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Luise Kinseher hatte ihren letzten Auftritt als „Mama Bavaria“ beim Nockherberg 2018.

Politiker-Derblecken

Nockherberg: Die derbsten Sprüche von Mama Bavaria für Seehofer, Söder und Co.

Die CSU-Doppelspitze aus Horst Seehofer und Markus Söder ist beim Politiker-Derblecken auf dem Münchner Nockherberg mit Hohn und Spott überzogen worden. Am Ende gab es eine große Überraschung.

Die Kabarettistin Luise Kinseher als „Mama Bavaria“ sagte in ihrer Rede am Mittwochabend, es herrsche ja nun Friede in der CSU, und spottete: „Friede in der CSU: Das klingt für mich noch unheimlicher wie das Schweigen der Lämmer.“ Seehofer und Söder seien jetzt befreundet. „Zwar nicht miteinander, aber es ist schon mal ein Anfang.“

Über Söder, der Seehofer in wenigen Wochen als bayerischer Regierungschef ablösen soll, sagte sie: „Wie er langsam zum Ministerpräsidenten mutiert - die angegrauten Schläfen, das mild durchwehte Lächeln, der gütige Blick, leichtes Übergewicht: Es wird nicht mehr lang dauern, dann werden wir ihn drollig finden!“

Lesen Sie auch: Unser Live-Ticker vom Politiker-Derblecken und vom Singspiel am Nockherberg

Kinseher verkündet überraschend ihren Rückzug

Es war Kinsehers letzte Rede als „Mama Bavaria“: Am Ende ihrer Ansprache verkündete sie überraschend noch auf der Bühne ihren Abschied. Acht Jahre lang habe sie nun „ermahnt, getröstet, geschimpft“. Doch „gute Eltern“ wüssten, wann es Zeit sei, loszulassen.

Kinseher war in den vergangenen Jahren teilweise sehr umstritten gewesen und viel kritisiert worden. Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) und andere waren der Veranstaltung deshalb aus Protest fern geblieben. Am Mittwoch aber applaudierte das Publikum im Stehen.

Mama Bavaria lästert über das Heimatministerium

Gleich zu Beginn hatte Kinseher von einem „historischen Nockherberg“ mit gleich zwei Ministerpräsidenten gesprochen - einem amtierenden und einem gefühlten. Über Seehofer, der CSU-Chef bleiben und Innen-, Bau- und Heimatminister werden soll, lästerte sie: „Ich glaube ja, man hat sich in ganz Deutschland nichts sehnlicher gewünscht als Horst Seehofer als Heimatminister. Ich frag mich nur: Wie geht es da einem Oberlausitzer? Der Oberlausitzer denkt sich doch: Kaum ist der Russe weg, kommt der Bayer!“ Seehofer solle sich ja nicht übernehmen mit seinem Superministerium. „So ist er, der Horst. Wie ein Jongleur, der sagt, ich jongliere nicht mit fünf Bällen, sondern gleich mit zehn - dann merkt man es nicht so schnell, wenn einer runterfällt.“

Markus Söder (l.) und Horst Seehofer stoßen beim Starkbieranstich miteinander an.

Aber auch andere Parteien nahm Kinseher ins Visier, etwa die SPD. „Liebe GroKo-Gegner in der SPD! Wenn Ihr wissen wollt, wie aus einem Zwerg in der Opposition ein Riese wird - dann schaut hoffnungsfroh nach Bayern“, spottete sie über die bayerischen Sozialdemokraten, die ihren Rang als zweitstärkste Kraft verlieren könnten. Über FDP-Chef Christian Lindner, der die Jamaika-Gespräche abgebrochen hatte, sagte sie: „Er war kurz da, aber als er gemerkt hat, es wird ernst, war er gleich wieder weg.“ Und über Freie-Wähler-Chef Aiwanger sagte sie: „Bei den Freien Wählern gibt es so viele herausragende, hoch talentierte Charakterköpfe. Da gibt es den Hubert Aiwanger, den Hubert und den Hubsi! Und alle drei wollen Minister werden.“

Nockherberg 2018: Die besten Bilder vom Politiker-Derblecken

Kinseher: „In der CSU gibt es kein #metoo, sonder nur #younot“

Aber auch andere CSU-Spitzenpolitiker bekamen ihr Fett weg, etwa Landesgruppenchef Alexander Dobrindt („der Erfinder der scharfen Platzpatrone“) oder Kultusminister Ludwig Spaenle („Du bleibst Minister, und zwar sachgrundlos“). Und über die Männer-dominierte CSU insgesamt sagte sie: „Man wird in der CSU als Frau nicht belästigt, zumindest nicht mit den höchsten politischen Ämtern! In der CSU, da gibt es kein #metoo, da heißt es von vorne herein „you not“.“

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