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Beate Zschäpe muss sich auch gegen die Anklage wegen Mordversuchs verteidigen.

Ruine der „Zwickauer Zelle“

NSU-Prozess: Diashow aus der zerstörten Wohnung

München - Tag 25 im NSU-Prozess: Hunderte von Fotos zeigen die zerstörten Überreste der Wohnung der NSU-Terroristen. Doch zahlreiche Beweismittel überlebten die gründliche Brandstiftung.

Es war eine ausführliche Besichtigung der Ruine des „Nationalsozialistischen Untergrunds“: Im NSU-Prozess hat ein Ermittler am Donnerstag weitere Bilder aus der zerstörten Wohnung der mutmaßlichen Neonazi-Terroristen Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gezeigt. Zschäpe soll die Wohnung nach dem Tod ihrer beiden Komplizen angezündet haben. Es ist die einzige Tat, die sie selbst unmittelbar ausgeführt haben soll.

Auch eine darüberliegende Wohnung im Dachgeschoss wurde zerstört; an mehereren Stellen schlugen die Flammen nach oben. Normalerweise arbeiteten dort Handwerker, die allerdings gerade Pause hatten, als das Feuer ausbrach. In der angrenzenden Wohnung des Doppelhauses lebte eine 89-Jährige Frau, die von Verwandeten aus dem Haus gerettet wurde. Die Anklage geht davon aus, dass Beate Zschäpe den Tod der Unbeteiligten riskierte - deshalb wirft ihr die Bundesanwaltschaft auch Mordversuch vor.

An drei Verhandlungstagen führte der Beamte durch die Reste der zerstörten Wohnung des Neonazi-Trios - insgesamt mehr als 900 Fotos, projiziert auf die Leinwände im Gerichtssaal. In allen Räumen fanden die Ermittler Benzinspuren. Die Explosion riss Teile der Außenwand heraus. Das Haus wurde später Schicht für Schicht bis zur Grundmauer abgetragen, um sicherzustellen, dass es keine verborgenen Verstecke gibt.

Impfausweis für Kater Lily

Die Ermittler sicherten mehrere Pistolen, Computer und Festplatten, zahlreiche angekohlte Stadtpläne. Auch eine Bombenattrappe fanden die Beamten: Einen gelben, mit Packband umwickelten Karton, an dem Drähte und eine Batterie angebracht waren. Andere Fundstücke zeugen vom gemeinsamen Leben der drei: Urlaubsfotos von Beate Zschäpe, ein Impfausweis für einen Kater namens Lily („männlich, kastriert“), Hantelbank und Laufband im „Sportraum“, eine Fernsehzeitschrift und Fantasyromane: „Die Rache der Zwerge“ und „Der Zorn der Trolle“.

Am Vormittag wurde ein Beamter des Bundeskriminalamts weiter vernommen, der den Angeklagten Holger G. im Ermittlungsverfahren vernommen hatte. Dessen Aussagen belasten sowohl Beate Zschäpe als auch den ehemalige NPD-Funktionär Ralf Wohlleben - weshalb sich die jeweiligen Verteidiger Mühe gaben, Ungenauigkeiten und Widersprüche offenzulegen.

Irritationen gab es dabei über die Rolle des V-Manns Tino Brandt, der in den späten 90er Jahren eine zentrale Figur in der rechten Szene Thüringens war. Er habe Brandt für einen derjenigen gehalten, die Gewalt befürworteten, sagte der BKA-Beamte. Nach der Verhandlung betonte Bundesanwalt Herbert Diemer jedoch: „Nach dem Stand der Ermittlungen gibt es keine Anhaltspunkte, dass Brandt die drei radikalisiert oder unterstützt hat.“ Ansonsten säße er wohl mit auf der Anklagebank.

dpa

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