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Zeuge sagt aus

NSU-Prozess: Mundlos soll Abtauchen geplant haben

München - Im Januar 1998 tauchte das NSU-Trio in den Untergrund ab. Ein Schulfreund von Uwe Mundlos sagte im Prozess, er habe schon ein halbes Jahr vorher von der geplanten Flucht erfahren.

Das Abtauchen des rechtsextremen NSU-Trios in den Untergrund war nach Aussage eines Zeugen keine spontane Aktion. Mundlos habe ihm etwa ein halbes Jahr vorher - im Sommer 1997 - erzählt, „dass er untertauchen müsste“. Mundlos habe auch davon gesprochen, ihm könne ein Paragraf zum Verhängnis werden, „der auf Terrorismus abzielt“, sagte der einstige Schulfreund am Mittwoch im Münchner NSU-Prozess.

Zu dieser Zeit hatte das Trio noch keinen seiner laut Anklage zehn Morde verübt. Allerdings ermittelte die Polizei in Jena wegen Bombenattrappen, die mit Hakenkreuzen bemalt waren.

„Es gab diverse kleinere Ereignisse“, sagte der Zeuge, der in Jena aufwuchs. Einmal habe Mundlos ihn gebeten, seinen Computer bei sich zu verstecken, falls die Polizei sein Zimmer durchsuche. Die beiden jungen Männer wohnten zu dieser Zeit in einem christlichen Jugenddorf in Ilmenau (Thüringen). Am Ilmenau-Kolleg besuchten sie Kurse, um das Abitur nachzumachen.

Später habe er mitbekommen, wie eine mit einem Hakenkreuz bemalte Puppe bei Jena von einer Autobahnbrücke hing oder ein als Bombenpaket bezeichneter Koffer vor dem Jenaer Theater gefunden wurde. „Uwe [Mundlos] war dabei“, sagte der Zeuge, „möglicherweise auch Uwe Böhnhardt“. Das schließe er aus den Gesprächen mit seinem Freund.

Über die jetzige Hauptangeklagte Beate Zschäpe habe er nicht viel erfahren. Ihr Verhältnis zu Mundlos sei anfangs „Liebe“ gewesen. Er habe sie nur selten getroffen und wenig mit ihr gesprochen. Böhnhardt habe er dagegen als „sehr abweisend“ in Erinnerung, erinnerte sich der Schulfreund. Das habe wohl daran gelegen, dass sein Vater Bulgare sei und er darum nicht „in Böhnhardts Bild“ gepasst habe.

Ob das Trio tatsächlich einen Plan für seine Flucht geschmiedet hatte wisse er nicht sicher, sagte der Zeuge, aber: „Ich denke, er [Mundlos] hat einen gehabt.“ Er habe „auf keinen Fall ins Gefängnis“ gewollt. Das Trio verschwand am 26. Januar 1998 aus Jena. An diesem Tag fand die Polizei in einer von Zschäpe gemietete Garage 1,4 Kilogramm TNT und vier Rohrbomben. Zweieinhalb Jahre später begann die Serie der überwiegend rassistisch motivierten Morde gegen türkische und griechische Gewerbetreibende. Mundlos und Böhnhardt waren nach einem Bankraub im November 2011 in Eisenach von der Polizei aufgespürt worden und hatten sich erschossen.

dpa

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