Dieser Mann will die CDU erneuern

Norbert Röttgen im Portrait: Karriereweg, Niederlage und Familie des Mannes, der den CDU-Vorsitz will

Norbert Röttgen musste in seiner politischen Laufbahn bereits tief fallen - jetzt will er CDU-Vorsitzender werden. Wir stellen den Kandidaten vor.

  • Norbert Röttgen bewirbt sich im Januar 2021 um den Posten des CDU-Vorsitzenden. 
  • Der Politiker musste 2012 bereits eine herbe politische Niederlage verkraften. 
  • Seine Konkurrenten sind Friedrich Merz und Armin Laschet.

München - Norbert Röttgen hat Großes vor: Nach der Rücktritts-Ankündigung von Annegret-Kramp-Karrenbauer will er Parteichef der CDU werden. Dass der ehemalige Bundesminister, den man einst als „Muttis Klügsten“ kannte, seinen Hut in den Ring geworfen hat, dürfte einige überrascht haben. Doch seit seinem abrupten politischen Absturz im Jahr 2012, hat er lange an einer Rückkehr gearbeitet. Sein bemerkenswertes Comeback gipfelt nun im Streben nach der höchsten Position in seiner Partei - er will den Parteivorsitz der CDU übernehmen. Doch wer ist eigentlich der Mann, der so tief fiel und jetzt ganz nach oben will?

Norbert Röttgen - er war schon einmal der Hoffnungsträger der CDU

Noch bevor er seine Schulzeit beendete, wusste Röttgen, wo er politisch steht: Er trat nämlich bereits 1982 in die CDU ein. Dort engagierte er sich zunächst in der Jungen Union, wo er 1992 sogar zum Vorsitzenden des Landesverbands Nordrhein-Westfahlen gewählt wurde. 1994 folgte schließlich sein Einzug in den Deutschen Bundestag, dem er bis heute angehört. Seine Wähler sind ihm dabei treu: Bei jeder folgenden Wahl, wurde er direkt ins Parlament gewählt.

Im Februar 2005 übernahm Röttgen den Posten des ersten Parlamentarischen Geschäftsführers der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, im Oktober 2009 wurde er dann zum Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit berufen. Der redegewandte Röttgen durchlebte damals einen schnellen Aufstieg in seiner Partei - doch dann kam der tiefe Fall. 

Röttgens Fall: Wahlniederlage in Nordrhein-Westfahlen und Entlassung 

„Ich habe verloren. Es war mein Wahlkampf“, sagte Röttgen im Jahr 2012, unmittelbar nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfahlen. Die SPD hatte erstmals seit der Wahl im Jahr 2000 mehr Mandate erringen können als die CDU. Für den Spitzenkandidaten Röttgen: „seine persönliche Niederlage“. Die Folge: Angela Merkel ließ ihn fallen. Am 16. Mai, nur wenige Tage nach seinem Wahl-Scheitern, schlug die Bundeskanzlerin dem Bundespräsidenten dann Röttgens Entlassung vor und plötzlich war der aufsteigende Stern am CDU-Himmel ganz tief gefallen - vorerst. 

Norbert Röttgen will für den CDU Vorsitz kandidieren

Röttgens Rückkehr und seine Pläne für die Zukunft 

Röttgen, der nach Rudolf Scharping erst der zweite Minister war, der jemals von einem Kanzler entlassen wurde, lies sich dadurch jedoch nicht lange stoppen. Zwar musste er in seiner Funktion als Minister weichen, doch kam er politisch auch wieder auf die Beine: Seit Januar 2014 ist Norbert Röttgen Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses und wenn es nach ihm geht, führt ihn sein Weg bald ganz nach oben: in die Chefetage der CDU

Bei einer ersten Pressekonferenz erklärte der Kandidat, warum er sich nach Kramp-Karrenbauers Rücktritt um den Parteivorsitz der CDU bewirbt: „Das zu bewahren, was uns und Deutschland ausmacht, eine solidarische Gesellschaft, eine einzigartige Wirtschaft von Innovation und Mittelstand und eine stabile, offene, tolerante Demokratie. Um dieses Ziel, um die Schaffung eines Ziels, an dem wir arbeiten -  darum geht es und dazu möchte ich meinen Beitrag leisten.“ 

Röttgens Anliegen: eine „strategische Erneuerung der CDU“

Außenpolitisch hat sich Norbert Röttgen bereits einen Namen gemacht, jetzt will er die CDU reformieren. In einem Interview mit der Tagesschau sagte Röttgen: „Mein Ziel ist, dafür einzutreten, dass die personelle Erneuerung der CDU, die ansteht in einer Position des Vorsitzenden, verbunden wird mit der notwendigen inhaltlichen Erneuerung. Das eine ohne das andere ist keine Erneuerung.“ Und hierfür brauche die CDU laut Röttgen „eine inhaltliche strategische Erneuerung und Positionierung“. Wichtig sei ihm dabei, dass man den aktuellen Rechtspopulismus und die „Krise der westlichen Demokratien überall“ nicht ignoriere. 

Auf die Frage, ob er dann auch Kanzler werden wolle, sagte er: „Ja, der Parteivorsitzende der CDU hat das erste Zugriffsrecht auf die Kanzlerkandidatur, was die CDU anbelangt und das würde ich genauso für meine Person in Anspruch nehmen, ganz selbstverständlich. Und dann geht es darum, mit der CSU zusammen einen gemeinsamen Unionskandidaten aufzustellen. Das haben wir Jahrzehnte so gemacht und das sollte auch weiter so gelten.“

Norbert Röttgens Leben neben der Politik: Jurist, Katholik, Ehemann 

Röttgen passt auch privat ganz ins Programm seiner Partei: Der Katholik ist mit der Rechtsanwältin Ebba Herfs-Röttgen verheiratet und hat gemeinsam mit ihr zwei Söhne sowie eine Tochter. Aufgewachsen ist er im nordrhein-westfälischen Rheinbach. Nach seinem Abitur studierte Röttgen Rechtswissenschaften an der Universität Bonn, wo er schließlich beide Staatsexamen ablegte. 2001 folgte dann seine Promotion. (kf)

Rubriklistenbild: © dpa / Christoph Soeder

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