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Heftige Kritik an Trump: Obama kommt beim Treffen mit Italiens Ministerpräsidenten auf die US-Wahl zu sprechen.

US-Präsident kritisiert Kandidat der Republikaner

Obama: Trump soll nicht „herumjammern“

Washington - US-Präsident Obama richtet harte Worte an seinen potenziellen Nachfolger Trump. Jemand, der angesichts von Schwierigkeiten die Schuld einem Anderen zuweise, habe "nicht das Zeug für diesen Job".

US-Präsident Barack Obama hat den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump heftig kritisiert. Er rate Trump, "mit seinem Gejammere aufzuhören" und sich stattdessen dem Werben um die Wähler zu widmen, sagte Obama am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi in Washington.

Es sei absolut beispiellos in der modernen Politikgeschichte, dass ein Kandidat eine Wahl, die noch gar nicht stattgefunden hat, schon vor dem Wahltag als „manipuliert“ bezeichne. „Er jammert schon, bevor das Spiel überhaupt zu Ende ist“, sagte Obama. Es gebe keinen ernsthaften Menschen, der glaubt, dass es überhaupt möglich ist, die Präsidentschaftswahl zu manipulieren. Das amerikanische Wahlsystem sei dafür viel zu dezentral organisiert.

„So machen Amerikaner das“

Trumps Klagen zeigten auch, dass dieser für das Präsidentenamt ungeeignet sei, unterstrich Obama. Sie machten deutlich, dass der Kandidat es an der notwendigen "Führungsstärke und Zähigkeit" vermissen lasse. Jemand, der angesichts von Schwierigkeiten die Schuld einem Anderen zuweise, habe "nicht das Zeug für diesen Job".

„Er sollte seine Argumente ausspielen und versuchen, die Wahl zu gewinnen.“ Sollte diesnach dem 8. November der Fall sein, werde er ihm gratulieren und für eine friedliche Machtübergabe sorgen. „So machen Amerikaner das“, fügte Obama hinzu.

Trump war zuletzt durch den Skandal um seine vulgären Äußerungen über Frauen und seine angeblichen sexuellen Übergriffe massiv unter Druck geraten. In den meisten Umfragen ist er mehr oder minder deutlich hinter seine Kontrahentin Hillary Clinton zurückgefallen.

Als Reaktion hat der Republikaner in den vergangenen Tagen seine Vorwürfe verschärft, die Wahl werde manipuliert. Er meint damit zum einen eine angeblich gegen ihn gerichtete Medienkampagne, die aus dem Hintergrund von seiner Rivalin mitgesteuert werde. Zum anderen spricht er aber auch von Fälschungen in den Wahllokalen.

Am Mittwochabend (Ortszeit) tritt Trump zu seinem dritten und letzten Fernsehduell gegen Clinton an, gewählt wird am 8. November. Obama hat sich im Wahlkampf hinter seine frühere Außenministerin gestellt und bestreitet auch Wahlkampfauftritte für seine Parteikollegin.

Obama: Trumps Annäherung an Putin ist „beispiellos“

Bei der Pressekonferenz bezeichnete Obama außerdem Trumps Annäherung an den russischen Präsidenten Wladimir Putin als „beispiellos in der US-Geschichte“. Er selbst habe versucht, mit Putin einen konstruktiven Weg der Zusammenarbeit zu finden, sagte Obama am Dienstag in Washington. Putin habe dies jedoch durch Aggressionen, etwa in Georgien und der Ukraine erschwert. Besonders schwierig sei Putins Position in Syrien. „Statt mit uns zusammenarbeiten hat er seine Unterstützung für das syrische Regime (von Bashar al-Assad) vergrößert“, sagte Obama.

Trump umschmeichle Putin. Er sei mehr überrascht als besorgt, dass viele Mitglieder der republikanischen Partei, die bisher eine extrem feindselige Haltung zu Russland eingenommen haben, nun Trumps Haltung stützen. Der republikanische Kandidat für die US-Präsidentschaft hatte mehrmals positiv über den Kremlchef gesprochen und jüngst erklärt, er wolle ihn im Falle seiner Wahl in Moskau besuchen, möglichst sogar noch vor der Amtseinführung im Januar.

AFP/dpa

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