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CDU im Wahlrausch: Günther und Wüst räumen ab - zittert Merz jetzt vor der K-Frage?

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Von: Andreas Schmid

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Friedrich Merz (Mitte) mit Hendrik Wüst (l) und Daniel Günther.
Der Parteichef und seine Wahlgewinner: Friedrich Merz (Mitte) mit Hendrik Wüst (l) und Daniel Günther. © Michael Kappeler/dpa

Das Politikjahr 2022 bringt zwei ambitionierte CDU-Sieger zum Vorschein. Daniel Günther und Hendrik Wüst. Sind sie womöglich auch eine Option für die K-Frage?

Kiel/Düsseldorf - „Die CDU ist zurück“, sagte Friedrich Merz stolz nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. Die wollte der Parteichef „auch als einen bundespolitischen Stimmungstest“ verstanden haben. Nach einem grausamen CDU-Jahr 2021 hoffen die Christdemokraten auf angenehmere Zeiten.

Parteivorsitzendenverschleiß. Teils peinlicher Bundestagswahlkampf. Erstmals Opposition seit 16 Jahren. Das vergangene Jahr war alles andere als ruhmreich für die CDU. Mit der krachend verlorenen Saarland-Wahl im März schien das Unheil erneut seinen Lauf zu nehmen. Dann verschafften allerdings die zwei fast spektakulären Wahlsiege in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen der Partei wieder Auftrieb.

CDU: Günther und Wüst triumphieren in Schleswig-Holstein und NRW

In Schleswig-Holstein holte Ministerpräsident Daniel Günther das beste CDU-Ergebnis seit 40 Jahren: 43,3 Prozent. Deutlich mehr als parteiintern erwartet worden war. Das einst aufgrund seiner linksliberalen Politik als „Genosse Günther“ belächelte Nordlicht ist Umfragen zufolge der beliebteste Ministerpräsident Deutschlands. Dass Günther die Schleswig-Holstein-Wahl gewann, war keine Überraschung. Dass er satte 25 Prozentpunkte zwischen CDU und die zweitplatzierten Grünen brachte, hingegen schon. Zur Erinnerung: Bei der Bundestagswahl hatten CDU und CSU gemeinsam 24,1 Prozent geholt.

Eine Woche nach der Nord-Wahl stand für die CDU der deutlich wichtigere Urnengang in Nordrhein-Westfalen auf dem Programm. Umfragen hatten CDU und SPD zuvor nahezu Kopf an Kopf gesehen. Letztlich triumphierte CDU-Ministerpräsident Hendrik Wüst mit 35,7 Prozent – neun Prozentpunkte vor der SPD um Herausforderer Thomas Kutschaty.

CDU: Günther und Wüst nach Wahlsiegen zu Höherem berufen?

Einen Tag nach der NRW-Wahl zeigte sich CDU-Chef Merz immer noch begeistert. „Seit dem gestrigen Tag ist die CDU wieder zurück auf Platz eins unter den deutschen Parteien.“ Er wies darauf hin, dass im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW rund jeder fünfte Wähler bundesweit lebe. Wer dort Wahlen gewinnen könne, könne das auch in ganz Deutschland. Ein indirekter Kanzlerkandidaten-Wink?

Bis zur nächsten Bundestagswahl werden noch mehr als drei Jahre ins Land gehen. Im schnelllebigen Politikgeschäft eine Ewigkeit. Dennoch fühlen sich in Nordrhein-Westfalen erfolgreiche Politiker oft auch zu Höherem berufen. Für die letzte Wahl zum CDU-Parteichef kandidierten ausnahmslos Männer aus Nordrhein-Westfalen. Mit Armin Laschet war der NRW-Ministerpräsident gleichzeitig der Kanzlerkandidat. Würde in der K-Frage auch der Name Daniel Günther fallen, es wäre spätestens nach dem Erdrutschsieg in Schleswig-Holstein keine große Überraschung mehr.

CDU/CSU-Kanzlerfrage: Der simple Vorteil von Günther und Wüst gegenüber Merz

Bleibt ein Problem: Der bisher eher nicht als machtverzichtende Politiker aufgefallene Merz scheint ebenfalls Ambitionen auf die Kanzlerkandidatur zu haben. Aktuell lächelt er derartige Fragen verschmitzt weg. Früher oder später wird er sich mit ihnen aber beschäftigen müssen. Sonst droht der Union ein Machtkampf wie 2021.

Nicht unwichtig: Abseits des Politischen unterscheiden sich die Wahlsieger Günther und Wüst in einem Punkt entscheidend von ihrem Parteichef. Sie sind 48 beziehungsweise 46 Jahre alt, während Merz bei der nächsten Bundestagswahl 69 Jahre alt sein wird. Bei der Bundestagswahl holte die Union ihr mit Abstand bestes Ergebnis in der älteren Bevölkerungsgruppe. 20,4 Prozent der 60 bis 69-Jährigen und 30,8 Prozent der Über-70-Jährigen votierten für die CDU/CSU. In der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen waren es nur 8,4 Prozent. Zum Vergleich: Die Grünen holten hier 24 Prozent. Will man auch jüngere Zielgruppen ansprechen, scheint ein 69-jähriger Kanzlerkandidat zumindest diskutabel.

Dass mit Günther oder Wüst ein besseres Jugend-Ergebnis gelingen würde, ist nicht gesichert. Anwärter auf höhere Weihen sind die beiden Wahlsieger nach ihrem fulminanten Ergebnis aber gewiss dennoch. Anders als der immer wieder in der K-Frage genannte Markus Söder (55) haben sie zudem bereits eine Landtagswahl erfolgreich bestritten. CSU-Chef Söder muss das 2023 erst noch beweisen, wenn im Freistaat gewählt wird. (as)

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