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Die Angeklagte Beate Zschäpe (M) steht am Dienstag im Gerichtssaal in München zwischen ihren Anwälten Wolfgang Heer (r) und Anja Sturm (l).

Gefundene Unterlagen zeigen auf:

NSU-Terroristen bereiteten Morde akribisch vor

München - Unterlagen aus der letzten Wohnung der NSU-Terroristen legen nahe, dass die Neonazis ihre Opfer sorgfältig auswählten. „Gutes Objekt und geeigneter Inhaber“ - die Notizen könnten kälter nicht sein.

Die Terroristen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) haben ihre Anschläge offensichtlich akribisch geplant. In der letzten Wohnung des mutmaßlichen Terror-Trios in Zwickau sei umfangreiches Kartenmaterial gefunden worden, berichtete ein BKA-Beamter am Dienstag vor dem Oberlandesgericht München. Insbesondere seien ADAC- und Falk-Pläne sowie Routenplaner-Ausdrucke zu den Städten Nürnberg, München, Dortmund und Kassel gefunden worden. Überall dort gab es Mordanschläge der Gruppe.

Die Ermittler fanden auch Ausspähnotizen. Diese hätten nur „nach einer Anwesenheit vor Ort verfasst worden sein können“, sagte der Beamte. Für verschiedene Imbiss-Läden in Dortmund habe es Bemerkungen gegeben wie „gutes Objekt und geeigneter Inhaber“.

Einmal habe die Anmerkung gestanden „Personal ist nicht optimal, vorher noch mal prüfen“, ein anderes Mal „Person gut, aber alt - über 60“. Es wird vermutet, dass die Terroristen im Sinne ihrer rassistischen Ideologie gezielt Opfer suchten, die noch im zeugungsfähigen Alter waren.

Darüber hinaus fanden die Ermittler Listen mit insgesamt 267 Institutionen und Einrichtungen in den vier Städten - Büros von Parteien, muslimische Einrichtungen, Beratungsstellen für Asylbewerber.

Wahrscheinlich stammten die Notizen von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, sagte der Beamte. Die beiden sollen laut Anklage die Attentate unmittelbar ausgeführt haben. Beate Zschäpe ist als Mittäterin der Anschläge angeklagt, sie soll für die legale Fassade der Gruppe gesorgt haben.

Nebenklagevertreter äußerten am Dienstag erneut die Vermutung, dass die Terroristen auch Helfer vor Ort hatten, die möglicherweise bei der Ausspähung halfen. Yavuz Narin, der Angehörige des Münchner NSU-Opfers Theodoros Boulgarides vertritt, kritisierte, dass die Ermittler Bezüge zur rechten Szene nicht beachtet hätten. In Nähe des Tatorts waren wenige Tage nach dem Mord im Jahr 2005 zwei Männer aufgefallen, die unter anderem Kontakt zu dem verurteilten Neonazi Martin Wiese hatten. Ein direkter Kontakt zu den Terroristen des NSU wurde allerdings auch in den späteren Ermittlungen nicht gefunden.

dpa

Der NSU-Prozess: Zentrale Fragen rund um das Verfahren

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