Der Weg des Separatistenführers Carles Puigdemont führte von Südeuropa hoch in den Norden des Kontinents. Aktuell sitzt der katalanische Politiker in Deutschland fest. 

Spanier in deutschem Gefängnis

Die Odysee des Rebellen: Wo endet der Weg von Separatistenführer Puigdemont?

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An Carles Puigdemont scheiden sich die Gemüter: Vom Vorreiter des Separatismus mutierte der Spanier zum Märtyrer im Exil – und nun zum Gefangenen in Deutschland. Wir zeichnen seinen Weg nach.

Seit Sonntag befindet sich der katalanische Ex-Präsident Carles Puigdemont (55) in Gewahrsam der deutschen Justiz. Kurz nach der Einreise aus Dänemark war der Politiker, aus Finnland kommend, an der schleswig-holsteinischen Raststätte Schuby festgenommen worden. Die Rückreise des Katalanen in sein belgisches Exil wurde durch das Eingreifen der Polizei wegen des am Freitag neu erlassenen europäischen Haftbefehls abrupt beendet. Der Vorwurf gegen Puigdemont: Rebellion - wofür bis zu 30 Jahre Haft drohen könnten - und Veruntreuung von Staatsgeldern. Gestern Nachmittag wurde Puigdemont dem Amtsrichter in Neumünster vorgeführt - im dortigen Gefängnis sitzt er in U-Haft. Wann über die von Spanien geforderte Auslieferung entschieden wird, ist unklar. Wir zeichnen den Weg des Separatistenführers seit Oktober nach. 

Barcelona: Ein Mann steht während eines Protests gegen die Inhaftierung des ehemaligen Regionalpräsidenten Kataloniens, Puigdemont, vor einer brennenden Mülltonne.

1. Ex-Regierungssitz des Separatistenführers 

Puigdemont, seit 2016 Regionalpräsident in Katalonien, ließ im Oktober 2017 ein Unabhängigkeitsreferendum durchführen, obwohl das spanische Verfassungsgericht es für illegal erklärt hatte. Präsident Mariano Rajoy schickte starke Sicherheitskräfte, die die Abstimmung mit harter Hand verhindern sollten. Als das Regionalparlament am 27. Oktober die Unabhängigkeit ausrief, setzte Rajoy Puigdemont ab und Neuwahlen für Dezember an. Noch vorher erhob der Generalstaatsanwalt in Madrid Anklage gegen Puigdemont & Co. wegen Rebellion und Veruntreuung öffentlicher Gelder. Er floh nach Brüssel. Bei den katalanischen Wahlen errangen die Separatisten erneut eine knappe Mehrheit. Puigdemont hätte die Region von Brüssel aus regiert, das wurde ihm untersagt. Seit seiner Festnahme brodelt und brennt es wieder auf den Straßen Barcelonas.  

2. Fluchtstation Marseille

Schon einmal ist Carles Puigdemont per Auto geflohen: Als sich der abgesetzte Regionalpräsident vor Gericht zu den Vorwürfen der Rebellion und der Veruntreuung äußern sollte, fuhr er Ende Oktober  von Barcelona nach Marseille. Von dort flog er zusammen mit einigen seiner Ex-Minister nach Brüssel.

3. Brüssel & Waterloo: das Exil

Als spanische Gerichte am 30. Oktober 2017 Puigdemont eine Vorladung zustellten, um sich zu den Vorwürfen des Aufstands und der Veruntreuung öffentlicher Gelder zu äußern, ergriff Puigdemont zusammen mit vier Ex-Ministern die Flucht nach Brüssel. Weil er nicht vor Gericht erschien, wurde am 2. November 2017 ein Europäischer Haftbefehl gegen ihn und seine Mit-Flüchtlinge erlassen - der am 5. Dezember vorerst zurückgezogen wurde. In Belgien, wo sich der Ex-Regierungschef den Ort Waterloo als Wohnsitz auserkor, waren die Politiker unter Auflagen auf freiem Fuß. Er konnte sich in Belgien und anderen Ländern monatelang frei bewegen. Spaniens Innenminister Juan Ignacio Zoido hatte ihn aber unlängst gewarnt: Man werde ihn überall finden, selbst wenn er sich versteckt „im Kofferraum eines Autos“ zum Parlament in Barcelona fahren lassen würde.

4. Vortrag in Finnland 

Als der europäische Haftbefehl am Freitag reaktiviert wurde, befand sich Puigdemont  in Helsinki. Dort führte er Gespräche im Parlament und sprach an der Uni. Finnische Behörden ließen wissen, der Gesuchte sei nicht auffindbar. Laut Kieler Nachrichten informierten sie aber das BKA über seine Abreise per Pkw.

5. Schuby: Gefasst in Deutschland 

Ein Banner vor dem Eingang der Justizvollzugsanstalt Neumünster, in die der ehemalige katalanische Regionalpräsident Puigdemont gebracht wurde.

Dass Puigdemont nicht schon in Finnland, Schweden oder Dänemark festgenommen wurde, verwunderte gestern auch die Polizeigewerkschaft. Spanische Medien berichten, deutsche und dänische Behörden hätten sich auf den Zugriff in Schleswig-Holstein geeinigt. Politiker vermuten, der spanische Geheimdienst habe gezielt gewartet, bis Puigdemont in Deutschland eingereist war, um der Polizei dann einen Hinweis zu geben. Die Konsequenz ist jedenfalls, dass sich Deutschland mit der Frage der Auslieferung auseinandersetzen muss. Die Bundesregierung sei der Meinung, der Katalonien-Konflikt könne nur innerhalb der spanischen Rechts- und Verfassungsordnung gelöst werden, so Sprecher Steffen Seibert. Das Amtsgericht Neumünster sprach am Montag eine sogenannte Festhalteordnung aus.   

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