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Wer regiert im Münchner Rathaus?2020 steht die nächste OB-Wahl an.

Steht ein historischer Wechsel im Rathaus bevor? 

OB-Wahl 2020 in München: Wann ist der Termin? Wer tritt an?

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Oberbürgermeisterwahl 2020 in München: Wann ist der Termin? Welche Kandidaten treten bei der Kommunalwahl gegen OB Reiter an?

München - Mindestens neun Kandidaten treten bei der OB-Wahl 2020 in München an.

  • Gegen den seit 2014 regierenden Oberbürgermeister (OB) Dieter Reiter (SPD) treten als Favoriten auf eine Stichwahl Kristina Frank (CSU) und Katrin Habenschaden (Grüne) an.
  • Die Freien Wähler haben Hans-Peter Mehling als ihren OB-Kandidaten für das Münchner Rathaus nominiert.
  • Die Linke schickt mit Thomas Lechner einen parteilosen Kandidaten ins Rennen.
  • Richard Progl ist Kandidat der Bayernpartei für die OB-Wahl 2020 in München.
  • Tobias Ruff möchte für die ÖDP antreten.
  • Bei der FDP findet die Nominierungsversammlung am Samstag, 29. Juni, statt. Bei den Liberalen kommt es zu einem Dreikampf zwischen den beiden Stadträten Thomas Ranft und Jörg Hoffmann sowie dem Stadtvorsitzenden Fritz Roth.
  • Bei der AfD ist noch unklar, wer antritt. „Wir werden aber auf alle Fälle im Herbst einen Kandidaten aufstellen“, bestätigte der Parteivorsitzende im Münchner Süden, Wolfgang Wiehle, dem Münchner Merkur.

Hier finden Sie alle Informationen zur Bürgermeister-Wahl:

Wann ist der Termin für die OB-Wahl 2020 in München? Wer sind die Kandidatinnen? Können sie Reiter vom Thron stoßen, haben sie überhaupt eine Chance? 

Was jetzt schon feststeht: Die Kandidatinnen angeln mit ihrem Auftritt im Wählerkreis der Konkurrenz.

Wann ist die OB Wahl 2020 in München?

Auch bei den Kommunalwahlen in Bayern gilt, wer es nicht an die Urne schafft kann mit dem Brief abstimmen.
  • Die OB-Wahl in München findet am Sonntag, 15. März 2020 statt.
  • Die Stichwahl findet zwei Wochen später, am Sonntag, 29. März 2020, statt.
  • Sollte kein Kandidat im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit der Stimmen erhalten (mehr als 50 Prozent), so kommen die beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen in die Stichwahl. 
  • Bei bislang acht Kandidaten ist davon auszugehen, dass es bei der OB-Wahl 2020 in München eine Stichwahl geben wird.
  • Als Favoriten für die OB-Wahl gehen Rathauschef Dieter Reiter (61) von der SPD, die Grüne Katrin Habenschaden (41) sowie CSU-Bewerberin Kristina Frank (38) ins Rennen.
  • Erstmals haben die Grünen mit ihrer Kandidatin Katrin Habenschaden eine reelle Chance, in die Stichwahl zu kommen.

Alle sechs Jahre werden Bayerns Bürger an die Wahlurnen gebeten, um über die Mandate in 2.000 Gemeinden und in 71 Landkreisen zu entscheiden. 
Im Vergleich zu der Bundestagswahl geht bei der Kommunalwahl die Person über die Partei. Bedeutet, dass der Wähler die Möglichkeit hat, einzelne Personen zu wählen - auch aus mehreren Parteien. Um damit seinen eigenen Stadt- und Gemeinderat oder Kreistag komplett selbst zu gestalten. 

Wenn es um die Ämter der Bürgermeister, Oberbürgermeister und Landräte geht, braucht ein Kandidat bzw. eine Kandidatin eine absolute Mehrheit. So auch bei der OB-Wahl 2020 in München.

Zur Erinnerung: Bei der bislang letzten Bürgermeisterwahl mussten Dieter Reiter (SPD) und Josef Schmid (CSU) in die Stichwahl. Diese wird genau zwei Wochen nach dem ersten Wahlgang durchgeführt.

Die Kandidatin der CSU für die OB-Wahl 2020 in München: Kristina Frank

Kristina Frank ist die voraussichtliche Kandidatin der CSU für die OB-Wahl 2020 in München.

