Bilder des nordkoreanischen Raketentests auf einem Bildschirm in Seoul
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Sorge vor Atomsprengköpfen: Passanten beotrachten in Seoul Bilder des Test eines nordkoreanischen Marschflugkörpers.

„Wissen, was gemeint ist“

Kim Jong-Un: Nordkorea macht ersten Raketentest seit Monaten - Formulierung beunruhigt Experten

Nordkorea testet erstmals seit Monaten Marschflugkörper. Ein Experte warnt vor atomarer Gefahr. Die Nachbarstaaten fürchten eine weitere Aufrüstung.

Pjöngjang/München - Nach einer längeren Pause sorgt Nordkorea wieder mit Raketentests für Unruhe in Fernost. Am Wochenende testete das isolierte Land zwei neuartige Marschflugkörper (Cruise Missile) von „großer Reichweite“. Diese hätten ihre Ziele im Meer in 1500 Kilometer Entfernung nach gut zwei Stunden Flug getroffen, berichteten Nordkoreas Staatsmedien am Montag. Es handle sich um eine „strategische Waffe von großer Bedeutung“. Die selbsternannte Atommacht deutete damit laut Experten an, dass der neue Lenkflugkörper auch Atomsprengköpfe befördern solle. Es waren die ersten derartigen Tests seit Ende März.

Anders als andere Raketentests Nordkoreas verstieß der Abschuss der Marschflugkörper nicht gegen Regeln der Vereinten Nationen. Mehrere UN-Resolutionen verbieten Nordkorea Tests von ballistischen Raketen, die je nach Bauart auch atomare Sprengköpfe tragen können. Tests von Marschflugkörpern hingegen unterliegen nicht den Sanktionen gegen das Land. Anders als ballistische Raketen verfügen Marschflugkörper über einen permanenten eigenen Antrieb.

Nordkoreas Marschflugkörper: Gefahr durch Atomsprengköpfe

Marschflugkörper seien zwar weniger gefährlich als ballistische Raketen, sagte Hwang Jae-ho, Direktor des Global Security Cooperation Center an der Hankuk University of Foreign Studies in Seoul, der South China Morning Post. Sie könnten aber schon mit einem kleinen Atomsprengkopf eine große Gefahr darstellen. Falls Pjöngjang den neuen Marschflugkörper „mit einem tödlichen Atomsprengkopf ausrüstet, werden die Nachbarländer sicherlich nervös sein“.

Der nun getestete Typ sei Nordkoreas „erste Langstrecken-Cruise Missile (1,000 km+) und die erste behauptete nuklearfähige Cruise Missile.“ , schrieb der Experte Ankit Panda auf Twitter. Das Land selbst habe zwar nicht explizit von atomwaffenfähiger Cruise Missile gesprochen, doch „Analysten wissen, was Nordkorea meint, wenn es ‚strategisch‘ sagt.“

Nordkorea: Unruhe in der Region nach Test von Marschflugkörpern

Und so zeigen sich die Nachbarn durchaus beunruhigt. Japan äußerte sich besorgt - auch deshalb, weil der mutmaßlich neue Typ von Marschflugkörpern japanisches Territorium erreichen könnte. Nordkoreas Verhalten „gefährdet den Frieden und die Sicherheit in der Region“, sagte Regierungssprecher Katsunobu Kato in Tokio. China rief am Montag alle Seiten zur Zurückhaltung und zum Dialog auf. Damit solle der Prozess zu einer politischen Lösung vorangetrieben werden, sagte Außenamtssprecher Zhao Lijian in Peking. China gilt zwar als engster Verbündeter Nordkoreas - doch auch der Einfluss Pekings ist begrenzt. China hat es in den vergangenen Jahren nie vermocht, Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un von der Atombombe abzubringen, ebensowenig wie zuvor dessen Vater Kim Jong-il.

Zudem hat Nordkorea nach einem Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) von vergangener Woche offenbar den Atomreaktor im Nuklearzentrum Yongbyon seit Anfang Juli wieder in Betrieb. Dies stellt nach Einschätzung des früheren deutschen Diplomaten Thomas Schäfer eine Herausforderung für die USA dar. „Ich glaube, dass Nordkorea die Spannungen langsam wieder erhöhen will,“ sagte der ehemalige Botschafter in Pjöngjang in einem Gespräch mit der Deutschen Press-Agentur in Seoul. 

Das US-Indopazifik-Kommando erklärte nach den Tests, die Situation werde in enger Abstimmung mit den Alliierten beobachtet. Der erneute Raketentest mache deutlich, dass Nordkorea sich weiter auf „die Entwicklung seines Militärprogramms konzentriert“, hieß es. Er bestätige die „Bedrohungen für seine Nachbarn und die internationale Gemeinschaft“. Südkorea bestätigte die Tests des Nachbarlands zunächst nicht. Der südkoreanische Generalstab teilte nur mit, die Angaben würden in Zusammenarbeit mit den USA untersucht.

China und Co: Gespräche der Nachbarn in der Region über Nordkorea

Diese Woche treffen sich Vertreter der USA, Japans und Südkoreas in Tokio, um über Nordkorea zu sprechen - auch das Thema Abrüstung soll dabei nach Berichten regionaler Medien auf den Tisch. Chinas Außenminister Wang Yi wird ebenfalls diese Woche zu Gesprächen mit seinem südkoreanischen Amtskollegen Chung Eui-yong erwartet - auch dort dürfte um die von beiden Staaten mit Sorge gesehenen Nuklearambitionen Nordkoreas gehen.

Nordkorea sieht „feindselige“ Politik der USA

Pjöngjang wirft vor allem den USA eine feindselige Politik vor. Wie schon einige Monate zuvor erfolgten auch die jüngsten Waffentests nach gemeinsamen Militärübungen der Streitkräfte der USA und Südkoreas. Auch die Marschflugkörper-Tests vom März hatte Nordkorea nach einer solchen gemeinsamen Kommandoübung in Südkorea unternommen. Wenige Tage später folgte damals zudem ein Test mit ballistischen Kurzstreckenraketen. Raketen, die Gefechtsköpfe über Entfernungen von 1000 bis 2700 Kilometer ins Ziel tragen können, werden in der Regel als Mittelstreckenraketen bezeichnet.

Nordkorea treibt seit Jahren die Entwicklung von Raketen voran, die nicht nur Südkorea und Japan treffen, sondern auch Atomsprengköpfe bis in die USA tragen können. Es ist deswegen harten internationalen Sanktionen unterworfen, die auch die wirtschaftliche Entwicklung des Landes hemmen. Die Verhandlungen der USA mit Nordkorea über sein Atomprogramm kommen schon seit gut zweieinhalb Jahren nicht mehr voran. Im Februar 2019 war ein Gipfeltreffen des früheren US-Präsidenten Donald Trump mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un in Vietnam gescheitert. (ck/dpa)

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