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Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos haben laut einem Mediziner ohne fremde Hilfe Selbstmord begangen

NSU-Prozess

Neue Details zum Tod von Mundlos und Böhnhardt

München - Im NSU-Prozess haben ein Rechtsmediziner und zwei Polizisten Spekulationen entkräftet, beim Tod von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt müsse noch eine dritte Person im Spiel gewesen sein.

Die beiden Polizisten, die die mutmaßlichen Neonazi-Terroristen nach einem Bankraub am 4. November 2011 in Eisenach aufgespürt hatten, sagten am Mittwoch übereinstimmend, es seien keine weiteren Personen zu deren Wohnmobil gegangen oder aus dem Fahrzeug ausgestiegen. In dem Wohnmobil hatten sich Mundlos und Böhnhardt verschanzt.

Den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler zufolge feuerten beide zunächst ein Mal auf die Polizisten, anschließend erschoss Mundlos zunächst Böhnhardt und dann sich selbst. Einer der beiden soll unmittelbar zuvor noch das Wohnmobil in Brand gesteckt haben.

Allerdings wurde bei den Obduktionen der Leichen keine Rußpartikel in den Lungen und keine Hinweise auf Rauchgas-Einatmungen gefunden. Das hatte zuletzt nochmals Spekulationen über eine unbekannte dritte Person genährt, die mindestens den Brand gelegt haben müsse. Der zuständige Rechtsmediziner aber betonte, es sei nicht auszuschließen, dass die beiden kurz vor ihrem Selbstmord noch Rauchgas eingeatmet haben - und dies bei der Obduktion nicht mehr nachweisbar war.

Die beiden Beamten sagten übereinstimmend aus, das Feuer sei erst in direktem zeitlichem Zusammenhang mit dem dritten Schuss ausgebrochen. Der Rechtsmediziner machte zudem klar, dass Mundlos und Böhnhardt aufgrund ihrer schweren Schussverletzungen sofort tot waren: Sie verwendeten - anders als bei den Morden, die ihnen zur Last gelegt werden - eine Pumpgun. Dem „Nationalsozialistischen Untergrund“ werden zehn Morde zugerechnet, darunter neun an Kleinunternehmern ausländischer Herkunft. Zschäpe ist die einzige Überlebende des Trios - sie muss sich im Münchner NSU-Prozess als Mittäterin verantworten.

Unstimmigkeiten zwischen den Aussagen der beiden Beamten gab es am Mittwoch allerdings, was ihren exakten Standort zum Zeitpunkt des ersten Schusses angeht - und ihren konkreten Aufenthaltsort, nachdem Feuerwehr und Kripo bereits am Tatort waren. Beide gaben an, von den Löscharbeiten nichts oder fast nichts mitbekommen zu haben - obwohl einer der Beamten auf einem Foto direkt neben dem Wohnmobil steht.

Der NSU-Prozess: Zentrale Fragen rund um das Verfahren

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dpa

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