Kristina Frank (38) ist die Kandidatin die von der CSU 2020 ins Rennen gegen OB Reiter geschickt wird - bisher machte sie vor nichts halt. Zuerst legte sie eine steile juristische Karriere bis zur Richterin des  Landesgerichts Münchens hin. Dann gewann sie in nur vier Jahren nach dem Einzug in den Münchner Stadtrat die Anerkennung ihrer Partei-Kollegen im Bezirksausschuss, so dass sie im August 2018 schließlich städtische Kommunalreferentin wurde. 

Die CSU-Kandidatin gibt sich frisch, bunt, modern und liberal. Dabei möchte sie junge Wähler nicht nur mit Yoga ansprechen: Auf ihrer Website zeigt sie sich beim Klettern in den Bergen, beim Sport im Fitnessstudio oder auf einer Theaterbühne. Kristina Frank präsentiert sich als umweltbewusst, verzichtet lieber auf das Auto und schwingt sich stattdessen aufs Rad - sie möchte Münchner zu mehr Nachhaltigkeit animieren.

Im Interview mit dem Münchner Merkur sagt Kristina Frank: „Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein sind mir persönlich sehr wichtig. Zusammen mit den anderen drängenden Problemen Münchens müssen wir uns darum kümmern. Die besonderen Bedürfnisse junger Leute in einer teuren und anspruchsvollen Stadt wie München gilt es gezielt zu adressieren.“

Trotzdem dürfte sie auch bei konservativen Teilen der CSU punkten. Sie ist verheiratet mit dem ehemaligen Unternehmensberater Felix Frank. Die beiden wohnen gemeinsam mit ihren Sohn Ferdinand im schönen Neuhausen. Außerdem wird sie den Rückhalt von CSU-Ministerpräsident Markus Söder genießen, da man sie als Personifizierung seines Wunsches, die Partei „jünger und weiblicher“ zu strukturieren, betrachten darf.

Kristina Frank ist die Kandidatin der CSU für die OB-Wahl 2020 in München.

Im Kommunalwahlkampf will Kristina Frank mit einer Dialogreihe „Bike Talk“ Stimmen gewinnen. Die CSU-Kandidatin wird auf einem mit Buttons und Schriftzügen ausgestatteten vierrädrigen Radl auf Tour gehen, sich mit Münchnern treffen, prominenten und weniger prominenten. Diese Gespräche über Münchens Zukunft werden aufgezeichnet, ein etwa 20-minütiges Video produziert. Das wiederum soll im Internet präsentiert werden – auf der Homepage der OB-Kandidatin und auf den Kanälen der sozialen Medien.

Als sie im Interview mit dem Münchner Merkur gefragt wird, ob sie OB Reiter oder Grünen-Kandidatin Reiter als Hauptgegner im Wahlkampf sieht, antwortet Kristina Frank äußerst diplomatisch: „Der Amtsinhaber ist immer derjenige, gegen den man gewinnen muss.“

Auch will sie nicht verraten, ob sie sich dem SPD-Mann oder der Grünen-Frau politisch näher fühlt: „Ideen sollten sich gerade in der Kommunalpolitik nicht um Gefühle drehen, sondern um sinnvolle Lösungen für die Probleme in unserer Stadt.“

OB-Wahl 2020 in München: Talk-Bike für Kristina Frank

Schon bei ihrer Nominierungsrede Anfang Juni 2019 verschärfte Frank in der Event-Location „Hoch5“ den Ton – mit persönlichen Angriffen gegen den OB. In luftiger Höhe stieg sie ihm sprichwörtlich aufs Dach.

Das Pikante: Frank ist Kommunalreferentin der Stadt, und ihre Partei regiert in München zusammen mit der SPD. Doch die Art, wie Reiter die Millionenstadt führt, gefällt ihr nicht. Zum Beispiel, dass die montäglichen Besprechungsrunden mit den Referenten in 15 Minuten durchgezogen würden. Wie solle es da zu klaren Leitlinien, Absprachen und zu einem Miteinander kommen? Frank: „So kann es nicht weitergehen!“

Überhaupt attestiert Frank dem OB in puncto kreativer Amtsführung ein miserables Zeugnis. So werde es in Münchenkünftig noch viel mehr darum gehen, qualitativ hochwertige kulturelle Projekte gezielt zu fördern, sagt die Juristin und fügt an: „Dafür brauchen wir aber einen Oberbürgermeister, der sich für Kultur überhaupt interessiert.

