Neue Drohungen

Nordkorea-Konflikt: Trump zieht seine erste rote Linie

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Der Konflikt zwischen Nordkorea und den USA hat eine neue Dimension. US-Präsident Donald Trump droht dem Land mit einem Militärschlag – und setzt sich damit unter Zugzwang.

WashingtonDie USA müssten wieder glaubwürdig werden, hat Donald Trump als Präsidentschaftskandidat gerne betont. Ex-Präsident Barack Obama habe mit seiner roten Linie, die er im Syrienkonflikt zog und danach aber nicht militärisch eingriff, an Glaubwürdigkeit verloren. Nun hat Trump als Präsident eine eigene rote Linie gezogen: Er sprach Nordkorea neue Drohungen aus.

In bisher ungekannter Schärfe hat der US-Präsident dem Regime für den Fall weiterer Provokationen eine Reaktion mit „Feuer, Wut und Macht“ angedroht. Und zwar eine, wie sie die Welt noch nicht gesehen habe.

Die Antwort aus Nordkorea kam sofort: Man erwäge einen Raketenangriff auf die US-Pazifikinsel Guam und werde einen Präventivkrieg der Amerikaner mit einem „totalen Krieg“ beantworten, der sämtliche Stützpunkte der USA auch auf dem amerikanischen Festland ausrotten werde. Guam ist zwar klein, aber der Stützpunkt für atomar bewaffnete US-Unterseeboote und Startpunkt für strategische Bomber.

Eine neue Dimension in dem Konflikt

Trumps Aussagen bedeuten in dem Konflikt mit Nordkorea eine neue Dimension. Zwar erklärte ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, man strebe weiterhin eine friedliche Lösung an. Doch er ergänzte: Die USA seien bereit, militärische Mittel einzusetzen, um sich zu verteidigen. Als Handlungsmaßstab erwägt Trump offenbar nicht mehr nur eine Gegenreaktion auf einen denkbaren nordkoreanischen Angriff – schon verbale Drohungen könnten Auslöser für eine Intervention werden.

Es bleiben keine Zweifel, dass Trump mit „Feuer, Wut und Macht“ ein Militärengagement meint. Seiner Einschätzung zufolge hätten alle anderen Maßnahmen – unter anderem auch die Charmeoffensive gegenüber dem Nordkorea-Helfer China – versagt. Und auch vom internen Ziel, den störrischen Diktator Kim Jong Un zu Gesprächen zu bewegen, scheint Trump weiter entfernt denn je.

Nordkorea treibt trotz internationaler Sanktionen sein Raketen- und Atomwaffenprogramm seit Jahren voran. Im Juli testete das Land zwei Interkontinentalraketen, die nach Einschätzung von Experten das US-Festland erreichen könnten. Laut einer Geheimdienststudie könnten nun auch Raketen mit Mini-Atomsprengköpfen bestückt werden. US-Verteidigungsminister James Mattis forderte das Regime am Mittwoch nochmals auf, das Atomwaffenprogramm aufzugeben. Die Führung in Pjöngjang hatte das Programm aber erst kürzlich als „nicht verhandelbar“ bezeichnet.

Der UN-Sicherheitsrat hatte erst am Samstag seine Strafmaßnahmen verschärft. Amerikanische Medien bewerteten das als Erfolg Trumps und seiner außenpolitisch eher unerfahrenen UN-Botschafterin Nikki Haley. Doch an den fortwährenden Muskelspielen scheint das nichts zu ändern.

Trump unter Zugzwang

Trump steht nun unter Zugzwang. Mittwoch gegen 5 Uhr morgens gab er sich in einer Internet-Textbotschaft kryptisch: „Hoffentlich werden wir niemals diese Macht nutzen müssen, doch es wird nie eine Zeit geben, in der wir nicht die mächtigste Nation der Welt sind.“ Und: Sein erster Befehl als Präsident sei es gewesen, das nukleare Arsenal zu modernisieren. Worte, die klar in Richtung Nordkorea zielen.

Der republikanische Senator Lindsay Graham hatte kürzlich gewarnt, den Präsidenten zu unterschätzen: Dieser sei zu einem Krieg bereit. Die „Washington Post“ sprach von der „Stunde der Wahrheit“, die nukleare Bedrohung sei „real geworden“. Und der prominente Pfarrer Robert Jeffress aus Texas, religiöser Berater des Präsidenten, erklärte, Gott habe Regierenden die volle Macht gegeben, das Böse mit allen Mitteln zu stoppen. Trump habe die Autorität, Kim Jong Un auszuschalten. Diese hochbrisanten Worte könnten Gewicht beim Präsidenten haben – schließlich predigte Jeffress auch bei Trumps Amtseinführung.

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