US-Präsident verurteilt Raketentests

Nordkorea wütet gegen Joe Biden: „unverhohlener Übergriff auf das Recht unseres Staats“

  • vonDana Popp
    schließen

Nordkorea hat erneut Raketentests durchgeführt. US-Präsident Joe Biden kritisiert das Vorgehen des ostasiatischen Landes scharf. Die Reaktion folgt prompt.

Update vom 27. März, 9 Uhr: Auf die Kritik Joe Bidens an Nordkoreas Raketentests folgt prompt die Antwort.  „Ich denke, dass die neue US-Regierung offensichtlich den ersten Schritt falsch gemacht hat“, zitierten Staatsmedien den Sekretär des Zentralkomitees der in Nordkorea herrschenden Arbeiterpartei, Ri Pyong Chol, am Samstag. Das Land habe sein Recht auf Selbstverteidigung ausgeübt. Nordkorea warf dem US-Präsidenten dabei Provokation vor.

Ri äußerte den von Pjöngjang üblich gemachten Vorwurf gegen die USA, eine feindselige Politik zu verfolgen und Nordkorea militärisch zu bedrohen. Bidens Worte seien ein „unverhohlener Übergriff auf das Recht unseres Staats auf Selbstverteidigung und eine Provokation.“

Nordkorea: Joe Biden warnt Machthaber Kim Jong Un vor weiteren Raketentests

Update vom 26. März, 16.20 Uhr: Erst am Sonntag hat Nordkorea vermutlich zwei Marschflugkörper von kurzer Reichweite abgefeuert (siehe Erstmeldung). Das teilte der Generalstab der südkoreanischen Streitkräfte am Mittwoch mit. Nun hat es, nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur, erneute Raketentests gegeben. Nordkorea unter Machthaber Kim Jong Un habe zudem technische Fortschritte bei der Entwicklung dieser Waffensysteme für sich reklamiert. Bei dem Test am Donnerstag sei der „neue Typ eines taktischen, gesteuerten Projektils“ erfolgreich zum Einsatz gekommen, berichteten Staatsmedien am Freitag. Die Entwicklung der Waffensysteme sei „von großer Bedeutung für den Ausbau der Militärmacht des Landes und die Abschreckung gegen alle Arten militärischer Bedrohungen auf der koreanischen Halbinsel“, wurde das Politbüromitglied der in Nordkorea herrschenden Arbeiterpartei, Ri Pyong Chol, zitiert.

Nach Informationen von Südkorea und Japan hatte Nordkorea am Donnerstag zwei ballistische Kurzstreckenraketen im Osten des Landes in Richtung offenes Meer abgeschossen. Das ostasiatische Land beschrieb die erprobte Rakete weiter als „Waffensystem, dessen Sprengkopfgewicht auf 2,5 Tonnen verbessert“ worden sei. Der Flugkörper habe nach Angaben von Nordkorea wie geplant ein angepeiltes Ziel im Wasser in 600 Kilometer Entfernung von der nordkoreanischen Ostküste getroffen. Nach Informationen des südkoreanischen Militärs flogen die beiden Raketen nur 450 Kilometer, bevor sie ins Meer stürzten.

Internationale Kritik: Joe Biden will sich um eine Denuklearisierung von Nordkorea bemühen

US-Präsident Joe Biden machte am Donnerstag bei einer Pressekonferenz klar, dass er die Auseinandersetzungen und den Atomstreit mit Nordkorea als großes Problem ansehe. Die USA seien bereit, sich auf diplomatischem Weg um eine Denuklearisierung Nordkoreas zu bemühen. Zugleich kritisierte er den jüngsten Raketentest als Verstoß Nordkoreas gegen UN-Sanktionen, dies berichtet die dpa. Die Verhandlungen zwischen beiden Ländern, über das nordkoreanische Atomprogramm, ist seit zwei Jahren zu einem Stillstand gekommen.

