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Raketentest geglückt, Diktator erfreut: Kim Jong-un am Dienstag in Nordkorea.

Sind neue Sanktionen zielführend?

Nordkorea-Krise: „Es geht um Machterhalt“

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Nordkoreas Militär kann mit seinen Raketen nun offenbar das US-Festland erreichen. Donald Trump stichelt gegen China und lässt neue Sanktionen ankündigen. Wo führt das hin?

München – Die jüngste Verschärfung in der ohnehin scharfen Nordkorea-Krise ist gut 17 Meter lang. Am Dienstag hat Nordkoreas Militär – zur Begeisterung des anwesenden Diktators Kim Jong-un – eine Rakete ins japanische Meer gefeuert. Weil diese Rakete Experten zufolge das US-amerikanische Festland erreichen könnte, rätseln nun Politiker weltweit über die richtige Reaktion.

Erste Station: Washington. Das US-Militär hat umgehend reagiert und gemeinsam mit den Verbündeten aus Südkorea an der dortigen Ostküste ebenfalls einen Raketentest durchgeführt. Ergebnis: erfolgreich. Derweil erhöht US-Präsident Donald Trump auf politischer Ebene den Druck auf China. Auf Twitter stichelt er gegen die bisherige Schutzmacht der Kim-Dynastie. Regierungsvertreter kündigen verschärfte Wirtschaftssanktionen gegen das ohnehin bettelarme Nordkorea an.

„Weil die USA nun offenbar direkt bedroht sind, ändert das die weltpolitische Lage“, sagt Hanns Günther Hilpert. Er leitet für die Stiftung Wissenschaft und Politik die Forschungsgruppe Asien. „Trump hat seinen angekündigten Handelskrieg mit China vorerst abgeblasen“, sagt Hilpert. „Er braucht die Chinesen, um Nordkorea halbwegs im Zaum zu halten.“

Was bezwecken Nordkorea und Kim Jong-un mit den Tests?

Wie aber sieht Peking die Situation? „China will das Ende des Regimes nicht“, sagt Hilpert. „Denn die dann einsetzende Kettenreaktion ist nicht abschätzbar.“ Denkbar seien Flüchtlingsströme nach China und bürgerkriegsähnliche Zustände in Nordkorea. „In China sagt man sich: ,Wir nehmen lieber den Teufel, den wir kennen.‘“

In Südkorea sieht man die Dinge naturgemäß anders. Das zusammen mit den USA von Nordkorea zum Erzfeind erklärte Land wäre im Falle einer militärischen Eskalation unmittelbar betroffen. Nordkorea könnte Südkoreas Hauptstadt Seoul in kurzer Zeit unter Feuer nehmen. Ob die rundum stationierten Abwehr-Raketen im Ernstfall entscheidend weiterhelfen, ist offenbar höchst fraglich. In Südkorea gibt es deshalb Überlegungen, selbst atomare Waffen anzustreben.

Aber das Konzept Wettrüsten genießt unter Diplomaten einen zweifelhaften Ruf. Und bisher hat keiner der Beteiligten ein wirkliches Interesse an einer solchen Eskalation. „Dem Regime in Pjöngjang geht es in allererster Linie um den eigenen Machterhalt“, sagt Asien-Experte Hilpert. Leider sei viel zu wenig darüber bekannt, was im Land passiert. Aber die große Hungersnot der 1990er-Jahre habe auch viele systemtreue Nordkoreaner an der eigenen Führung zweifeln lassen.

Damit nach Berlin, wo passenderweise am Mittwoch der chinesische Präsident Xi Jinping bei Kanzlerin Angela Merkel zu Besuch war. Dabei dürfte es – neben dem nahenden G20-Gipfel in Hamburg – auch um Nordkorea gegangen sein. Xi gibt sich bisher den USA gegenüber in der Nordkorea-Krise zurückhaltend. Besonders in der chinesischen Zivilgesellschaft sollen viele Menschen das Treiben des Nachbarlands allerdings durchaus befremdlich finden.

Und Xi war am Mittwoch nicht der einzige asiatische Besuch im Kanzleramt. Denn Merkel empfing auch Südkoreas Präsident Moon Jae In. Dem schwebt ein stufenweiser Weg zu einem Abbau des nordkoreanischen Atomprogramms vor. Wie genau das funktionieren soll, hat er allerdings noch nicht erklärt.

Asien-Experte Hilpert mag angesichts dieser komplizierten Lage keine Prognose abgeben. „Bei Donald Trump weiß man nie. Aber er wird keinen Militärangriff auf Nordkorea befehlen – wenn er halbwegs bei Sinnen ist.“

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