Dieses von der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA am 24.03.2021 zur Verfügung gestellte Foto zeigt Kim Jong Un, Machthaber von Nordkorea, während einer Zeremonie zum Spatenstich für den Bau von 10.000 Wohneinheiten.
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Dieses von der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA am 24.03.2021 zur Verfügung gestellte Foto zeigt Kim Jong Un, Machthaber von Nordkorea, während einer Zeremonie zum Spatenstich für den Bau von 10.000 Wohneinheiten.

Corona hat Land stark getroffen

Nordkorea: Kim Jong-un empört mit Meldung zu „freiwilligen“ Kindern

  • Anna-Katharina Ahnefeld
    VonAnna-Katharina Ahnefeld
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Staatsmedien berichten über „Freiwillige“ für „härteste Arbeit“ in Nordkorea. Unter ihnen befinden sich offenbar Hunderte jugendlicher Waisen.

Pjöngjang - Irritierende Nachrichten aus dem autoritär regierten kommunistischen Land Nordkorea scheint die Weltgemeinschaft gewohnt. Eine aktuelle Meldung ist dennoch schockierend. Für „härteste Arbeit“ sollen sich in Nordkorea zahlreiche Waisenkinder gemeldet haben. Berichte der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA schreiben von „Hunderten Absolventen der Waisenschulen“, die sich „freiwillig in schwierigen Bereichen einsetzen“, etwa in Kohleminen, genossenschaftlichen Farmen und bei großen Bauprojekten.

Die Nachrichtenplattform NK News, nach eigenen Angaben ein Zusammenschluss von Journalist:innen und Analyst:innen, die sich auf Nordkorea spezialisiert haben, twitterten am Samstag: „Nordkorea behauptet, dass Waisenkinder ‚freiwillig‘ in Kohlebergwerken und Farmen arbeiten. Laut staatlichen Medien fanden am 26. Mai Zeremonien statt, um ‚den Waisenkindern zu ihrer freiwilligen Arbeit in schwierigen und arbeitsintensiven Bereichen zu gratulieren‘.“ Den Berichten zufolge soll es sich bei diesen sogenannten „Freiwilligen“ neben Waisenkindern um eingezogene Soldat:innen und Studierende handeln.

Nordkorea unter Diktator Kim Jong-un: Hunderte „Freiwillige“ in Bergwerke geschickt - zahlreiche Waisen

Begleitet war der Tweet von Fotos, die offenbar in nordkoreanischen Zeitungen veröffentlicht wurden. Wie die britische Nachrichtenagentur Reuters berichtete, sollen diese Waisen die Mittelschule abgeschlossen haben. Die Bilder zeigen „Freiwillige“, die im jungen Teenageralter zu sein scheinen. Die US-amerikanische Nachrichtenseite ABC News schreibt, am Samstag hätte die nordkoreanische Nachrichtenagentur mehr als 700 Waisen vermeldet, die sich für die Arbeit auf Farmen, im Eisen- und Stahlkomplex und in der Forstwirtschaft gemeldet hätten. Zuvor hätte KCNA am Donnerstag über 150 Waisen berichtet, die fortan unter anderem in Kohlebergwerken arbeiten würden.

(Die Absolventen von Waisenschulen) haben sich freiwillig gemeldet, um an großen Baustellen für den sozialistischen Aufbau zu arbeiten, um ihre Jugend im Kampf um den Wohlstand des Landes zu verherrlichen“, zitiert ABC News aus der staatlichen Meldung des von der Welt isolierten ostasiatischen Landes. „Sie beendeten ihre Schulkurse unter der herzlichen Obhut der Mutterpartei.“ Wie herzlich die Obhut der Partei der Arbeit Koreas (PdAK), der in Nordkorea herrschenden Einheitspartei unter dem Parteivorsitzenden und Diktator Kim Jong-un tatsächlich ist, bleibt mehr als fraglich. Klar ist: Die Verifikation von Informationen aus Nordkorea und unabhängige Berichterstattung ist durch das restriktive politische System kaum möglich.

Die Corona-Pandemie und damit einhergehende Maßnahmen zur Eindämmung haben das Land wirtschaftlich stark getroffen. In einem Bericht der Vereinten Nationen vom März 2021 ist infolge dessen von „Hungersnöten“ und „Exekutionen“ bei Verstößen gegen die Corona-Auflagen die Rede. Ein Sonderberichterstatter für die Menschenrechtslage in Nordkorea beschreibt „Hungertote“ durch einen „drastischen Rückgang von Handel und Gewerbe“ und eine steigende Zahl von Kindern und alten Menschen, die auf das Betteln angewiesen sind. (aka)





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