Die Bundesregierung verurteilte den Raketentests von Nordkorea. Südkorea und Japan äußerten sich zudem besorgt. Der südkoreanische Präsident Moon Jae In, der seit seinem Amtsantritt vor vier Jahren eine Annäherung gegenüber Pjöngjang verfolgt, betonte am Freitag bei einer Militärzeremonie, „jede Aktion, die die Stimmung für einen Dialog verschlechtert, ist nicht wünschenswert“. Es sei nun an der Zeit, für Süd- und Nordkorea sowie die USA, sich stärker um Gespräche zu bemühen.

Raketentest von Nordkorea: Antwort auf gemeinsame Militärübung von Südkorea und der USA

Erstmeldung vom 24. März, 17.15 Uhr:

Seoul/Washington - Nordkorea soll am Sonntag den ersten Raketentest seit dem Amtsantritt von US-Präsident Joe Biden unternommen haben. Bei dem Waffentest seien an der Westküste Nordkoreas vermutlich zwei Marschflugkörper von kurzer Reichweite abgefeuert worden, so der Generalstab der südkoreanischen Streitkräfte am Mittwoch. Joe Biden beunruhigt der Test scheinbar nicht. Auf die Frage von Journalist:innen, ob der Test als Provokation gesehen werde, sagte der US-Präsident unter Berufung auf das US-Verteidigungsministerium am Dienstagabend (Ortszeit) in Washington: „Nein ... alles wie gehabt. Da gibt es kein neues Problem bei dem, was sie getan haben.“

Der Waffentest von Nordkorea erfolgte nach einer gemeinsamen Militärübung der Streitkräfte Südkoreas und der USA, so die Deutsche Presse Agentur. Die neuntägige Kommandoübung, die kein Feldtraining umfasste, war am Donnerstag der vergangenen Woche zu Ende gegangen. Nordkorea war jedoch mit diesen Übungen nicht einverstanden. Die einflussreiche Schwester des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un, Kim Yo Jong, hatte die Militärübungen verurteilt und der neuen US-Regierung vorgeworfen, als ersten Schritt Ärger machen zu wollen. Zudem hat der US-Außenminister Antony Blinken bei einem Besuch in Seoul (Südkorea) in der vergangenen Woche dazu aufgerufen, im Streit über das nordkoreanische Kernwaffenprogramm seinen Einfluss auf die Regierung in Pjöngjang stärker geltend zu machen.

Nach Informationen der dpa ist die US-Regierung dabei, in Zusammenarbeit mit Südkorea und anderen Verbündeten eine neue Nordkorea-Politik zu formulieren. Die umfassende Überprüfung dieser Politik einschließlich der Optionen sei fast abgeschlossen, sagte ein ranghoher Regierungsbeamter. Washington habe zu den diplomatischen Bemühungen bezüglich Nordkoreas keine „Illusionen darüber, wie schwierig das wird“.

Raketentest in Nordkorea: Tests von Marschflugkörpern werden von UN-Resolutionen nicht sanktioniert

Es war der erste bekannt gewordene Raketentest Nordkoreas seit Frühling des vergangenen Jahres, so die dpa. Der Test scheine Teil des Wintertrainings des nordkoreanischen Militärs zu sein, zitierte die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap einen Militärvertreter. UN-Resolutionen verbieten Nordkorea den Test von ballistischen Raketen, die je nach Bauart auch atomare Sprengköpfe tragen können. Tests von Marschflugkörpern unterliegen hingegen nicht den Sanktionen gegen das Land. Im Gegensatz zu ballistische Raketen verfügen Marschflugkörper (Cruise Missile) über einen permanenten eigenen Antrieb.

Die selbst erklärte Atommacht Nordkorea treibt sein Raketenprogramm seit vielen Jahren voran. Im Zentrum steht dabei die Entwicklung von ballistischen Raketen. Daneben entwickelt das isolierte Land unter Machthaber Kim Jong Un weitere Waffensysteme, darunter auch Lenkwaffen. Die Verhandlungen zwischen Pjöngjang und Washington über das nordkoreanische Atomprogramm kommen seit zwei Jahren nicht mehr voran. (dp/dpa)

Rubriklistenbild: © Ahn Young-Joon/dpa/pciture alliance

Auch interessant

Kommentare