Kristina Frank stellt die Kommunalwahl 2020 als wichtige Richtungswahl für München dar:

„Wollen die Menschen ein bevormundendes rotgrünes München oder ein lässig-pramatisches, bürgerliches München?“

Letzteres sei nur möglich mit einer Oberbürgermeisterin, die am Puls der Zeit sei, die Leidenschaft, Verantwortungsgefühl und Augenmaß verkörpere. „Also eine Oberbürgermeisterin der CSU.“ Den Spruch Laptop und Lederhosen wandelt sie auf sich gemünzt in ein feminines „Dirndl und Digitalisierung“ um.

Die Kandidatin der Grünen für die OB-Wahl 2020 in München: Katrin Habenschaden

Katrin Habenschaden ist die Kandidatin der Grünen für die OB-Wahl 2020 in München. Die OB-Bewerberin der Grünen (42) wurde im März von ihrer Partei mit 97,7 Prozent gewählt. Damit nicht genug: Mit 99 Prozent der gültigen Stimmen wurde Habenschaden im September 2019 bei der Aufstellungsversammlung der Grünen für die Liste zur Kommunalwahl 2020 auch offiziell zur OB-Kandidatin gekürt.

Katrin Habenschaden ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Aubing. Also nicht in einem der hippen Zentrumsviertel, wo die Grünen bei der Landtags- und nun bei der Europawahl Rekordergebnisse von über 40 Prozent eingefahren haben. Sie sitzt seit 2014 im Stadtrat.

In einem Imagefilm radelt sie durch München, joggt, füttert Schafe und ärgert sich über Verspätungen bei der S-Bahn. Seit 2014 sitzt die gebürtige Nürnbergerin im Stadtrat. Ihr Auftreten ist eher unprätentiös. Als Politikerin achtet die neue Frontfrau der Münchner Grünen aber stets auf elegante Kleidung.

Eigentlich dachten viele, dass Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende im Landtag, Dieter Reiter herausfordern würde. Doch das Gesicht der bayerischen Grünen fühlt sich in der Landespolitik besser aufgehoben – als ständiger Stachel im Fleisch von Ministerpräsident Markus Söder. Schulze zählt aber zum engeren Zirkel von Habenschadens Wahlkampfteam.

Habenschaden griff bei ihrer Rede beim Stadtparteitag vor 200 Grünen im Kesselhaus (Freimann) den politischen Gegner an: die GroKo! Die tue zu wenig – gerade, was den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) angeht. „Der ÖPNV hat die Belastungsgrenze überschritten, wenn einLuftballon schon die ganze Stammstrecke lahmlegen kann.“

Katrin Habenschaden ist Kandidatin der Grünen für die OB-Wahl 2020 in München.

Die große Kooperation gehöre abgelöst: „Die versteht die Probleme dieser Zeit nicht.“ Es werde nicht reagiert, Entscheidungen würden mit Studien und Prüfungen auf die lange Bank geschoben. Habenschaden nannte die Tram- Westtangente,die bereits hätte beschlossen sein können – die CSU habe sie mit immer weiteren Prüfungen verzögert: „Verkehrswende kann so nicht kommen.“

Wohnungen bauen will Habenschaden auch, das sei das größte soziale Problem in dieser Stadt. „Wenn wir bauen, dann lieber in die Höhe als in die Breite.“ Gleichzeitig sollten so viel wie möglich Grünflächen erhalten bleiben. Das bleibt eine Gratwanderung – auch für die Grünen.

Als Fraktionsvorsitzende der Grünen im Münchner Rathaus hat die Quereinsteigerin Katrin Habenschaden ein Faible für Zahlen und Strategie. Als gelernte Bankkauffrau und Diplombetriebswirtin mit Vorliebe für Wirtschaft- und Finanzpolitik, setzt sie ihre politischen Schwerpunktthemen auf Wirtschaftspolitik, Münchner Unternehmen und solide Stadtfinanzen, sowie der Vereinbarkeit von Beruf und Familie - ein Thema das sie persönlich betrifft. 

