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AfD-Politikerin Roon bei einer Kundgebung.

Nürnberger AfD-Politikerin

Hitler-Bilder und dubiose Kontakte: AfD entlastet Roon

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„Vollständig entlastet“: So urteilt eine parteiinterne Kommission über die AfD-Kreisvorsitzende Elena Roon nach ihrer Hitler-Bildchen-Affäre. Doch die Lokalpolitikerin pflegt nachweislich Kontakt zu Rechtsextremen.

München – Die Stellungnahme ist ein Freispruch auf ganzer Linie. Ein „Untersuchungsausschuss“ der AfD sei zum Schluss gekommen, dass die Nürnberger Kreisvorsitzende Elena Roon „vollständig entlastet werden kann“, heißt es auf der Homepage des AfD-Landesverbandes. Roon wünsche sich weder Hitler zurück noch teile sie Ansichten einer Holocaust-Leugnerin. „Wieder einmal hat sich gezeigt, dass man ‚auch die andere Seite hören’ und ganz genau hinschauen muss, bevor man sein Urteil fällt“, wird der Chef des Ausschusses, Dirk Driesang, „in Richtung einer aufgeregten und gelegentlich oberflächlichen Öffentlichkeit“ zitiert. Böswillige Medien, aufrechte AfD?

Anfang Februar war Roon bundesweit in die Schlagzeilen geraten. Sie hatte Hitler-Bilder in einer WhatsApp-Chatgruppe verbreitet. „Vermisst seit 1945. Adolf, bitte melde Dich! Deutschland braucht Dich!“ – so die Beschriftung (wir berichteten). Zudem hatte sie in einem russischen Netzwerk ein Video der verurteilten Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck geteilt. Der Landesverband hat entschieden, deswegen keine Konsequenzen zu ziehen. Als Russlanddeutsche habe Roon eben nicht die Deutschen eigene „Sensibilität“ bei dem Thema. Eine Rechtsextreme sei sie aber mitnichten. Auch Roon selbst, die als Bundestagskandidatin für den Wahlkreis Nürnberg Süd nominiert worden war, beteuert, mit Rechtsextremen nichts am Hut zu haben.

Aber stimmt das? Es gibt Zweifel. Ehemalige Mitaktivisten und Beobachter der rechten Szene erzählen eine andere Geschichte. Die Nürnberger Sozialwissenschaftlerin Birgit Mair hat sich Roons Profile in sozialen Internetnetzwerken angesehen. Auf einem russischen Profil war Roon unter anderem mit dem „Arminius-Bund des deutschen Volkes“ vernetzt. Die Kleinpartei trat jüngst bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg an und wird vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft. Nach einer Anfrage unserer Zeitung bei Roon verschwand die Verbindung zum Arminius-Bund gestern von ihrem Profil. Ein Screenshot liegt uns aber vor.

Roon soll aus Bürgerinitiative ausgeschlossen worden sein

Dass Roon wohl nicht so unbedarft ist, wie die Partei behauptet, legt auch die Darstellung eines Ex-Mitstreiters nah. Igor Jürgenson arbeitete mit ihr in der Nürnberger Bürgerinitiative (BI) „Sichere Heimat“ zusammen. Die BI organisierte seit Anfang 2016 Demonstrationen gegen die liberale Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Roon behauptete im Februar, sich von der Initiative losgesagt zu haben, als auf deren Veranstaltungen immer mehr Rechtsextreme teilnahmen.

Jürgenson erzählt die Geschichte ganz anders. Nicht Roon habe die BI verlassen, sondern sie sei Ende Mai ausgeschlossen worden. Grund: Sie habe die Initiative in ein schlechtes Licht gerückt, weil sie den Kontakt zur rechtsextremen Szene gepflegt habe. Unter anderem, so Jürgenson, habe sie mit den Vertretern des Arminius-Bund und der Partei „Die Rechte“ zusammenarbeiten wollen – was er selbst aber abgelehnt habe.

Doch nicht nur ihre Verbindungen zur rechten Szene wirft Jürgenson ihr vor. Roon, die auch die Einnahmen der Gruppe verwaltet habe, sei der Initiative auch noch eine Abrechnung schuldig. In mehreren Gesprächen über die Finanzen habe es keine Einigung gegeben, sagt Jürgenson. Gestern stellte er deswegen nun Strafanzeige. Roon selbst scheint nun Konsequenzen zu ziehen. Offenbar will sie doch nicht als Direktkandidatin für den Bundestag antreten. So heißt es zumindest in gut informierten Parteikreisen.

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