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Regierungskrise in Österreich - Strache trat daraufhin zurück.

Kommentar zu Österreich

Straches Video-Skandal ist brandgefährlich

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FPÖ-Chef Strache ist in die Falle getappt und hat ein Politik-Beben in Österreich ausgelöst. Ein Kommentar mit Blick in viele Abgründe.

„Volk, begnadet für das schöne, vielgerühmtes Österreich“, prahlt die Bundeshymne. Nein, nichts ist schön an der Lage des Landes. Der Video-Skandal um den von sich und von Wodka besoffenen Vizekanzler taugt nicht zur Verklärung des Guten über die radikal Rechten, sondern leuchtet nur in unterschiedliche tiefe Abgründe.

Im Zentrum steht die Demaskierung des Heinz-Christian Strache und seiner FPÖ. Er wollte fundamentale Prinzipien der Demokratie aushebeln. Er, der vermeintlich für Vaterland und Anstand stritt, prahlte damit, die wichtigsten Werte seiner Heimat an eine russische Oligarchen-Nichte zu verschachern. Über viele, viele Jahre darf in dieser FPÖ niemand mehr von Patriotismus salbadern, ohne an Straches Vaterlandsverrat zu denken.

Österreich: Straches Video-Skandal ist brandgefährlich

Nur: Häme wäre kurzsichtig. Denn politisch reicht der Flurschaden weit über die FPÖ und ihre ähnlich russlandblinden Freunderl in ganz Europa hinaus. Die FPÖ speiste sich auch aus der Verdrossenheit über Jahrzehnte des großkoalitionären Filz. Ab Herbst dann halt wieder eine bräsige GroKo aufzulegen, wird Österreichs Wählern kaum das inzwischen übel ramponierte Vertrauen in ihr politisches System zurückgeben. Der junge Kanzler Kurz hat richtig entschieden, in Neuwahlen zu gehen – aber hat eine Herkulesaufgabe vor sich.

Noch etwas ist wichtig: Die Herkunft des – illegalen – Videos sollte geklärt werden. Sein Ergebnis mag Demokraten gefallen, doch seine Entstehung ist brandgefährlich. Verschwörungstheorien sind ein Nährboden für Opfer-Mythen und für eine neue Populismus-Welle. Vorsicht: Es gibt noch viele kleine und große Straches, und nicht alle sind blöd genug, sich in so eine Falle locken zu lassen.

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