1. Startseite
  2. Politik

Hyperschallwaffen: UN-Experten vermuten Hacker hinter Kims Raketen-Coup

Erstellt:

Von: Sven Hauberg

Kommentare

Nordkorea Raketentest
Diese von Nordkoreas Nachrichtenagentur zur Verfügung gestellte Aufnahme soll den Test einer taktischen Lenkrakete KN-24 am 17. Januar zeigen. © KCNA/dpa

Im September 2021 testete Nordkorea erstmals eine Hyperschallrakete. UN-Experten haben nun eine Vermutung, woher das Regime das Know-how für die komplexe Technik hat.

Pjöngjang - Die Wirtschaft des Landes liegt am Boden, die Bevölkerung hungert, die Grenze zum großen Nachbarn China ist noch immer fest geschlossen. Und dennoch scheint Nordkoreas Diktator Kim Jong-un auch im elften Amtsjahr fest im Sattel zu sitzen. Um seine Macht zu sichern, setzt der Staatschef des abgeschotteten Landes auf nukleare Abschreckung und testet deshalb seit Monaten eine Rakete nach der anderen. Allein in den ersten vier Wochen des neuen Jahres ließ Kim sechs Tests durchführen. Die Botschaft dahinter ist klar: Seinen Feinden im Ausland will er seine Macht demonstrieren und gleichzeitig der eigenen Bevölkerung zeigen, dass er sie vor angeblichen Aggressoren beschützen kann.

Zuletzt testete das Regime sogar mehrere Hyperschallwaffen: Ende September vergangenen Jahres eine Rakete vom Typ Hwasong-8, im Januar dieses Jahres dann eine andere Hyperschallrakete, die gleich zweimal getestet wurde. Für Nordkorea sind Hyperschallraketen eine neue Technikgattung, die das Land offenbar erst seit Kurzem beherrscht und der es eine wichtige Rolle zuweist.

So vermeldete die staatliche Pyongyang Times nach dem erfolgreichen Test von Hwasong-8: „Die Entwicklung dieses Waffensystems, die unter dem besonderen Interesse des Zentralkomitees der Partei mit höchster Priorität vorangetrieben wird, ist von großer strategischer Bedeutung, um die eigenständige Kraft der hochmodernen Verteidigungswissenschaft und -technologie des Landes deutlich zu steigern und die Fähigkeiten der Nation zur Selbstverteidigung in jeder Hinsicht zu erhöhen.“

Nordkorea: Hyperschallraketen fliegen mit mehr als fünffacher Schallgeschwindigkeit

Hyperschallwaffen können Geschwindigkeiten oberhalb der fünffachen Schallgeschwindigkeit erreichen, sie fliegen also fast 6200 Kilometer pro Stunde. Wegen ihrer hohen Geschwindigkeit und großen Manövrierfähigkeit lassen sie sich nur schwer abfangen. Die Raketen können mit einem Atomsprengkopf bestückt werden und könnten deshalb in der Lage sein, nicht nur Japan oder Südkorea anzugreifen, sondern auch die USA.

Aber woher hat das nordkoreanische Regime das Know-how zum Bau der Raketen? Einem Bericht des zumeist gut informierten Potals NK News zufolge könnten Hacker im Auftrag der Regierung die notwendigen Daten gestohlen oder sich anderweitig besorgt haben. Das gehe aus einem Bericht einer Expertenkommission der Vereinten Nationen hervor, den NK News eigenen Angaben zufolge einsehen konnte.

Nordkorea: Das Volk hungert

Laut UN-Experten haben die nordkoreanischen Staats-Hacker aber nicht nur Raketen-Know-how gestohlen, sondern auch große Mengen an Kryptowährung. Demnach haben die kriminellen Computerspezialisten zwischen 2020 und Mitte 2021 etwa 50 Millionen US-Dollar von mindestens drei Handelsplattformen für Kryptowährungen in Europa, Asien und Amerika in ihren Besitz gebracht. Des Weiteren sollen die Hacker, so der UN-Bericht, auch ein südafrikanisches Logistikunternehmen angegriffen haben, um an Informationen über Warenverkehr zu kommen. Dies solle dem Regime helfen, Sanktionen gegen das Land zu umgehen.

Nordkorea unterliegt aufgrund seines Atomprogramms weitreichenden internationalen Sanktionen. Zusammen mit Naturkatastrophen, Missernten und der Abschottung des Landes seit Beginn der Corona-Pandemie gelten die Handelsbeschränkungen als Grund für die anhaltend schlechte Versorgungslage in Nordkorea.

Auch interessant

Kommentare