Womöglich kann sie auch vom aktuellen Höhenflug der Grünen profitieren. Bei der Europawahl 2019 festigten die Grünen ihre Spitzenposition, holten 31,2Prozent in München – und waren in Freising (Stadt) sogar stärkste Kraft. Münchens Grüne-OB-Kandidatin Katrin Habenschaden kommentierte am Wahlabend: „Man merkt auch bei dieser Wahl, dass die sozialökologische Bewegung immer stärker wird und wir den richtigen Nerv treffen. Die Erfolge bei der Landtags- oder der Bundestagswahl waren keine Ausnahmen und sind nicht nur demSpitzenpersonal der Partei geschuldet.“

Inzwischen scheint es nicht mehr ausgeschlossen, dass die bislang eher unbekannte Kandidatin, den vermeintlich unantastbaren SPD-OB Dieter Reiter gefährden könnte. „Die Landtagswahl war ganz offensichtlich keine Eintagsfliege“, verkündete der grüne Fraktionschef im Landtag, Ludwig Hartmann, nach der Europawahl. Und voller Euphorie fügte er an: „Wir können jetzt ernsthaft vom Ziel sprechen, demnächst einen grünen Oberbürgermeister zu stellen.“

Im Interview mit dem Münchner Merkur verriet Habenschaden, dass besonders der Rückhalt ihrer Familie die 41-Jährige bestärkt: „Meine Familie war federführend in den Entscheidungsprozess miteingebunden. Meine Kinder haben mich unterstützt und bestärkt. Das hat mich sehr gerührt. Sie sagten, sie sind stolz, wenn ich es probiere. Mein Mann und meine Eltern haben mir auch ihre Unterstützung zugesagt, unabhängig davon, wie sehr sie nun zeitlich beansprucht werden. Mein Mann und ich teilen uns aber auch jetzt schon je zur Hälfte die Berufstätigkeit und die Kinderbetreuung.“

Katrin Habenschaden (Grüne) will 2020 Oberbürgermeisterin von München werden

Natürlich wird sie auch die zentrale Forderung der Grünen in München, die der Mobilitätswende, nicht vernachlässigen. Erst 2009 trat sie der Partei bei und 2020 kandidiert sie schon um den Posten der Münchner Oberbürgermeisterin. Katrin Habenschadens Karriere ist keinesfalls eine glückliche Fügung, sondern das Ergebnis einer durchdachten, kalkulierten parteilichen Laufbahn.  

So ein Kalkül und Fokus auf Wirtschaft und Finanzen wirkt für eine Kandidatin der Grünen erstmal recht überraschend. Die zweifache Mutter aus Aubing hat allerdings auch Wurzeln in der Natur. Ehrenamtlich arbeitet sie als Wald- und Wildnispädagogin, möchte Stadtkindern wieder die Natur nahe bringen. Deswegen stehen Umweltschutz und der Erhalt von Münchner Freiflächen durch eine nachhaltige Stadtentwicklung ganz oben auf ihrer Fahne.

Der Kandidat der SPD für die OB-Wahl 2020 in München: Dieter Reiter

Ein Mann den man in München kaum vorstellen muss: Dieter Reiter löste seinen Parteikollegen Christian Ude 2014 als OB ab, weil Ude aus Altersgründen nicht mehr antreten durfte. Für die SPD und Reiter waren die vergangenen Jahre kein Zuckerschlecken: Bei den Landtagswahlen verlor seine Partei knapp 11 Prozent und er verlor 17 Kilo in drei Monaten. Aber: Noch immer gilt Reiter als Favorit im Dreikampf mit den beiden Frauen. Seine Sympathiewerte sind unverändert hoch.

Reiter kann hingegen auf seinen Amtsbonus hoffen. Bislang deutet nichts darauf hin, dass die Sogwirkung des SPD-Abwärtstrends auch ihn persönlich in den Keller zieht. Seine Favoritenstellung ist aber nicht mehr unangetastet.

OB-Wahl 2020 in München: Oberbürgermeister Dieter Reiter im Interview

Im Hinblick auf die Kommunalwahlen 2020 zeigte er sich im Interview kritisch: „Auch wenn man unterstellt, dass Kommunalwahlen anders laufen. Die Zahl der Stammwähler ist zurückgegangen, auch in München. Ein „weiter so“ darf es und wird es auch auf keinen Fall geben. Wir als SPD müssen die Grundfrage beantworten: Warum ist die Sozialdemokratie wichtiger denn je? Hier müssen wir Antworten und -Inhalte liefern - unabhängig von personellen Fragen.“ Fürchtet da bereits jemand den Amtsverlust bei der OB-Wahl 2020 in München?

