+
NSU-Prozess: Hauptangeklagte Beate Zschäpe.

NSU-Prozess

Verteidiger im NSU-Prozess: Zschäpe war keine Mittäterin

Die Wunschverteidiger von Beate Zschäpe haben den Anklagevorwurf zurückgewiesen, sie sei Mittäterin an den NSU-Morden.

München - Im NSU-Prozess haben die Wunschverteidiger der Hauptangeklagten Beate Zschäpe den Anklagevorwurf zurückgewiesen, die heute 43-Jährige sei Mittäterin an den Morden und Anschlägen des NSU gewesen. Was die Bundesanwaltschaft aufgezählt habe, reiche weder im Einzelnen noch in der Gesamtschau aus, um eine Mittäterschaft seiner Mandantin zu begründen, sagte Zschäpes Vertrauensanwalt Hermann Borchert am Dienstag vor dem Münchner Oberlandesgericht.

Die Bundesanwaltschaft und die Nebenkläger hatten ihre Plädoyers bereits Anfang Februar beendet. Die Anklagebehörde fordert für Zschäpe lebenslange Haft und anschließende Sicherungsverwahrung. Die heute 43-Jährige war nach Überzeugung der Ankläger eines von drei gleichberechtigten Mitgliedern des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ und sollte deshalb als Mittäterin an sämtlichen Verbrechen der Gruppe bestraft werden. Dazu zählen zehn Morde, neun davon aus rassistischen Motiven, einer an einer deutschen Polizistin.

Mit den Verteidiger-Plädoyers soll das seit Mai 2013 laufende Mammutverfahren in die letzte Etappe gehen - auch wenn noch ein möglicher neuer Beweisantrag eines Mitangeklagten im Raum steht. Befangenheitsanträge und juristische Streitereien hatten deren Beginn in den vergangenen Wochen immer weiter verzögert. Die beiden Wunschverteidiger Zschäpes, Borchert und Mathias Grasel, werden für ihr Plädoyer nach eigener Aussage rund eineinhalb Prozesstage brauchen. Anschließend sollen nach bisheriger Planung des Oberlandesgerichts die drei Altverteidiger Zschäpes das Wort für ihre Schlussvorträge bekommen, dann die Anwälte der insgesamt vier Mitangeklagten.

Noch nicht entschieden hat das Gericht, ob das Verfahren gegen einen der vier Mitangeklagten, André E., abgetrennt werden soll. Das hatten die Bundesanwaltschaft und der Anwalt des mutmaßlichen Terrorhelfers Ralf Wohlleben beantragt. Bundesanwalt Herbert Diemer warf E.s neuem Anwalt Daniel Sprafke vor, den Prozess „bis zum Sankt-Nimmerleinstag“ verzögern zu wollen. „Das kann so nicht weitergehen“, sagte Diemer. Auslöser für die neue Debatte waren neue Beweisanträge Sprafkes.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

SPD-Politiker fälschte Lebenslauf für EU-Parlament - „Habe mich in Unwahrheiten verstrickt“  
Skandal vor der Europawahl: Der Spitzenkandidat der Brandenburg-SPD kommt gar nicht aus Brandenburg und auch seine angebliche Freundin ist nicht wirklich seine Partnerin.
SPD-Politiker fälschte Lebenslauf für EU-Parlament - „Habe mich in Unwahrheiten verstrickt“  
EU beendet Marineeinsatz vor der libyschen Küste
Europäische Marineschiffe haben in den vergangenen Jahren vor Libyen Zehntausende Migranten aus Seenot gerettet. Damit soll jetzt bis auf Weiteres Schluss sein. Die …
EU beendet Marineeinsatz vor der libyschen Küste
Brexit-Chaos: Gerüchteküche brodelt um Theresa May - Überraschende Töne von Boris Johnson 
Das Unterhaus berät am Mittwoch über Alternativen zum Brexit. Am selben Tag wird Theresa May vor einem Tory-Komitee sprechen. Die Gerüchte über einen Rücktritt häufen …
Brexit-Chaos: Gerüchteküche brodelt um Theresa May - Überraschende Töne von Boris Johnson 
Nach Mueller-Bericht: „Hexenjagd“ - Jetzt droht Trump mit Rache und offenbart neue Weltraum-Pläne 
Donald Trump kann nach dem Bericht von Sonderermittler Mueller aufatmen. Jetzt kümmert er sich um den Weltraum. Ziel ist es, eine „United States Space Force“ als sechste …
Nach Mueller-Bericht: „Hexenjagd“ - Jetzt droht Trump mit Rache und offenbart neue Weltraum-Pläne 

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion