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Nordkoreanische Hacker erbeuten Rekordwert an Kryptowährung – Experten vermuten Zusammenhang mit Kim Jong Un

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Von: Anna-Katharina Ahnefeld

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Nordkorea soll 2021 eine Rekordsumme an Kryptogeld gestohlen haben.
Nordkorea soll 2021 eine Rekordsumme an Kryptogeld gestohlen haben. © Ozan KOSE/afp/picture alliance/dpa/KCNA

Mit gestohlener Kryptowährung soll Nordkorea seine Atomwaffen- und Raketenprogramme finanzieren. Im Zentrum: Die Lazarus-Gruppe. 2021 war besonders ergiebig.

Pjöngjang – Mit dem Test unbekannter Waffen hat Nordkorea erneut für Aufregung gesorgt. Als Antwort auf neue Sanktionen der USA hat das ostasiatische Land zwei Raketen abgefeuert, bei denen es sich vermutlich um ballistische Raketen von kurzer Reichweite handele, so der Generalstab der südkoreanischen Streitkräfte laut Deutscher Presse-Agentur am Freitag. Doch damit nicht genug. Auch eine weitere Meldung sorgt für Aufregung. Demnach soll Nordkorea nach Angaben von Expertinnen und Experten eine Rekordsumme an Kryptogeld gestohlen haben. Hacker hätten Cyberangriffe auf zahlreiche Plattformen für digitale Währungen unternommen und die Beträge auf nordkoreanisch kontrollierte Konten verschoben, schreibt die Blockchain-Datenplattform Chainalysis in einem neuen Bericht.

Analysten zufolge soll das Geld unter anderem für die Finanzierung der Atomwaffen- und Raketenprogramme des Diktators Kim Jong Un verwendet werden – wie ein Gremium der Vereinten Nationen in einem Bericht bereits in jüngerer Vergangenheit dem Land vorwarf. Nordkorea ist für seine Hacker berüchtigt. Das international weitgehend geächtete Land startete sein Cyber-Programm spätestens Mitte der 90er Jahre. Einer als Bureau 121 bekannten Cyber-Einheit sollen laut einem US-Militär-Bericht aus dem Jahr 2020 mehr als 6000 Mitglieder angehörigen, die teilweise aus Ländern wie Belarus, China, Malaysia und Russland heraus operieren.

Kim Jong Un erbeutet Rekordwert an Kryptowährung – „Sobald Nordkorea in den Besitz der Gelder...“

„Nordkoreanische Cyberkriminelle haben in diesem Jahr Bitcoin, Ether und Altcoins im Wert von fast 400 Millionen US-Dollar von Kryptowährungsunternehmen gestohlen“, heißt es in einem Bericht des US-amerikanischen Blockchain-Analyseunternehmens Chainanalysis. Kryptowährungen sind im vergangenen Jahr 2021 durch die Decke gegangen – Bitcoin stieg erstmals auf knapp 70.000 US-Dollar. Es erscheint somit wenig verwunderlich, dass auch kriminelle Hackergruppen von dem Boom profitierten.

Der Plattform Chainanalysis zufolge, hätte nordkoreanische Hacker im vergangenen Jahr bei sieben Einbrüchen in Kryptowährungsbörsen und Investmentfirmen die Summe erbeutet. Eine Steigerung von knapp 100 Millionen US-Dollar im Vergleich zu Diebstählen im Vorjahr, wie die US-amerikanische Computerzeitschrift Wired schreibt. Insgesamt soll Nordkoreas Hackergruppe so innerhalb von fünf Jahren 1,5 Milliarden US-Dollar gestohlen – und die Kassen des Diktators Kim Jong Un geflutet haben. Der versucht – trotz anhaltender Sanktionen und einer maroden Wirtschaft infolge von Corona und Missernten – sein abgeschirmtes Land am Laufen zu halten. Besonders die Lazarus-Gruppe soll im Mittelpunkt der Angriffe stehen. Weltbekanntheit erlangten die Hacker 2014 durch ihren Angriff auf Sony Pictures – Anlass war die Komödie „The Interview“, in der Kim Jong Un karikiert wurde.

Nordkorea: Die Lazarus-Gruppe: Hacker erbeuten Rekordsumme – Bedrohung für Kryptowährungsindustrie

Offenbar hat die Gruppe sich statt ideologischer Feldzüge auf Beuteraubzüge verlegt. „Von 2020 bis 2021 stieg die Zahl der mit Nordkorea in Verbindung stehenden Hacks von vier auf sieben, und der aus diesen Hacks extrahierte Wert wuchs um 40 Prozent“, so die Analyse von Chainalysis.

Die Verhaltensweisen zeichneten das Porträt einer Nation, die kryptowährungsgestützte Kriminalität in großem Umfang unterstützten, resümiert das Blockchain-Analyseunternehmen. Systematisch und ausgeklügelt habe sich die nordkoreanische Regierung – sei es durch die Lazarus-Gruppe oder ihre anderen kriminellen Syndikate – als fortgeschrittene, anhaltende Bedrohung für die Kryptowährungsindustrie im Jahr 2021 etabliert. „Sobald Nordkorea in den Besitz der Gelder gelangt war, begannen sie mit einer sorgfältigen Geldwäsche, um diese zu vertuschen und abzukassieren“, urteilt Chainanalysis. (aka mit Material aus AFP und dpa)

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