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Nach seinem Kuba-Besuch ist US-Präsident Obama mit seiner Familie nun in Argentinien angekommen. Foto: Silvina Frydlewsky

Abflug aus Kuba

Obamas Argentinien-Besuch zu kritischem Jahrestag

Havanna - Zum Abschluss der Kuba-Visite gab sich Barack Obama ganz locker - er besuchte mit Raúl Castro ein Baseballspiel. Dann hob die Air Force One ab - er reist in ein Land, das einen heiklen Jahrestag begeht.

US-Präsident Barack Obama will nach dem historischen Kuba-Besuch die Beziehungen zur zweitgrößten Volkswirtschaft Südamerikas, Argentinien stärken.

Heute trifft er in Buenos Aires den neuen liberalen Präsidenten Mauricio Macri. Die linke Vorgängerin Cristina Kirchner stand den USA kritisch gegenüber. Für Gesprächsstoff könnte die Rolle der USA während der Militärdiktatur sorgen. Obama wird während des 40. Jahrestages des Sturzes der Präsidentin Isabel Perón, am Donnerstag, in Buenos Aires sein. Menschenrechtsgruppen haben Proteste gegen Obama angekündigt.

Die USA hatten im Vorfeld die Freigabe weiterer Geheimdokumente über die Militärdiktatur in Argentinien (1976-1983) angekündigt. Der offizielle Freigabeprozess soll zum Jahrestag am Donnerstag beginnen. Zehntausende Menschen starben oder verschwanden in der Zeit. Zu Zeiten des Kalten Krieges unterstützten die USA in Lateinamerika wiederholt diktatorische Regime, um linke Bestrebungen zu bekämpfen und um ein "zweites Kuba" zu verhindern.

Im Fokus sollen in Argentinien auch wirtschaftliche Fragen stehen, zum Ende seiner Amtszeit ist Obama spürbar bemüht, eine aktivere Lateinamerikapolitik zu betreiben und neues Vertrauen aufzubauen. Macris Regierung erreichte jüngst im milliardenschweren Streit mit US-Hedgefonds um nicht bezahlte Staatsschulden nach der Pleite 2001 eine weitgehende Einigung. Kirchners Regierung hatte die Hedgefonds noch als "Aasgeier" beschimpft und Zahlungen abgelehnt.

In Kuba hatte Obama am Dienstag betont, die Zeit des Wandels sei gekommen, er sei dort gewesen, um die Reste des Kalten Krieges zu beerdigen. Zum Abschluss hatte Obama mit Staatschef Raúl Castro ein Baseballspiel besucht. Beide hatten die Krawatte zu Hause gelassen, Obama kam ganz locker im weißen Hemd und mit schwarzer Sonnenbrille. Auch Ehefrau Michelle und die Töchter Sasha und Malia begleiteten den US-Präsidenten in das mit 42 000 Zuschauern gefüllte Estadio Latinoamericano zur Partie der Nationalmannschaft Kubas gegen die Tampa Bay Rays aus Florida (1:4).

"La Ola"-Wellen schwappten durchs Stadion, es gab laute "Kuba, Kuba"- Rufe. Raúl Castro (84) bekam deutlich mehr Jubel als Obama. In beiden Ländern ist Baseball ein Nationalsport. Schon in den 70er-Jahren nutzten die USA bei der Annäherung an China Sport als diplomatisches Vehikel, damals war es Tischtennis. Zwei Frauenchöre sangen die Hymnen der beiden seit der Revolution 1959 lange verfeindeten Staaten, seit Ende 2014 gibt es den Annäherungsprozess, der mit Obamas Besuch nun einen Höhepunkt erfuhr.

In einer Rede an das kubanische Volk hatte der 54-Jährige zuvor an den von den Republikanern dominierten US-Kongress appelliert, das in den 1960er Jahren gegen das sozialistische Kuba verhängte Handelsembargo ganz aufzuheben. Kuba hatte sich damals eng an die Sowjetunion angelehnt. Während des Besuchs wurden laut Aktivisten bis zu 180 Dissidenten kurzzeitig festgenommen. "Ich glaube an die Demokratie", betonte Obama in Kuba. Menschen müssten frei sein in ihrer Meinungsäußerung. Er traf sich auch mit 13 Dissidenten.

dpa

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