Zschäpe will neue Verteidiger

NSU-Prozess droht zu platzen

München – Die Angeklagte im NSU-Prozess, Beate Zschäpe, hat sich von ihren Anwälten losgesagt. Nun fordert das Gericht eine Erklärung von Zschäpe. Der Prozess droht zu platzen.

Paukenschlag im NSU-Prozess: Die Hauptangeklagte Beate Zschäpe will nicht mehr mit ihren drei Verteidigern zusammenarbeiten. Wie sie dem Oberlandesgericht am Mittwoch mitteilte, hat sie das Vertrauen in die Anwälte verloren.

Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl unterbrach den Prozess bis Dienstag, Zschäpe soll sich nun schriftlich erklären. Laut der Nachrichtenagentur dpa will die mutmaßliche Rechtsterroristin ihr Schweigen brechen und aussagen. Einfach entlassen kann Beate Zschäpe ihre Anwälte nicht, weil sie vom Gericht als Pflichtverteidiger bestellt sind. Sie muss dem Senat nun überzeugend darlegen, warum sie keine Vertrauensbasis mehr sieht.

Nun erwartet das Münchner Oberlandesgericht am Donnerstag bis 14 Uhr die Erklärung von Zschäpe, mit der sie die Ablehnung ihrer drei Pflichtverteidiger begründet.

Zschäpe hatte ihre Zweifel am Mittwoch zunächst einem Wachbeamten offenbart, der das Gericht informierte. Ob die Hauptangeklagte diesen Schritt geplant hatte, blieb unklar.

Der Vorgang könnte ernsthafte Konsequenzen für den Fortgang des Mammut-Prozesses haben. Sollte das Gericht die Verteidiger entpflichten, müssten neue Anwälte benannt werden, die wiederum Zeit für die Einarbeitung bräuchten. Länger als 30 Tage darf der Prozess aber nicht unterbrochen werden, sonst platzt das ganze Verfahren. Dann müsste der Prozess von vorne beginnen, die bisherigen 128 Verhandlungstage wären vergebens gewesen. Entscheidet das Gericht aber, die Verteidiger gegen Zschäpes Wunsch an ihrer Seite zu belassen, wäre das später ein potenzieller Revisionsgrund.

Die Verteidiger Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm äußerten sich am Mittwoch nicht zu den Vorgängen. Andere Prozessbeteiligte bezeichneten den Schritt Zschäpes nach einem Jahr Verhandlung als höchst überraschend.

Schon kurz nach ihrer Verhaftung hatte Beate Zschäpe gegenüber einem Kriminalbeamten geäußert, sie wolle eigentlich aussagen, doch Wolfgang Heer habe ihr davon abgeraten. Daraufhin äußerte sie sich bislang nicht zu den Vorwürfen. Unter anderem wird sie der Mittäterschaft an zehn Morden beschuldigt.  

akg/dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Fall Amri: Rufe nach Neuorganisation der Terrorabwehr
Alle kritisieren Versäumnisse, keiner will so recht Schuld haben: Vier Wochen nach dem Berliner Terroranschlag steht das Versagen der Behörden im Mittelpunkt. Politiker …
Fall Amri: Rufe nach Neuorganisation der Terrorabwehr
Pretzell und Petry kritisieren Äußerungen von Höcke
Dresden - Der Thüringer AfD-Vorsitzende Björn Höcke hat mit massiver Kritik am Holocaust-Gedenken der Deutschen Empörung ausgelöst - auch innerhalb der eigenen Partei.
Pretzell und Petry kritisieren Äußerungen von Höcke
Merkel und Gentiloni: „Das sind die großen Aufgaben“
Berlin - Deutschland und Italien wollen angesichts des wachsenden Rechtspopulismus und der Unklarheiten über den Kurs des künftigen US-Präsidenten Donald Trump eng bei …
Merkel und Gentiloni: „Das sind die großen Aufgaben“
Einreise ohne Ausweis: BAMF prüft keine Handys
München - Das BAMF überprüft Handys von Asylsuchenden nicht. Dabei könnten sie Aufschluss über Herkunft und Identität geben, wenn sie keine Ausweispapiere besitzen. Das …
Einreise ohne Ausweis: BAMF prüft keine Handys

Kommentare