+
Ein altes Foto zeigt die Angeklagte im NSU-.Prozess Beate Zschäpe und Uwe Böhnhardt im Jahr 2004.

Waffe auf Opfer gerichtet

NSU-Prozess: Fotos zeigen schießenden Böhnhardt

München - Bei dem Überfall auf eine Zwickauer Sparkasse schoss der Täter - wahrscheinlich Uwe Böhnhardt - einem Azubi in den Bauch. Ein Nebenkläger wertet die Tat als versuchten Mord.

Ein Überfall auf eine Sparkassenfiliale im Oktober 2006 in Zwickau ist am Dienstag in den Mittelpunkt des Münchner NSU-Prozesses gerückt. Bei diesem Überfall hatte der Täter - mutmaßlich Uwe Böhnhardt - einem damals 20 Jahre alten Auszubildenden in den Bauch geschossen und ihn schwer verletzt. Auch für diese Tat muss sich Beate Zschäpe verantworten. Sie ist die einzige Überlebende des NSU-Trios, dem vor allem die Serie von neun rassistisch motivierten Morden angelastet wird.

Zwei Ärzte, die an der Not-OP des Zwickauer Bankangestellten beteiligt waren, schilderten seine Verletzungen als gravierend. „Das war ein Bauchschuss mit Einschuss- und Ausschussöffnung“, sagte der Chirurg, der die Operation leitete. Die Kugel habe Milz und Bauchspeicheldrüse verletzt. Außerdem seien eine Arterie und eine Vene verletzt gewesen. Der Getroffene habe viel Blut verloren. Die Milz hätten sie nicht retten können und entfernt, sagte der Mediziner.

Der Münchner Rechtsmediziner Oliver Peschel bestätigte Aussagen der Ärzte, der junge Man habe nur dank der Operation überlebt. Der Verlust der Milz könne aber auch heute noch Krankheiten auslösen, die „zu vierzig bis fünfzig Prozent“ tödlich verliefen.

Rechtsanwalt Mehmet Daimagüler wertete den Schuss auf den jungen Mann am Rande des Prozesses „als versuchten Mord“. In der Anklageschrift der Bundesanwaltschaft heißt es dazu, Böhnhardt habe „dessen Tod billigend in Kauf“ genommen.

Das Opfer hatte bereits vergangene Woche als Zeuge ausgesagt. Der Täter habe ihn mit der Pistole bedroht und die sofortige Öffnung des Tresors verlangt. Er habe den Räuber angegriffen, als der ihm den Rücken zudrehte. Dann fiel der Schuss.

Ein Kripo-Ermittler zeigte am Dienstag Fotos einer Überwachungskamera, die das bestätigen. Darauf ist der Täter zu sehen, der mit einem Revolver auf den Azubi zielt. Weitere Bilder zeigen ein „Gerangel“, wie der Beamte sagte. Anschließend ist der junge Bankangestellte auf dem Boden zu sehen.

Für die Aufklärung dieses Überfalls hat sich das Gericht drei Prozesstage Zeit genommen und ihn damit detaillierter behandelt als die anderen Überfälle, die dem NSU zugeschrieben werden.

Am Mittwoch soll der Prozess weitergehen. Allerdings muss laut Strafprozessordnung bis Verhandlungsbeginn über den letzten Befangenheitsantrag entschieden werden, den Beate Zschäpe und ihr mutmaßlicher Helfer Ralf Wohlleben vergangene Woche gestellt hatten. Die beiden hatten kritisiert, dass das Gericht in einem Schriftsatz von einer „Straftat der angeklagten Personen“ gesprochen hatten. Damit habe das Gericht gezeigt, dass es nicht mehr unparteiisch sei.

dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Interview: „Terror ist ein Angriff auf den Islam“
Woher kommt der islamische Terrorismus? Im Interview spricht der Vorsitzende der Religionsgemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jamaat über die Ursachen und die Verantwortung …
Interview: „Terror ist ein Angriff auf den Islam“
Terror-Experte: Bundestagswahl könnte Anschlagsziel sein
Der Autor und Terror-Experte Bruno Schirra spricht im Interview über die Entwicklung der Anschläge, den Einfluss arabischer Staaten und welche möglichen gefahren drohen.
Terror-Experte: Bundestagswahl könnte Anschlagsziel sein
Türkischer Vizepremier: Reaktion auf Erdogans Wahlaufruf unverschämt
Der türkische Vize-Ministerpräsident Bekir Bozdag hat die deutschen Reaktionen auf den Bundestagswahlaufruf von Präsident Recep Tayyip Erdogan scharf zurückgewiesen.
Türkischer Vizepremier: Reaktion auf Erdogans Wahlaufruf unverschämt
Innensenator: „Freiheitliche Grundordnung gilt leider auch für Arschlöcher“
Einige Hundert Menschen aus linken Gruppen haben am Samstagmittag einen Protestzug gegen eine Neonazi-Demonstration in Berlin-Spandau gestartet.
Innensenator: „Freiheitliche Grundordnung gilt leider auch für Arschlöcher“

Kommentare