„Sie werden es bei der Wahl merken“

Besuch im Hochwassergebiet: Flutopfer gehen Armin Laschet hart an - „Riesengroße Versager“

  • Josef Forster
    VonJosef Forster
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Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet besucht die Gebiete, die besonders heftig von der Hochwasser-Katastrophe im Juni betroffen sind. Die Anwohner reagieren gereizt.

Swisttal/München - „Haben Sie schon mal eine Woche im Schlamm gebuddelt“? Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet ist bei seinem Besuch im Hochwasser-Gebiet Swisttal (Nordrhein-Westfalen) heftig unter Beschuss geraten: Einwohner machten ihrem Ärger Luft. Bislang habe er weder Hilfe von der Landesregierung noch von der örtlichen Verwaltung gesehen, klagte ein Mann. Stattdessen hätten junge Leute beim Aufräumen geholfen. Auch ein anderer Mann schimpfte über „riesengroße Versager“ und drohte - auch in Laschets Richtung: „Sie werden es bei der Wahl merken.“ Am 26. September ist Bundestagswahl.

Armin Laschet in Hochwassergebiet: Anwohner erheben schwere Vorwürfe

Doch der Unions-Kanzlerkandidat wirkte bei seinem Besuch souveräner als am 17. Juli. Während Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Worte an die Geschädigten der Fluten richtete, hatte Laschet damals im Hintergrund gefeixt. Noch einen derartigen Fauxpas wusste Laschet bei seinem Besuch am Montag zu verhindern.

Ein Reporter des Senders ntv berichtete vor Ort, Laschet habe sich viel Zeit für die Bürger genommen. Er habe von einigen Anwohnern gehört, dass sie ihm ihre Meinung sagen wollen. Denn die Menschen, die teils alles verloren haben, sind auf finanzielle Hilfen angewiesen. Fernsehbilder zeigen Laschet, wie er in einer Gruppe von Anwohnern und Medien durch die Straßen zieht, mit verschiedenen Personen spricht und auch zu offenen Fenstern hineinschaut, um das Ausmaß der Verwüstung zu verstehen. Für Laschet ist es eine große Herausforderung: Krisenmanagement und Wahlkampf. Bilder von Montag zeigen vor allem einen sehr ernsten Unions-Kanzlerkandidaten und NRW-Ministerpräsidenten.

Hochwasser-Katastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz: Anwohner fordern Soforthilfe

Mitte Juli hatten schwere Regenfälle in NRW und Rheinland-Pfalz eine Spur der Verwüstung durch die betroffenen Gemeinden gezogen. Durch die heftigen Unwetter und Überflutungen starben in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz 182 Menschen, die Flut riss das Hab und Gut Tausender mit sich.

Armin Laschet (CDU) macht sich von der Zerstörung im Hochwasser-Gebiet ein eigenes Bild

Armin Laschet hat bei einem Besuch in der Flutkatastrophen-Region die Notwendigkeit zügiger Hilfen betont. „Wir brauchen schnelle Soforthilfe“, sagte der Unions-Kanzlerkandidat am Montag im Ortsteil Heimzerheim der Gemeinde Swisttal im Rhein-Sieg-Kreis. Er habe sich erkundigt, wie die Auszahlungen vor Ort liefen - entweder per Überweisung oder, wenn es nicht anders gehe, auch mit Bargeld. „Dann kommt die große Aufgabenstellung: Der Wiederaufbau. Da werden Bund und Land zusammenarbeiten. Und da arbeiten wir auf Hochtouren, dass es bald Entscheidungen auf der Bundesebene gibt.“

Die Betroffenen in den Hochwasser-Gebieten halten mit ihrer Meinung zu Laschets Versprechen nicht hinter dem Berg. Patrick Richelt, Vorstand eines Kindergartens in Swisttal-Heimerzheim, klagte: „Infrastruktur im Dorf haben wir nicht mehr. Alle kleinen Geschäfte, alle Familienunternehmen im Dorf - das ist alles abgesoffen. Wir haben keine Schule mehr.“ Laschet müsse jetzt konkrete Hilfe ankündigen. „Er muss. Wir müssen in die Pötte kommen. Nicht das übliche Genehmigungsverfahren von zig Monaten. Wir brauchen schnelle Lösungen“, betonte Richelt. Der Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet machte den Betroffenen in einer anschließenden Pressekonferenz Hoffnung auf schnelle Hilfe - und nahm den Bund in die Pflicht.

Armin Laschet erhöht Druck auf Ministerpräsidentenkollegen

Der Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) erhöhte bei einem Besuch der Hochwassergebiete am 2. August den Druck auf seine Ministerpräsidentenkollegen. In Schleiden (Nordrhein-Westfalen) nahm Laschet den Bund beim Aufbau der zerstörten Gemeinden in die Pflicht.

Die Überflutungen Mitte Juli seien eine „Katastrophe von nationaler Bedeutung“. Bund und Länder müssten beim Wiederaufbau zusammenarbeiten, so Laschet. Dafür legte er einen ambitionierten Zeitplan vor. Bei der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz am 10. August sollten sich seine Amtskollegen über das Bundesgesetz einig werden, bevor am 7. September im Bundestag darüber abgestimmt werde, rechnete Laschet vor. Eine Sondersitzung des Bundesrates könne den Gesetzgebungsprozess innerhalb von fünf Wochen abschließen. Diese „schnelle Folge“ sei nötig, damit das Geld „unbürokratisch bei den Menschen ankommt“.

Hochwasser in NRW und Rheinland-Pfalz: Sondersitzung des Landtags geplant

Wegen der Hochwasserkatastrophe will Armin Laschet den Landtag von Nordrhein-Westfalen zu einer Sondersitzung zusammenrufen, berichtete die dpa. „Angesichts des Ausmaßes der Zerstörung und Leid, das die Unwetterkatastrophe vom Juli über unser Land gebracht hat, rege ich einen gemeinsamen Gedenkakt von Landesregierung und Landtag an“, begründete Laschet seinen Vorstoß. Für eine Gedenkfeier biete sich der 9. August an. Vertreter der zahlreichen Hilfsorganisationen sollen zu dem gemeinsamen Gedenken eingeladen werden. (jjf mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd/dpa

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