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„Sie ist ganz alleine“: Obama mit Merkel 2016. 

Buch erscheint in USA

Obama-Berater enthüllt: Auch deshalb kandidierte Merkel nochmal als Kanzlerin

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Ein Buch des ehemaligen Obama-Beraters Ben Rhodes, das jetzt erscheint, enthüllt Details über die deutsche Kanzlerin - auch, warum sie unter anderem noch einmal zur Wahl angetreten sein soll.  

Washington – Ben Rhodes war acht Jahre lang der wichtigste außenpolitische Berater von Ex-Präsident Barack Obama – und auch bei allen Treffen Obamas mit anderen Staatschefs dabei. Deshalb kennt er Details aus erster Hand – und hat diese nun in einem Buch („Die Welt, wie sie ist“) verewigt, das in Kürze erscheinen soll.

Das Werk wurde jetzt, so wie es Verlage gerne tun, vorab der „New York Times“ zugespielt. Und manche Passagen dürften auch in Deutschland großes Interesse finden. Denn Rhodes widmet sich auch den Besuchen von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Weißen Haus. Und er enthüllt: Merkel vertraute Obama an, dass sie sich verstärkt zu einer Kandidatur im letzten Jahr verpflichtet fühlte, weil Donald Trump die US-Wahlen gewonnen hatte. Merkel wollte, so erinnert sich Rhodes an die Aussagen der Kanzlerin, die „liberale internationale Ordnung verteidigen“ – und damit quasi als Bollwerk auf der Weltbühne gegen Trump fungieren.

„Sie ist ganz alleine“

Als sich Obama und Merkel das letzte Mal in Washington sahen und verabschiedeten, hätte die Besucherin aus Berlin eine Träne im Auge gehabt. „Sie ist ganz alleine,“ habe danach Obama bemerkt. Auch der letzte Anruf Obamas habe Merkel gegolten – was allerdings im Gegensatz zu den meisten anderen Darstellungen von Rhodes ein Fakt ist, der im letzten Jahr bereits von Korrespondenten in Washington berichtet worden war. Die Rettung seiner Agenda nach dem für Obama völlig überraschenden Wahlerfolg Trumps war für den Ex-Präsidenten offenbar ein Herzensanliegen. So rief Obama nach der Wahlentscheidung unter anderem Kanadas Premierminister Justin Trudeau an – und forderte ihn auf, künftig lautstark die gemeinsamen Werte zu verteidigen.

Auch der heute weiter so viel diskutierte Einfluss von Russland auf die letzte Wahlentscheidung in den USA ist ein wichtiger Teil des Rhodes-Buches. Obama habe nach dem Trump-Sieg an sich gezweifelt und geglaubt, er hätte mehr tun können, um die Manipulationsversuche aus Moskau zu unterbinden. Er sah allerdings von einer stärkeren persönlichen Warnung der Wähler ab, weil er fürchtete, man werde ihm dann eine Intervention zugunsten Hillary Clintons unterstellen.

Stattdessen habe Obama dann einen Monat vor der Wahl eine Erklärung der US-Geheimdienste autorisiert, in der diese vor russischen Eingriffen in den Wahlprozess warnen sollten. Am Ende verzichtete der Präsident doch darauf, die Erklärung freizugeben – was Rhodes heute damit begründet, dass der republikanische Senatsführer Mitch McConnell damals nicht zu einer überparteilichen Stellungnahme bereit gewesen sei. Dies sei „parteilich und unpatriotisch“ gewesen, so Rhodes. Allerdings kommt diese späte Schuldzuweisung auch deshalb überraschend, weil Obama während seiner zwei Amtszeiten sonst nie auf die Republikaner gehört oder um deren Einwilligung zu Erklärungen gebeten hatte – und es nun Obama und dem Autor offenbar auch darum geht, einen Sündenbock für das Stillhalten in Sachen Russland zu finden.

So sieht sich Obama

Eine Spur von Selbstkritik und Selbstzweifeln Obamas scheint in dem Buch aber auch durch. „Was ist, wenn wir falsch lagen?“ habe Obama nach Trumps Sieg seine Berater gefragt. Vielleicht sei man, so Obama, mit der liberalen Agenda im Land zu weit gegangen. Und er sagte auch: „Manchmal frage ich mich, ob ich zehn oder 20 Jahre zu früh dran war“. Sprich: Viele Wähler seien für eine progressive Figur wie Obama einfach noch nicht bereit gewesen.

Friedemann Diederichs

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