Schwerpunktthemen von OB Reiter werden weiterhin Wohnen und Mobilität in München sein. Außerdem sieht er Handlungsbedarf seitens der Stadt, wenn es um freiwillige Sozialleistungen und das Wohl der Schwächeren geht.

Auch nach dem Desaster-Ergebnis der SPD in München bei der Europawahl 2019 (11,4 Prozent) will Reiter den Wählern klarmachen, „dass der überragende Erfolg Münchens untrennbar mit der SPD verbunden ist“. München sei nicht nur wirtschaftlich erfolgreich, sondern vor allem auch „sozial, weltoffen und innovativ“.

Oberbürgermeister Dieter Reiter kann bei der OB-Wahl 2020 in München auf seinen Amtsbonus hoffen.

Europa- und bundespolitische Themen hätten einen anderen Horizont als kommunale Aufgaben. In München gehe es vorrangig um Wohnungsbau, günstige Mieten, den Ausbau des Nahverkehrs, Radwege oder Parkplätze. Das seien die Dinge, die die Menschen beschäftigen. „Der Bau eines Isarflussbads entscheidet bestimmt nicht über Wohl und Wehe bei der Kommunalwahl“, fügt Reiter an. Kurz vor der Wahl bekommt Reiter aber ein Problem. Der Fraktionsvorsitzende der SPD im Münchner Stadtrat, Alexander Reissl, wechselt zur CSU. 

Ob er wie sein Vorgänger drei Amtsperioden als OB für München stehen darf, oder die beiden Konkurrentinnen bei der OB-Wahl 2020 in München an seinem Stuhl sägen könnten - ein Ausblick. 

Hans-Peter Mehling ist OB-Kandidat der Freien Wähler für 2020

Seit der zurückliegenden Landtagswahl sind die Freien Wähler in Bayern Teil der Regierung. Ins Rennen um das Münchner OB-Amt schicken sie aber einen bislang eher unbekannten Kandidaten: Hans-Peter Mehling. Der 61-Jährige ist pensionierter Berufssoldat, führt die FWFraktion im Bezirksausschuss Obergiesing/Fasangarten und ist stellvertretender Vorsitzender der Stadtpartei.  Der gebürtige Münchner ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

In den Stadtrat schaffte Mehling es bei der bislang letzten Kommunalwahl 2014 nicht. Die Freien Wähler führten ihn auf einem aussichtslosen neunten Listenplatz. Zwei FW-Kandidaten, Johann Altmann und Ursula Sabathil, schafften es damals ins Rathaus. Altmann trat 2016 überraschend in die Bayernpartei ein. Seither sind die Freien Wähler im Stadtrat nur noch durch Sabathil vertreten, die allerdings mittlerweile fraktionslos ist. Sollte Mehling es bei der Kommunalwahl 2020 in München nicht auf den OB-Sessel schaffen (was ziemlich unwahrscheinlich ist), so dürfte ihm die Kandidatur zumindest einen Sitz im Stadtrat einbringen.

Hans-Peter Mehling ist OB-Kandidat der Freien Wähler.

 

OB-Kandidat Mehling spricht sich dafür aus, Gewerbeansiedlungen einzubremsen – mit Ausnahme des Handwerks. Davon gebe es viel zu wenig in München, meint der Mann der Freien Wähler: "Das ist praktisch ausgestorben", weil Flächen und bezahlbarer Wohnraum fehlten. Deswegen schreibt er sich die Förderung des Handwerks auf die Fahnen.

Mehling fordert außerdem: Statt alle Flächen in der Stadt mit Wohnraum zuzubauen, sollten die Bauvorschriften vereinfacht werden.

Verkehrspolitisch fordert der Giesinger den Bau des Nord- und Südrings, ein 365- Euro-Ticket sowie mehr Parkand-Ride-Plätze an der Peripherie. Sonst sei der Umstieg vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel schwer zu erreichen.

Hans-Peter Mehling: Das will der OB-Kandidat der Freien Wähler

OB-Wahl 2020 in München: Was sagen die Umfragen?

Die aktuelle Umfrage zur OB-Wahl in München ist vom Juni 2019.  Diese besagt: OB Dieter Reiter liegt in Führung. Aber: Die Herausforderinnen Katrin Habenschaden und Kristina Frank legen zu.

Oberbürgermeister Dieter Reiter bleibt der Platzhirsch im Rathaus. Seine Werte zur Bekanntheit und Sympathie liegen weiter auf hohem Niveau, die Zufriedenheit mit seiner Politik ist ebenfalls konstant. Das ist das Ergebnis einer Erhebung desRegionalinstituts fürMarktforschung (RIM). Aber: Reiters Herausforderinnen, Katrin Habenschaden (Grüne) und Kristina Frank (CSU) holen auf!

Den Marktforschern zufolge kennen 84,9 Prozent der Befragten das SPD-Stadtoberhaupt Dieter Reiter. 84,1 finden ihn sympathisch. Die Meinungsforscher hatten für die Frühjahrsumfrage vom29. April bis 29. Mai insgesamt 402 Münchner befragt. Im Vergleich zur Herbstumfrage hat Reiter leicht zugelegt, damals kamer auf 81,3 Prozent Bekanntheit und Sympathiewert von 84,3 Prozent.

Zugelegt hat aber auch die Konkurrenz um den Chef-Sessel: Kommunalreferentin Kristina Frank (CSU) war im November noch bei einem Bekanntheitsgrad von 3,9 Prozent, der Sympathiewerte wurde gar nicht erfasst. Jetzt kennen Frank 10,3 Prozent der Befragten, 67,7 Prozent finden sie sympathisch.

Ähnliches bei der grünen Fraktions-Chefin Habenschaden (41). Ihr Bekanntheitsgrad lag im November bei 12,7 Prozent, die Sympathiewerte bei 97,3 Prozent. Nunkennen sie 24,8 Prozent – und 66,3 Prozent finden sie sympathisch.

OB-Wahl 2020 in München: Wie stehen die Chancen für Dieter Reiter und die Herausforderer

Bei den Kommunalwahlen 2014 erreichte Reiter im ersten Wahlgang 40 Prozent der Stimmen und gewann gegen Josef Schmid (CSU) in der Stichwahl mit knapp 57 Prozent. Die Kandidatin der Grünen Sabine Nallinger schaffte es mit knapp 15 Prozent nicht in die Stichwahl. FDP-Mann Michael Mattar scheiterte ebenfalls im ersten Wahlgang.

Allerdings gewannen die Grünen bei der Landtagswahl 2018 allein inMünchen-Mitte ein Rekordhoch von 42,5 Prozent der Stimmen und konnten damit ihr Wahlergebnis von 2013 fast verdoppeln. Für die OB-Wahl 2020 bedeutet das, dass SPD und CSU die Grünen-Kandidatin Habenschaden nicht auf die leichte Schulter nehmen können. Sie zu unterschätzen hieße den Höhenflug der Grünen zu ignorieren - und die Öko-Partei hat bei den Kommunalwahlen 2020 in Bayern bessere Chancen als je zuvor. 

Die CSU erkennt die Partei daher jetzt schon alsHauptkonkurrent um den Chefsessel Münchens an. Dennoch, in diesem März wird die Stadtseit 35 Jahren von einem OB der SPD regiert und ist damit historisch fest in der Hand der Sozialdemokraten: Reiter wird das Rathaus-Zepter nicht ohne Kampf abgeben und vor der OB-Wahl 2020 alle Register ziehen. 

2020 wird sich wohl auch die Sitzverteilung im Münchner Stadtrat verändern, so steht es um die momentane Zusammensetzung: 

Partei

Sitze aktuell

Sitze nach Wahl 2014

Prozent bei Wahl 2014

CSU

24

26

32,6 %

SPD

24

25

30,8 %

Grüne

13

13

16,6 %

FDP

4

3

3,4 %

Freie Wähler

1

2

2,7 %

ÖDP

2

2

2,5 %

AfD

0

2

2,5 %

Linke

2

2

2,4 %

Rosa Liste

1

1

1,9 %

Wählergruppe HUT

1

1

1,3 %

Piraten

0

1

1,2 %

Bayernpartei

5

1

0,9 %

Bürgerinitiative Ausländerstopp (BIA)

1

1

0,7 %

Liberal-Konservative Reformer (LKR)

2

0

Veränderungen im Münchner Stadtrat seit der Kommunalwahl 2014:

  • Im März 2014 trat Josef Assal aus der SPD-Fraktion aus und trat der Fraktion „Bürgerliche Mitte“ ein (Freie Wähler und Bayernpartei).
  • Im September 2015 verließen beide Stadträte der AfD aus der Partei und traten der ALFA bei, die spätere LKR. 
  • Im März 2016 wechselten zuerst zwei Stadträte der CSU zur Bayernpartei, im Folgemonat taten es ihnen ein ein Stadtrat der freien Wähler und Josef Assal gleich 
  • Im Mai 2017 wechselte der einzige Stadtrat der Piratenpartei Thomas Ranft zu der FDP 

Ob sich die Wähler bei der OB-Wahl 2020 in München für die bunte, alternative Kristina Frank der CSU, die strategische, wirtschaftsnahe Katrin Habenschaden der Grünen entscheiden oder sich erneut hinter Dieter Reiter von der SPD stellen, wird sich wohl im März nächsten Jahres zeigen.

