretende Generalinspekteur der Bundeswehr, Markus Laubenthal, dem ZDF: „Wir hätten keine Möglichkeit mehr, auf Eventualitäten zu reagieren, und das würde die Verteidigungsfähigkeit doch erheblich schwächen“. Andere bemühten das Argument, dass Deutschland nicht mehr seinen Nato-Verpflichtungen nachkommen könnte, wenn gewisse schwere Waffensysteme in die Ukraine geliefert werden würden. Mittlerweile spricht sich auch die Bundesregierung für die Lieferung mancher schweren Waffen aus.

Ukraine-Krieg: Waffensysteme könnten zu kompliziert sein

Berücksichtigt werden müsse, dass es sich um Waffen handelt, die eine monatelange Ausbildung erforderten. „Die Ukraine bittet nun darum, alles zu schicken, was verfügbar ist, was aus ihrer Sicht logisch ist, aber was nützen diese Teile in Wirklichkeit“, fragte der Chef der Offiziersvereinigung. „Und wie vernünftig waren Sie als Niederländer, wenn ein solches Geschütz innerhalb eines Tages außer Gefecht gesetzt wird?“

Ein vom Telegraaf befragter ehemaliger Generalleutnant verwies auch auf die Gefahr, dass eine der Panzerhaubitzen 2000 - aus seiner Sicht eines der besten verfügbaren Waffensysteme - den Russen in die Hände fällt. „Wenn das geschieht, befindet sie sich ein paar Tage später in Einzelteile zerlegt in Russland und die Russen können sie nachbauen.“

Panzerhaubitze 2000 der Bundeswehr
Panzerhaubitze 2000 © Björn Trotzki via www.imago-images.de

Waffenlieferungen durchkreuzen niederländische Aufrüstungspläne

Die Niederlande haben nach dem Zeitungsbericht 24 einsatzbereite Geschütze vom Typ Panzerhaubitze 2000 aus deutscher Herstellung. Weitere 29 der Haubitzen einer früheren Bauserie befinden sich im Depot. Dort werden sie seit vielen Jahren eingelagert, weil nach ihrer Beschaffung Geld, Personal und die Notwendigkeit fehlte, sie in Betrieb zu nehmen. Der ursprüngliche Plan war nun, bis 2023 zur Ertüchtigung der niederländischen Streitkräfte zwölf der Haubitzen in Benutzung zu nehmen. Mit der Lieferung einer noch nicht bezifferten Zahl von Haubitzen an die Ukraine geraten diese Pläne unter Druck. (dpa/lp)

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