Mike Schier, Leiter der Politik-Redaktion des Münchner Merkur. 

Angela Merkels Rede im Bundestag

Kommentar: Sie ist noch nicht fertig

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Berlin - Die Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Bundestag kommentiert Mike Schier, Leiter der Politik-Redaktion des Münchner Merkur. 

Nein, eine mitreißende Rednerin wird aus Angela Merkel in diesem Leben nicht mehr. Ihre Rhetorik kennt nur wenige Tonlagen – ob sie bei einer Trauerfeier oder einer Messeeröffnung spricht, ist an der Art ihres Vortrags kaum herauszuhören. Früher, als es meist um eher technokratische Details der Euro-Krise, der Steuer- oder Rentenpolitik ging, vertiefte diese Monotonie das nahezu blinde Grundvertrauen der Deutschen in ihre Kanzlerin, die sich um all die komplizierten Fragen schon kümmern werde. Hauptsache, man musste es selbst nicht tun! Doch jetzt, in der Flüchtlingsdebatte, fällt es der nüchternen Kanzlerin immer schwerer, mit ihren Inhalten zu den Herzen der zunehmend skeptischen Deutschen durchzudringen. Plötzlich entdecken viele bei sich ein Gefühl der Ermüdung, das sie aus den späten Kohl- oder Stoiberjahren kannten: das Verlangen nach einem neuen Gesicht an der Spitze des Staates.

Doch all jene, die darauf spekulieren, die Kanzlerin könne aus (mehr oder weniger) freien Stücken im kommenden Herbst den Weg frei machen, müssen sich noch gedulden. Das Signal, das von Merkels – für ihre Verhältnisse – kraftvoller Rede am Mittwoch im Bundestag ausging, lautet eher: Ich bin noch nicht fertig! Nur mäßig verhüllte Rüffel an die Herren Seehofer und Gabriel, die zuletzt gelegentlich überraschend ähnlich klangen. Dazu ein neues Leitmotiv, hinter dem sich auch die verschreckte konservative Stammwählerschaft versammeln könnten: „Deutschland wird Deutschland bleiben“ statt des viel zu oft wiederholten „Wir schaffen das“.

Das sind zwar Worte, wie sie die CSU lange gefordert hat. Doch inzwischen will die Schwesterpartei Taten sehen. Die CDU aber lehnt die Obergrenze weiter ab. Umso spannender wird, wie die CSU bei ihrer morgen beginnenden Vorstandsklausur mit Merkels Aufruf zur Mäßigung umgehen wird. Der Zeitpunkt für die Entscheidung, ob man mit oder gegen Merkel in die Wahl geht, dürfte sich kaum bis nächstes Frühjahr hinauszögern lassen.

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