+
Eine Szene aus dem Video, dass die Islamistengruppe Boko-Haram am Sonntag veröffentlicht hat.

Nach Videobotschaft von Boko-Haram

Nigeria erkennt "Islamisches Kalifat" nicht an

Borno - Das nigerianische Militär widersprach am Sonntag der Ausrufung eines "Islamischen Kalifats" durch die Gruppe Boko Haram. Die territoriale Integrität sei "intakt".

Das nigerianische Militär hat das von der Islamistengruppe Boko Haram in einer von ihr eroberten Stadt ausgerufene "Islamische Kalifat" zurückgewiesen. Diese Erklärung von Boko-Haram-Anführer Abubakar Shekau bedeute gar nichts, erklärte die Armee am Sonntagabend. Die Souveränität und die territoriale Integrität des Landes seien nach wie vor "intakt".

Shekau hatte zuvor in einem fast einstündigen Video erklärt, nach dem "Sieg" seiner Kämpfer in Gwoza habe die Stadt im nordöstlichen Bundesstaat Borno "nichts mehr mit Nigeria zu tun". Gwoza sei nun "Teil des Islamischen Kalifats", einer vor fast hundert Jahren verschwundenen islamischen Regierungsform.

Im Juli hatte Shekau in einem Video dem Anführer der im Irak und in Syrien vorrückenden Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS), Abu Bakr al-Bagdadi, seine Unterstützung zugesagt. Die radikalsunnitische Gruppe, die sich damals noch Islamischer Staat im Irak und in Großsyrien (Isis) nannte, hatte Ende Juni in den von ihr kontrollierten Gebieten ein Kalifat ausgerufen und al-Bagdadi zum Kalifen und damit zum "Anführer aller Muslime" ernannt.

Ob sich Shekau mit der Ausrufung des Kalifats in Gwoza dem Kalifat der IS-Kämpfer anschließt oder ob er damit ein eigenes nigerianisches Kalifat meint, war zunächst unklar.

Als Kalif wird in der islamischen Welt der Nachfolger des Propheten Mohammed als "Emir der Gläubigen" bezeichnet. Zwischen dem siebten und dem 16. Jahrhundert erlebte das Kalifat seine Blütezeit. Im 19. Jahrhundert war auf dem Gebiet des heutigen Nigeria das sogenannte Kalifat von Sokoto ausgerufen worden, das unabhängig von anderen islamischen Staaten wie dem Osmanischen Reich existierte. Mit dem Zerfall des Osmanischen Reiches 1924 endete das letzte Kalifat.

UN-Vertretern zufolge war Gwoza Anfang August von Boko-Haram-Kämpfern erobert worden, die Armee bereitet aber offenbar eine Rückeroberung vor. Militärsprecher Chris Olukolade versicherte am Sonntag, dass die Armee Boko Haram wieder aus der Stadt vertreiben werde. Eine "Gruppe von Terroristen", die Anspruch auf einen Teil des Landes erhebe, werde mit einem solchen "Verbrechen" und "Ausdruck von Größenwahn" nicht durchkommen, sagte er. Der Einsatz, um die Region von den "Aktivitäten der Banditen" zu befreien, sei im Gange, fügte er hinzu.

Boko Haram kämpft seit Jahren mit Gewalt für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Seit 2009 tötete sie bei Anschlägen und Angriffen auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen mehr als 10.000 Menschen. Im April machte Boko Haram Schlagzeilen mit der Entführung von 276 Mädchen aus einer Schule, von denen die meisten noch immer vermisst sind.

AFP

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wegen Besuchsverboten: Merkel droht mit Bundeswehr-Abzug aus Incirlik
Wegen der Besuchsverbote für Bundestagsabgeordnete hat Angela Merkel mit dem Abzug deutscher Soldaten vom türkischen Luftwaffenstützpunkt in Incirlik gedroht.
Wegen Besuchsverboten: Merkel droht mit Bundeswehr-Abzug aus Incirlik
Attentäter reiste von Düsseldorf nach Manchester
Der Attentäter Salman Abedi kam von Düsseldorf aus nach Manchester. Allerdings stieg er hier nach Erkenntnissen der Ermittler am Flughafen nur um. Schon früher soll er …
Attentäter reiste von Düsseldorf nach Manchester
Obdachloser half nach Anschlag: West Ham United zahlt ihm dafür eine Wohnung
Schon wieder hat ein Selbstmordanschlag die Welt erschüttert: Am Montag riss ein Attentäter 22 Menschen in den Tod, darunter viele Kinder. Am Donnerstag hat die Queen …
Obdachloser half nach Anschlag: West Ham United zahlt ihm dafür eine Wohnung
Trump bei der EU-Spitze: Uneinigkeit bei Klima, Handel, Russland 
Beim ersten Treffen von US-Präsident Donald Trump mit führenden EU-Politikern sind die unterschiedlichen Ansichten zu Klimawandel, Handelspolitik und Russland deutlich …
Trump bei der EU-Spitze: Uneinigkeit bei Klima, Handel, Russland 

Kommentare