OB-Wahl 2020 in München: Wird die Landeshauptstadt von Schwarz-Grün regiert?

Im Münchner Rathaus regiert eine Kooperation aus SPD und CSU. Wie es nach der Kommunalwahl 2020 weitergeht, ist offen.

Im Interview mit dem Münchner Merkur erklärte Manuel Pretzl, Bürgermeister und Fraktionsvorsitzender der Rathaus-CSU die Bereitschaft seiner Partei zu diesem Bündnis: „Ziel der CSU ist es, die stärkste Kraft in der Stadt München zu werden. Dann wird es nur mit uns eine seriöse Mehrheit geben. Die einzige stabile Mehrheit hätte derzeit nach den Umfragewerten übrigens Schwarz-Grün.“

Pretzl geht davon aus, dass CSU und Grüne fast konfliktfrei miteinander in München regieren könnten: „Echte Differenzen gibt es eigentlich nur in der Verkehrspolitik. Die Generalsanierung des Gasteigs haben wir zum Beispiel zusammen mit den Grünen gegen die SPD durchgesetzt. Es gibt genug Themen, bei denen wir mit den Grünen können.“

Allerdings ist die CSU auch bereit, die Koalition mit der SPD im Münchner Rathaus fortzusetzen: „Echte Differenzen gibt es eigentlich nur in der Verkehrspolitik. Die Generalsanierung des Gasteigs haben wir zum Beispiel zusammen mit den Grünen gegen die SPD durchgesetzt. Es gibt genug Themen, bei denen wir mit den Grünen können.“ 

CSU-Kandidatin heimlich vom SPD-Mann fotografiert: Zoff in GroKo vor OB-Wahl 2020 in München

Vor der OB-Wahl 2020 in München wird die Stimmung zwischen den Koalitionspartnern CSU und SPD wird immer gereizter. Im Juni 2019 beharkten sich Vertreter beider Parteien im Internet. SPD-Parteivize Roland Fischer machte heimlich Fotos von Kommunalreferentin und OB-Kandidatin Kristina Frank (CSU) und veröffentlichte diese auf Facebook. Fischer hatte Münchens Kommunalreferentin auf dem Balkon des Referates gesehen, als diese offenbar ein Selfie machte. Die Parteizentrale SPD liegt genau geneüber derjenigen der CSU.

Münchens SPD-Vize Roland Fischer hat Kommunalreferentin und OB-Kandidatin Kristina Frank (CSU) fotografiert, als diese ein Selfie auf dem Kommunalreferat machte. Dafür gab es ein paar Lacher, aber auch Kritik.

Frank reagierte auf Facebook cool: „Das nächste Mal winke ich gerne. Übrigens: Das nennt sich social media, liebe SPD.“

CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl zeigte sich würtend. Der tz sagte er: „Wenn es jetzt Schule machen sollte, mit heimlich geschossenen Fotos Wahlkampf zu machen, dann Gute Nacht politische Kultur. Ich bin fassungslos über diese Niveaulosigkeit.“ Die SPD scheine von nackter Panik ergriffen zu sein. „Ganz abgesehen davon, dass die älteren Herren in der SPD nicht zu verstehen scheinen, dass das Handy heutzutage ein ganz normales Kommunikationsmittel ist. Wenn Herr Fischer einen Rest von Anstand hat, entschuldigt er sich bei Frau Frank.“

OB-Wahl 2020 in München: Gibt es schon einen Wahl-O-Mat?

Ob es für die OB-Wahl 2020 in München auch einen eigenen Wahl-O-Mat geben wird? 2014 war das noch nicht der Fall. Vor der nächsten Kommunalwahl könnte es anders aussehen. Die neuesten Informationen erfahren sie hier. 

Franz Rohleder/Daniel Schubert

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