Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un
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Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un

Nach Flugblatt-Aktion von Aktivisten

Weitere Eskalation: Kim-Regierung will Soldaten an Grenze zu Südkorea schicken

Nach einer Flugblätter-Aktion an der Grenze kappt Nordkorea die Kommunikation zu Südkorea. Kim Jong Uns Schwester bezeichnete die Aktivisten als „widerliches Pack“. 

  • Das autoritär regierte Nordkorea hat die Kommunikationskanäle zu Südkorea gekappt.
  • Zuvor hatten Aktivisten von Südkorea aus regimekritische Flugblätter über die Grenze nach Nordkorea geworfen.
  • Die Regierung in Pjöngjang bezeichnete die Regimekritiker als „widerliches Pack“. 

Update vom 17. Juni, 6.14 Uhr:Nordkorea will Militärübungen an der Grenze zu Südkorea wieder aufnehmen und Soldaten in die früher gemeinsam genutzten Industrie- und Tourismusgebiete verlegen. Regimenter würden in den Industriepark der Grenzstadt Kaesong sowie in das Kumgang-Gebirge an der Ostküste geschickt, kündigte die Armeeführung des Landes am Mittwoch an. 

Zudem sollen bereits zurückgezogene Wachposten in der militärischen Pufferzone zwischen den beiden Ländern wieder aufgestellt werden, wurde der Generalstab von den Staatsmedien zitiert.

Nordkorea: Kim-Regierung soll Verbindungsbüro an Grenze zu Südkorea gesprengt haben

Update vom 16. Juni, 9.11 Uhr: Nordkorea hat nach südkoreanischen Angaben das innerkoreanische Verbindungsbüro in der Grenzstadt Kaesong gesprengt. Die Sprengung sei am Nachmittag (Ortszeit) erfolgt, sagte eine Sprecherin des Vereinigungsministeriums in Seoul am Dienstag. Nähere Einzelheiten waren zunächst nicht bekannt.

Nordkorea kappt Kommunikation zu Südkorea - Kim-Regierung bezeichnet Aktivisten als „widerliches Pack“

Erstmeldung vom 9. Juni: Pjöngjang - Nordkorea hat sämtliche offizielle Kommunikationskanäle zum "feindlichen" Südkorea gekappt. Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA teilte am Montag mit, Pjöngjang werde „die Verbindungslinie zwischen den Behörden in Nord und Süd vollständig abschneiden“. Mit Wirkung zum Dienstagmittag (Ortszeit) werde das gemeinsame Verbindungsbüro geschlossen. Experten sehen in der Provokation gegenüber Seoul auch ein Signal an die USA.

Flugblätter-Aktion südkoreanischer Aktivisten führte zu Kommunikationsabbruch

Dem Streit ging eine Aktion südkoreanischer Aktivisten voran. Sie hatten Flugblätter mit kritischen Botschaften über die Politik des Nordens über die Grenze geschickt. Schon in der vergangenen Woche hatte Kim Yo Jong, die einflussreiche Schwester von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un*, mit dem Rückzug Pjöngjangs aus einem Militärabkommen mit Südkorea gedroht.

Der KCNA zufolge traf Kim Yo Jong auch die Entscheidung, die Kommunikationskanäle zu Seoul zu kappen. Zur Begründung hieß es laut den Informationen der Nachrichtenagentur, die „feindliche“ Regierung in Seoul kooperiere mit den Pjöngjang-kritischen Aktivisten im Grenzgebiet. Die Aktivisten selbst bezeichnete Pjöngjang als „widerliches Pack“.

Die KCNA schrieb weiter, dass die Aktionen im Grenzgebiet „die innerkoreanischen Beziehungen in eine Katastrophe gesteuert“ hätten. „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass es keine Notwendigkeit dafür gibt, den Behörden direkt gegenüberzusitzen, und dass es mit ihnen nichts zu besprechen gibt“, hieß es.

Nordkoreanische Behörden organisiserten Aufmärsche zur Unterstützung von Kim

Südkoreanische Aktivisten sowie nordkoreanische Flüchtlinge schicken immer wieder Heißluftballons mit Flugblättern über die Grenze nach Nordkorea. In den Schreiben werden die Menschenrechtssituation und das Atomprogramm des Nordens* angeprangert. Diese Aktionen lösen regelmäßig enorme Spannungen zwischen Pjöngjang und Seoul aus. In den vergangenen Tagen organisierten die nordkoreanischen Behörden landesweit Aufmärsche zur Unterstützung von Kims* Politik gegenüber Seoul.

Das Wiedervereinigungsministerium in Seoul teilte mit, dass Pjöngjang Anrufe über die offiziellen Telefonverbindungen nach dem Ablauf der Frist am Dienstagmittag nicht mehr beantwortete. Doch die unmittelbaren Auswirkungen der Kappung dürften gering sein. Schon seit Monaten lehnt Pjöngjang Gespräche mit der südkoreanischen Regierung ab.

Experte: Nordkorea will auch die USA mit Manöver provozieren

Nach Einschätzung des Experten Shin Beom Chul vom Korea Research Institute for National Strategy ist die Konfrontation mit Südkorea Teil einer nordkoreanischen Provokationsstrategie, die Pjöngjang auch auf die USA ausweiten dürfte. Schon seit einem offenbar versehentlichen Schusswechsel an der Demarkationslinie im Mai* habe Nordkorea versucht, den Konflikt mit Südkorea mit „niedrigschwelligen Provokationen“ zu befeuern, sagte Shin. „Sie beginnen mit Südkorea und die harte Linie wird auf die USA ausgeweitet werden“, prognostizierte der Experte. Er sieht in der Entwicklung auch ein Indiz für den wachsenden Einfluss Kim Yo Jongs.

Übrigens: Im Frühjahr diesen Jahres galt Kim Jong Un wochenlang als verschwunden. Es gab wilde Spekulationen über seinen Gesundheitszustand. Was genau vermutet wurde, erfahren Sie im nachfolgenden Video.

AFP, cia

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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