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Die Werte gehen nach unten: Nur noch 36 Prozent der Amerikaner stehen hinter Donald Trump.

Ärger an zwei Fronten

Zoff mit London und Umfrage-Schock für Trump

Trump polarisiert enorm, in den neusten Umfragen rutscht der amtierende US-Präsident weiter ab. Wie lang werden die Republikaner noch zu ihm stehen? 

Washington – Nach herben Twitter-Angriffen von Donald Trump gegen den Londoner Bürgermeister Sadiq Khan hat die britische Premierministerin die Vorwürfe zurückgewiesen. „Die Beziehung mit Amerika ist unsere engste und wichtigste Verteidigungs- und Sicherheitsbeziehung. Trotzdem denke ich, dass Donald Trump falsch liegt mit dem, was er über Khan im Zusammenhang mit dem Terroranschlag gesagt hat“, sagte May der Boulevardzeitung „The Sun“. Zuvor hatte sie sich einer direkten Äußerung zu den Vorfällen enthalten und nur die gute Arbeit des Bürgermeisters gelobt.

Khan lehnte einen Staatsbesuch des US-Präsidenten in Großbritannien als unangemessen ab. Bereits nach der Einladung habe er gesagt, dass Trump nicht der rote Teppich ausgerollt werden dürfe. „Daran hat sich nichts geändert“, sagte Khan am Dienstag der BBC.

„In einer besonderen Beziehung ist es so wie mit einem guten Freund. In schlechten Zeiten stehst du ihm bei, aber du sagst ihm auch, wenn er Unrecht hat“, sagte Khan. Und es gebe viele Dinge, bei denen sich Trump irre. May betonte aber, dass der Besuch wie geplant stattfinden solle.

Trump hatte Khan über Twitter eine „armselige Ausrede“ vorgeworfen - zuvor hatte der Bürgermeister nach dem Terroranschlag am Samstagabend gesagt, es gebe keinen Grund, wegen des erhöhten Polizeiaufgebots in der Stadt in Alarmstimmung zu verfallen. Khan erwiderte, die Politik des US-Präsidenten gehe gegen alles, „wofür wir stehen“. Damit bezog er sich unter anderem auf das von Trump angestrebte Einreiseverbot für Menschen aus mehreren muslimischen Ländern.

Der britische Außenminister Boris Johnson, einst selbst Londoner Bürgermeister, sagte, er sehe „keinen Grund“, die Einladung an Trump zurückzuziehen. Er lobte aber, Khan habe sich in der Situation richtig verhalten. Der US-Präsident wird voraussichtlich im Oktober ins Königreich reisen.

Verlieren die Republikaner wegen Trump die Mehrheit im Kongress?

In London ist Trump offensichtlich nicht mehr willkommen. Doch auch in den Vereinigten Staaten gehen seine Beliebtheitswerte zurück. Die Republikaner müssen sich nun langsam die Frage stellen, ob sie mit diesem Präsidenten bei den Midterm-Wahlen im November 2018 ihre Mehrheit im Senat und im Abgeordnetenhaus noch halten können.

Den bislang besten Wert hatte Trump laut dem amerikanischen Meinungsforschungsinstitut Gallup am 11. März, zehn Tage nach seiner ersten Rede vor dem Kongress. 45 Prozent der Amerikaner hielten ihn damals für einen guten Präsidenten. Seitdem geht der Trend nach unten. Im April und Mai langen die Werte zwischen 38 und 42 Prozent

Trump schneidet deutlich schlechter ab als Obama

Anfang Juni nahmen die Sympathien für Trump deutlich ab: Nur noch 36 Prozent seiner Landsleute sind laut Gallup mit Trump zufrieden. Dieser Wert war bislang nur einmal tiefer: Als der 70-Jährige Ende März zum ersten Mal einen Einreisestopp für Staatsangehörige einiger muslimischer Länder ausgerufen hatte, fanden nur noch 35 Prozent den US-Präsidenten gut. 

Zum Vergleich: Trumps Vorgänger Barack Obama hatte Anfang Juni 2009 eine Zustimmungsquote von 63 Prozent. George W. Bush lag im Juni 2001 bei 55 Prozent. 

Für Trumps vergleichsweise schlechte Werte gibt es verschiedene Gründe. Neben seiner Reaktion auf das Attentat in London spielen vermutlich auch der Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen vergangene Wochen und die Entlassung des FBI-Chefs James Comey Mitte Mai eine Rolle. 

Donald Trump wirft „Mainstream Medien“ „Fake News“ vor

Donald Trump setzt unterdessen seinen Feldzug gegen die von ihm so genannten Mainstream-Medien in den USA fort. „Sorry Leute“, schrieb Trump am Dienstag auf Twitter: Hätte er sich nur auf die „Fake News“ (gefälschte Nachrichten) der Sender CNN, NBC, ABC und CBS sowie der „Washington Post“ oder der „New York Times“ verlassen, hätte er keine Chance auf die Eroberung des Weißen Hauses gehabt.

Die „Fake Mainstream Medien“ würden alles versuchen, ihn von sozialen Medien fernzuhalten, twitterte Trump. „Sie hassen es, dass ich meine aufrichtige und ungefilterte Botschaft verbreiten kann.“

Es gibt keine Versuche von Medien, Trump von sozialen Netzwerken fernzuhalten. Es gibt Hinweise auf Widersprüche und Ungereimtheiten in Trumps Äußerungen.

Für einige Aufmerksamkeit sorgt in den USA ein Programm namens „RealPressSecBot“, das Trumps Tweets in die optische Form offizieller Pressemitteilungen des Weißen Hauses gießt. Der Schöpfer des Programms will klarmachen, dass es sich bei Trumps Tweets nicht um flüchtige Einlassungen im Internet handle, sondern jedes Mal um offizielle Äußerungen des 45. Präsidenten der USA.

Für die „New York Times“ kommentierte die Korrespondentin im Weißen Haus, Maggie Haberman: „Es handelt sich um Erklärungen des Präsidenten, die er auf Twitter macht. Sie „Tweets“ zu nennen, verniedlicht sie.“

mh/dpa

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