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Todesfälle wegen „Fieber“: Corona-Lage in Nordkorea spitzt sich zu – Militär soll bei Arzneimittel-Versorgung helfen

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Von: Anna-Katharina Ahnefeld

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Von offiziell 0 Patienten zu dramatischer Gesundheitslage: Das Coronavirus breitet sich in Nordkorea offenbar rasant aus. Das Land hat eines der schlechtesten Gesundheitssysteme der Welt.

Update vom 16. Mai, 5.50 Uhr: In Nordkorea spitzt sich die Corona-Lage offenbar weiter dramatisch zu. Machthaber Kim Jong-un habe angeordnet, dass das Militär die Medikamenten-Versorgung in der Hauptstadt Pjöngjang „sofort stabilisieren“ solle, wie die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Montag berichtete. Das isolierte Land meldete derweil acht weitere „Fieber“-Tote.

Todesfälle wegen „Fieber“: Corona-Lage in Nordkorea spitzt sich zu – Kim Jong-un spricht von „Unruhe“

Erstmeldung vom 15. Mai:

Pjöngjang – Während sich das Coronavirus im Rest der Welt rapide ausbreitete, vermeldete Nordkorea: Keine Infektionen. Lange Zeit galt das abgeschottete Land in Ostasien – zumindest offiziell – als Corona-frei. Das von Diktator Kim Jong-un regierte Nordkorea hatte 2020 seine Grenzen noch engmaschiger abgeriegelt, um sich vor der Pandemie zu schützen. Doch nun scheinen sich die Ereignisse zu überstürzen: Erst am Donnerstag hatte Nordkorea bekannt gegeben, dass die hoch ansteckende Omikron-Variante in der Hauptstadt Pjöngjang entdeckt worden sei. Am Wochenende hat sich die Corona-Lage offenbar weiter dramatisch verschärft. Machthaber Kim Jong-un teilte mit, der Ausbruch habe „große Unruhe“ in dem Land verursacht. Er sei jedoch zuversichtlich, dass „wir diese bösartige Infektionskrankheit innerhalb kürzester Zeit überwinden können“. 

Nordkorea selbst verfügt laut Experten über eines der schlechtesten Gesundheitssysteme der Welt, wie Agence France-Presse berichtet. Hinzu kommt, dass das Coronavirus auf eine ungeimpfte Bevölkerung trifft. Das Land hat Impfstoff-Angebote von China und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bisher abgelehnt. Nach den Meldungen über den Omikron-Ausbruch im Land haben sowohl die Regierung in Peking als auch Südkorea der Führung in Pjöngjang erneut Impfstoffe angeboten.

Corona-Ausbruch in Nordkorea: Regierung spricht von Todesfällen wegen „Fiebers“

Für die Menschen in Nordkorea dürfte der Corona-Ausbruch gravierende Auswirkungen haben. Das Land liegt wirtschaftlich am Boden, die Bevölkerung ist von einer Hungersnot betroffen. Diese hatte sich seit Ausbruch der weltweiten Corona-Pandemie immer weiter verschärft.

Das Land meldete am Sonntag 15 Todesfälle wegen „Fiebers“, am Samstag waren es 21. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA stieg die Zahl der Todesfälle auf insgesamt 42 – bei 820.620 Krankheitsfällen und mindestens 324.550 Fällen, die medizinische Behandlung bedürfen. Wie viele der Todesfälle auf das Coronavirus zurückzuführen sind, blieb unklar, da es an Testkapazitäten fehlt. In staatlichen Medien hieß es, die bisherigen Todesfälle seien „auf Fahrlässigkeit, einschließlich einer Überdosierung von Medikamenten, aufgrund mangelnder Kenntnisse über wissenschaftliche Behandlungsmethoden“ zurückzuführen.

Menschen schauen auf einen Fernsehbildschirm mit einem Bild des nordkoreanischen Führers Kim Jong Un während einer Nachrichtensendung in einem Bahnhof in Seoul, Südkorea. Nordkorea meldete am Samstag 21 neue Todesfälle und 174.440 weitere Menschen mit Fiebersymptomen, während das Land darum bemüht ist, die Ausbreitung von Covid-19 in der ungeimpften Bevölkerung zu bremsen.
Menschen schauen auf einen Fernsehbildschirm mit einem Bild des nordkoreanischen Führers Kim Jong Un während einer Nachrichtensendung in einem Bahnhof in Seoul, Südkorea. Nordkorea meldete am Samstag 21 neue Todesfälle und 174.440 weitere Menschen mit Fiebersymptomen, während das Land darum bemüht ist, die Ausbreitung von Covid-19 in der ungeimpften Bevölkerung zu bremsen. © Ahn Young-Joon/dpa

Laut dem Nordkorea-Experten Cheong Seong-chang vom südkoreanischen Sejong-Institut ist es „nicht übertrieben, all diese Fälle von ‚Fieber‘ als Covid-19-Erkrankungen zu betrachten“, da Nordkorea die Tests fehlten. Die tatsächlichen Ansteckungszahlen könnten Seong-chang zufolge wegen vieler asymptomatischer Fälle höher als die gemeldeten „Fieber“-Zahlen sein. Die Zahl der Ansteckungen wachse „sehr schnell“.

Nordkorea: Kim Jong-un kündigt landesweite Lockdowns an – nach Vorbild Chinas

Für alle Provinzen und Städte sei ein „völliger Lockdown“ angeordnet worden, so die staatliche Nachrichtenagentur. Kim kündigte an, Pjöngjang werde sich bei den landesweiten Lockdowns am Modell Chinas orientieren. Nordkorea sollte „von den Erfahrungen und fruchtbaren Erfolgen“ Chinas lernen. Peking verfolgt eine strikte Null-Covid-Strategie, kämpft derzeit allerdings selbst mit Corona-Ausbrüchen in mehreren Provinzen.

Nordkorea-Experte Leif-Eric Easley, Professor an der Ewha-Universität in Seoul, deutet die Rhetorik Kims als pessimistisches Signal an die eigene Bevölkerung. „Seine Sprache vermittelt den Eindruck, dass die Lage in Nordkorea sich verschlechtert, bevor sie sich wieder bessert“, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Mit seinen Worten könnte der Machthaber „den Weg für internationale Hilfe ebnen“ - oder aber „eine Bevölkerung hinter sich versammeln, die vor weiteren Opfern steht“.

Derweil weisen mitten in der schweren Gesundheitskrise im Land neue Satellitenbilder darauf hin, dass Nordkorea den Bau eines Reaktors in seiner wichtigsten Atomanlage wiederaufgenommen hat. Um seine Macht zu sichern, setzt der Staatschef des abgeschotteten Landes auf nukleare Abschreckung und testet deshalb seit Monaten eine Rakete nach der anderen. Analysten warnen davor, dass Kim die Testpläne für Atomwaffen beschleunigen könnte, um die nordkoreanische Bevölkerung vom Corona-Ausbruch abzulenken. (aka mit Material von AFP)

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