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Beate Zschäpe will ihre Verteidiger Wolfgang Stahl, Anja Sturm und Wolfgang Heer loswerden.

Überraschender Zeuge, kalte Schulter für Verteidigung

NSU-Prozess: Zschäpe schweigt weiterhin

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München - NSU-Prozess: Angeklagte und Anwälte haben sich nichts mehr zu sagen – Zum ersten Mal spricht ein Zeuge von drei Räubern bei Überfall.

Erstmals seit langem ist die Empore beim NSU-Prozess, auf der Zuschauer und Journalisten sitzen, am Dienstag wieder voll. Alle mutmaßen über den ominösen Brief ans Oberlandesgericht, in dem sich Beate Zschäpe über ihre Verteidiger beschwert hat – und andeutet, dass sie aussagen will. Als Zschäpe dann den Gerichtssaal betritt, sprechen die Bilder für sich: Die Verteidiger Anja Sturm und Wolfgang Stahl stecken die Köpfe zusammen und schauen demonstrativ weg. Wolfgang Heer bemüht sich noch ein bisschen, sagt ein paar Worte zu Zschäpe. Dann steht sie allein, aufrecht, die Arme vor der Brust verschränkt. Es herrscht Eiszeit.

Angeklagte und Verteidigung sind über Kreuz

Der 212. Verhandlungstag zeigt es deutlich: Die Hauptangeklagte Beate Zschäpe und ihre drei Verteidiger sind über Kreuz. Seit mehr als zwei Jahren sitzen sie gemeinsam auf der Anklagebank, wo sich Zschäpe wegen Mittäterschaft an zehn Morden und zwei Sprengstoffanschlägen verantworten muss. Einträchtig saßen sie, meinte man anfangs. Dann wurden immer mehr Verstimmungen bekannt. Nun ist es unübersehbar; sie haben sich nichts mehr zu sagen. Vielmehr: Zschäpe kämpft gegen ihre eigenen Anwälte. Sie hat beantragt, dass ihre Pflichtverteidigerin Sturm entbunden wird, weil sie etwa vertrauliche Informationen ausgeplaudert habe. Die Entscheidung des Gerichts über den Antrag steht noch aus. Auch an den Männern lässt Zschäpe kein gutes Haar mehr. Heer surfe während der Verhandlung im Internet, Stahl plane währenddessen seinen Urlaub.

Den ganzen Vormittag bleibt es eisig auf der Anklagebank. Sie schauen aneinander vorbei. Die drei Juristen sitzen weit vorne an der Tischplatte, Zschäpe lehnt sich zurück. Schon vor Mittag ist der Prozesstag vorbei, weil Zschäpe Zahnschmerzen hat. Sie verabschiedet sich nicht. Draußen auf dem Vorplatz wollen alle mit Anja Sturm reden. Doch die sagt immer nur: „Ich gebe heute keine Stellungnahme ab.“

Bisher schweigt Zschäpe weiter

Auch Zschäpe gibt am Dienstag die mit Spannung erwartete Stellungnahme nicht ab. Sie schweigt. Wie schon all die 211 Tage zuvor. Nun wird wohl jeden Prozesstag darauf gewartet werden, ob sie doch noch etwas sagt. Die Nebenkläger allerdings sind skeptisch. „Das ist ein plumpes Pokerspiel von ihrer Seite. Sie ist weder glaubwürdig noch glaubhaft“, sagt Nebenklage-Anwalt Adnan Menderes Erdal. „Das ist eine ganz plumpe Absichtserklärung. Damit kommt sie nicht weiter.“

Der einzige Zeuge des Tages sorgt allerdings für eine Überraschung. Falco K. (32), Finanzberater aus Chemnitz, war mutmaßlich eines der ersten Opfer des NSU. Der 16-Jährige stand am 18. Dezember 1998 mit Freunden vor dem Eingang eines Supermarktes. Dort standen auch zwei Männer herum, die den Burschen auffielen. Plötzlich kam eine dritte Person mit einer Geldkassette herausgestürmt. Die drei liefen davon, Falko K. hinterher. Der dritte Räuber drehte sich um, schrie mit heller, hoher Stimme „Bleib stehen!“ und feuerte drei Schüsse ab, die Falko K. nur knapp verfehlten.

K. ist der einzige Zeuge, der von drei Räubern spricht – einer davon mit heller Stimme. Es stellt sich die Frage, ob es sich dabei um Zschäpe selbst gehandelt hat. Oder um einen weiteren Täter. Die These vom Trio Zschäpe, Mundlos, Böhnhardt würde damit ins Wanken geraten.

von Nina Gut

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