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Nach dem Kurz-Sturz: Brisante Chats sickern durch - sie werfen neues Licht auf Österreichs Politik-Star

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Von: Franziska Schwarz

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Sebastian Kurz sitzt 115. Nationalratssitzung im Parlament in Wien im Juli 2021 auf seinem Platz und blickt auf sein Smartphone.
Die Staatsanwaltschaft wertet aktuell Chatverläufe mit Sebastian Kurz (Archivbild) aus. © Tobias Steinmaurer/Imago

Die Vorwürfe gegen Noch-Kanzler Sebastian Kurz lauten auf Bestechlichkeit und Untreue. Was nun aus Chatprotokollen bekannt geworden sein soll, wirft ein Schlaglicht auf ihn.

Wien - Österreichs Kanzler Sebastian Kurz tritt wegen einer Korruptions-Affäre zurück (will aber seinen Einfluss in der Politik nicht aufgeben). Kurz‘ Team soll seinen Aufstieg durch geschönte Umfragen und gekaufte positive Medienberichte abgesichert haben. Bei den Ermittlungen stützt sich die Staatsanwaltschaft auch auf bekannt gewordene Chats.

Dass der Tonfall in diesen Chats harsch war, legen aktuelle Medienberichte nahe, die zum Beispiel die renommierte österreichische Zeitung Der Standard in ihrer Onlineausgabe aufgreift. Zuerst hätten die Salzburger Nachrichten und die Kleine Zeitung berichtet. Die neuen Details beziehen sich auf Nachrichten zwischen Kurz und Thomas Schmid, ehemaliger Generalsekretär im Finanzministerium.

Kurz-Vertrauter in Chats: „Diese alten Deppen sind so unerträglich!“

Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung. Doch den Ermittlungen zufolge soll Schmid in der Umfrage-Affäre in seinem ehemaligen Amt eine „zentrale Rolle“ gespielt haben, heißt es in dem Bericht. Die Chats ließen laut Staatsanwaltschaft auf eine „langjährige Freundschaft“ zwischen den beiden schließen.

Viel Häme schütteten die beiden demnach auf den ehemaligen ÖVP-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner aus. Der veröffentlichte 2019 sein Buch „Haltung“. Schmid soll gechattet haben: „Diese alten Deppen sind so unerträglich! Keiner musste sich jemals einer Bundeswahl stellen und den Schwachsinn der Vorgänger erklären! Du hast das alles erfolgreich geschafft und wir durften Dabei mitarbeiten Mitterlehner ist ein Linksdilettant und ein riesen oasch!! Ich hasse ihn Bussi Thomas“.

Kurz‘ Antwort soll gelautet haben: „Danke Thomas Super war dass Spindi heute ausgerückt ist. Das stört den Arsch sicher am meisten...“

Korruptions-Affäre um Sebastian Kurz: Chats mit der „Familie“

Die Ermittler setzen in der Affäre auf das sichergestellte Handy eines Kurz-Vertrauten, so dpa-Korrespondent Matthias Röder. Immer wieder gelangen einzelne kompromittierende Nachrichten in die Öffentlichkeit, die Kurz als „absolut illoyal, herablassend und vor allem an seinem Fortkommen interessiert“ zeigen. Sie seien auch die Grundlage für die kürzliche Razzia, welche die Regierungskrise in Österreich auslöste. Vergangenen Mittwoch hatten Fahnder im Kanzleramt, in der ÖVP-Zentrale, im Finanzministerium und in einem Medienhaus Datenträger, Server, Handys und Laptops gesichert.

Die Staatsanwaltschaft hat laut Röder womöglich 100.000 der wiederhergestellten 300.000 Chats bereits ausgewertet. Der Aufstieg von Kurz ist eng mit seinem kleinen Team aus absolut loyalen Vertrauensleuten verbunden, schreibt er. Die „Familie“, wie sie sich in den aufgetauchten Chats nannte, besteht aus dem Zirkel, gegen den nun ermittelt wird, sowie einigen weiteren Getreuen.

Regierungskrise in Österreich: Sebastian Kurz bestreitet Korruptionsvorwürfe

„Kurz gilt als jemand, der gern die Kontrolle hat - und so wurde unter seiner Kanzlerschaft die ‚Message-Control‘ im Kabinett vorexerziert. Regierungsmitglieder schienen sich kaum von vorbereiteten Drehbüchern lösen zu dürfen. Kurz ist aber auch jemand, der Ratschlägen zuhört und sie annimmt. Umso wichtiger war die Rolle seines Teams für ihn“, so Röders Einschätzung.

Kurz gewann 2017 den Machtkampf gegen den weit abgeschlagenen Mitterlehner und wurde Kanzler einer Koalition aus ÖVP und rechter FPÖ. Auch danach soll die Kooperation zwischen dem Kanzleramt und dem betroffenen Medienhaus (welches die Vorwürfe ebenfalls bestreitet) weitergegangen sein.

Kurz hat in seiner Rücktritts-Rede vom Samstag betont, dass die strafrechtlichen Vorwürfe der Untreue und der Bestechlichkeit falsch seien. Manche Chats würde er aber so nicht mehr schreiben, räumte er ein. (frs mit Material der dpa)

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