Während G20-Gipfel

Nordkorea provoziert mit neuem Raketentest

Pjöngjang/Hangzhou - Nordkorea hat die Weltgemeinschaft während des G20-Gipfels in China mit einem neuen Raketentest provoziert.

Nach Angaben des südkoreanischen Verteidigungsministeriums feuerte das Land am Montag vom Bezirk Hwangju an der Ostküste drei ballistische Raketen ins Japanische Meer ab. Japan, die Bundesregierung und die USA verurteilten den Raketentest. Der UN-Sicherheitsrat will am Dienstag über Konsequenzen beraten.

Ein Sprecher des südkoreanischen Verteidigungsministeriums erklärte, es handle sich bei den Geschossen womöglich um Raketen vom Typ Rodong mit einer Reichweite von tausend Kilometern. Sie seien ohne eine Navigationswarnung an Japan abgeschossen worden. Nordkorea habe damit klar gegen UN-Resolutionen verstoßen und während des G20-Gipfels im chinesischen Hangzhou mit seinen "Nuklear- und Raketenkapazitäten prahlen" wollen.

Das japanische Verteidigungsministerium erklärte, die Raketen seien offenbar in der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) Japans gelandet - einem Seegebiet, in dem Japan nach internationalem Recht Hoheitsbefugnisse ausübt. Die Tests seien eine "ernsthafte Bedrohung der nationalen Sicherheit Japans", hieß es. Japans Außenminister Fumio Kishida sprach von einer schweren "Provokation", demnach legte Tokio Protest in Pjöngjang ein.

Ein ranghoher US-Vertreter sagte am Rande des G20-Gipfels, die "rücksichtslosen" Tests gefährdeten die zivile Luftfahrt und den maritimen Handel in der Region. Washington werde sich darum bemühen, dass Nordkorea von der internationalen Gemeinschaft dafür zur Verantwortung gezogen wird.

Auch die Bundesregierung verurteilte die "unrechtmäßigen Raketenstarts" und verlangte eine "angemessene" Reaktion des UN-Sicherheitsrats. Nach Angaben von Diplomaten wollen die 15 Ratsmitglieder am Dienstag über Nordkoreas jüngste Raketenstarts beraten. Die Sitzung, die um 11.30 Uhr (17.30 Uhr MESZ) beginnen soll, wurde demnach von den USA und Japan einberufen.

Schon in der Vergangenheit hatte Pjöngjang immer wieder mit Nuklear- und Raketentests gegen Auflagen der UNO verstoßen. Im Januar zündete Pjöngjang nach eigenen Angaben eine Atombombe zu Testzwecken. Dem schlossen sich eine Reihe von Raketentests an. Der UN-Sicherheitsrat beschloss deshalb Anfang März die bislang schärfsten Sanktionen gegen das isolierte kommunistische Land.

Zuletzt feuerten die nordkoreanischen Streitkräfte am 24. August von einem U-Boot aus eine ballistische Rakete ab. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte auch diesen Test und kündigte "bedeutsame Maßnahmen" gegen Pjöngjang an. Auch Nordkoreas Verbündeter China schloss sich damals der Erklärung an.

afp

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Bartsch: Stasi-Biografie nicht automatisch Karrierehindernis
Berlin (dpa) - Der Spitzenkandidat der Linkspartei im Bundestagswahlkampf, Dietmar Bartsch, hält es nicht für grundsätzlich problematisch, Personen mit Stasi-Biografie …
Bartsch: Stasi-Biografie nicht automatisch Karrierehindernis
Gauck will „träge gewordene Mitte“ wachrütteln
München - Bundespräsident Gauck appelliert an die „träge gewordene Mitte“ der Gesellschaft: Sie müsse aufwachen und die Demokratie gegen „Gefühlswallungen“ von Rechts …
Gauck will „träge gewordene Mitte“ wachrütteln
Frankreich-Wahlkampf: Merkel will Rechtspopulistin Le Pen nicht treffen
Berlin - Am Samstag kommt die rechtsgerichtete französische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen nach Deutschland. Ein Treffen mit Angela Merkel wird es nicht geben.
Frankreich-Wahlkampf: Merkel will Rechtspopulistin Le Pen nicht treffen
Experte prophezeit Krieg zwischen Trump und der CIA
Berlin - Donald Trump und die CIA - das ist keine große Freundschaft. Der Geheimdienst-Experte Erich Schmidt-Eenboom sagte bei „Maybritt Illner“ voraus, dass der …
Experte prophezeit Krieg zwischen Trump und der CIA

Kommentare