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„Sprengstoff“ gefunden: Schweden sieht „schwere Sabotage“ an Nord Stream – Putin-Sprecher reagiert

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Von: Florian Naumann

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Nord-Stream-Lecks: Aufnahme nahe der Küste vor Bornholm
Aufnahme vom 27. September: Zeichen des Nord-Stream-2-Lecks vor der Küste von Bornholm in Dänemark © Handout/Danish Defence/AFP

„Reste von Sprengstoff“ haben schwedische Ermittler in der Nähe der Nord-Stream-Pipelines gefunden. Von „schwerer Sabotage“ ist die Rede.

Stockholm – Schwedische Ermittler sehen „schwere Sabotage“ hinter den Explosionen an den Gas-Pipelines Nord Stream 1 und 2. Analysen wiesen auf Reste von Sprengstoff an mehreren aufgefunden „Fremdkörpern“ hin, erklärte die Staatsanwaltschaft am Freitag (18. November).

Auch der schwedische Inlandsgeheimdienst Säkerhetspolisen (Säpo) veröffentlichte die Erkenntnisse. Der Verdacht auf Sabotage habe sich erhärtet. „Was in der Ostsee passiert ist, ist sehr ernst“, teilte Säpo mit. Ein Vertreter der schwedischen Marine sprach im Radiosender P1 von einer weiterhin ernsten Sicherheitslage.

Allerdings laufen die Ermittlungen noch, wie der Sender SVT unter Berufung auf eine Pressemitteilung der Strafverfolger berichtete. Die Nachforschungen seien „sehr komplex und umfassend“, sagte Staatsanwalt und Vorermittlungsleiter Mats Ljungkvist demnach. Weitere Nachforschungen sollten zeigen, ob man offiziell einen Tatverdächtigen nennen und anklagen könne.

Nord-Stream-Lecks: Ermittler wollen „in Ruhe arbeiten“

„Bei den Tatortuntersuchungen, die in der Ostsee durchgeführt wurden, wurden umfassende Beschlagnahmungen gemacht und das Gebiet wurde ausführlich dokumentiert“, erklärte Ljungkvist. Weitere Analysen sollten „sicherere Schlussfolgerungen rund um den Vorgang“ ermöglichen. Weitere Angaben wollten die Ermittler laut SVT zunächst nicht machen.

Laut Ljungkvist funktioniert die „Zusammenarbeit mit den Behörden in Schweden und anderen Ländern hervorragend“. Der Staatsanwalt schien allerdings auch eine kleine Mahnung zu senden – möglicherweise auch an Russland: „Für die weitere Arbeit an der Voruntersuchung und für die verschiedenen Kooperationen ist es wichtig, dass wir in Ruhe arbeiten können“, betonte er.

Russland reagiert auf Schwedens Nord-Stream-Ermittlungen: „Bestätigt unsere Informationen“

Der Kreml fühlte sich durch die schwedischen Erkenntnisse bestätigt: „Dass nun Angaben über einen Sabotage- oder Terrorakt eintrudeln, bestätigt nur ein weiteres Mal die Informationen, die die russische Seite hatte und hat“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Freitag der Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Es sei nun aber wichtig herauszufinden, wer hinter der Sprengung stehe, fügte er hinzu. Wladimir Putin persönlich hatte in einer Rede kaum verhohlen die USA als möglichen Drahtzieher beschuldigt.

Peskow nannte derweil Spekulationen über eine Reparatur von Nord Stream verfrüht. Zunächst sei es nötig, die Schadenshöhe zu berechnen. Diese Berechnung müssten Experten der Betreibergesellschaft von Nord Stream anstellen, die seinen Angaben nach inzwischen ebenfalls Zugang zur Unglücksstelle bekommen haben.

Nord Stream: Explosionen im September – Russland bestreitet Verantwortung

Insgesamt vier Explosionen hatten im September in den Wirtschaftszonen Schwedens und Dänemarks in der Ostsee mehrere Lecks in die Pipelines gerissen. Unterwasseraufnahmen zeigten später Spuren „extremer Gewalt“. Die Nord-Stream-Röhren waren für den Transport von russischem Gas nach Deutschland gebaut worden waren. Die Pipelines waren zum Zeitpunkt der Explosionen nicht in Betrieb, enthielten aber Gas.

Westliche Regierungen wie auch Russland erklärten schon damals, dass sie von Sabotage als Ursache der Lecks ausgehen. Ein Experte aus der Ukraine mutmaßte über bereits beim Bau angebrachte Sprengsätze. Russland bestreitet, für die Lecks verantwortlich zu sein. Moskau warf hingegen Anfang November Großbritannien vor, die Explosionen an den Gas-Pipelines gesteuert und koordiniert zu haben. (fn mit Material von AFP)

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