Mutmaßlicher NSU-Helfer vernommen

Chemnitzer war mit Uwe Mundlos befreundet

München - Wo hat das NSU-Trio nach dem Untertauchen gewohnt? Mit wem hat es sich getroffen? Die Vernehmung eines mutmaßlichen Helfers hat neue Hinweise gebracht.

Das NSU-Trio hat im Untergrund möglicherweise nicht durchgehend als Dreiergemeinschaft zusammen gelebt. Dies deutete die Verteidigerin von Beate Zschäpe, Anja Sturm, am Dienstag im NSU-Prozess an. Einem Zeugen aus der Chemnitzer Neonazi-Szene hielt sie vor: Nach „meinen Erkenntnissen soll Herr Mundlos mehrere Wochen bei Ihnen gewohnt haben“.

Unmittelbar zuvor hatte das Oberlandesgericht München der Anwältin eine Pause eingeräumt, damit sie sich mit der Hauptangeklagten Zschäpe besprechen konnte. Der Zeuge konnte sich allerdings nach eigenen Angaben nicht mehr erinnern, dass Uwe Mundlos bei ihm wohnte.

Der Chemnitzer hatte dem rechtsextremen NSU-Trio unmittelbar nach dessen Abtauchen in den Untergrund 1998 vorübergehend Unterschlupf in seiner Wohnung gewährt. Er räumte ein, der inzwischen verbotenen Organisation „Blood & Honour“ als „Anwärter“ angehört zu haben. Mundlos bezeichnete er als „Freund“. Er habe ihn auch später gelegentlich getroffen und Fahrradtouren mit ihm unternommen oder Videospiele ausgetauscht. Mundlos habe ihm außerdem manchmal am Computer geholfen, wenn er an der Herstellung von Szene-Zeitschriften arbeitete.

Ein Vorhalt der Verteidigung von Ralf Wohlleben, der als Helfer des NSU angeklagt ist, legte nahe, dass das Trio auch darüber hinaus Kontakte pflegte. „Die haben sich nach dem Abtauchen in Chemnitz ganz normal in der Szene bewegt“, zitierte Rechtsanwältin Nicole Schneiders aus einem Polizeiprotokoll. „Beispielsweise gab es mal einen wöchentlichen rechten Treff, da waren die ganz normal.“ Der Zeuge will davon allerdings nichts mitbekommen haben. „Dann müssen die da gewesen sein, wo ich nicht gewesen bin“, sagte er.

Zschäpe, Mundlos und Uwe Böhnhardt waren 1998 untergetaucht. In den folgenden Jahren sollen sie zehn Menschen ermordet und zwei Sprengstoffanschläge verübt haben. Erst im November 2011 war das Trio aufgeflogen, als Böhnhardt und Mundlos bei einem Banküberfall scheiterten und sich das Leben nahmen.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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