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EU-Energiekommissar Günther Oettinger.

Kritisert "Schweinsgalopp"

Oettinger für Braunkohle statt Wind und Sonne

Berlin - Das Tempo beim Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland muss nach Ansicht von EU-Energiekommissar Günther Oettinger deutlich gedrosselt werden.

"Den bisherigen Schweinsgalopp müssen wir stoppen", sagte Oettinger der "Bild am Sonntag". "Ich rate zu einer Geschwindigkeitsbegrenzung beim weiteren Ausbau von Solar- und Windkraft."

Das Hauptproblem der alternativen Energien sei, dass Strom in großen Mengen nicht speicherbar sei. "Daran wird sich in den nächsten zehn Jahren nichts ändern", sagte Oettinger. "Erst wenn man Strom speichern kann, kann Wind- und Solarkraft die ganze Zukunft gehören." Bis dahin seien sie eine gute Ergänzung, dürften aber nicht der Schwerpunkt der Energieversorgung sein.

Stattdessen setzt Oettinger auf Braunkohle: "Auf die 45 Prozent Strom aus Kohle werden wir noch lange nicht verzichten können." Statt Steinkohle zu importieren oder zu subventionieren, solle die Braunkohle in der Lausitz und im Rheinland genutzt werden. "Denn das geht zu marktwirtschaftlichen Bedingungen und unabhängig von Lieferanten." Er plädiere dafür, die modernen Braunkohlekraftwerke in Betrieb zu halten.

Oettinger: EEG-Reform reicht nicht aus

Oettinger hält die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, auf die sich Bund und Länder verständigt haben, für nicht ausreichend. „Die Einigung zwischen der Bundesregierung und den Ministerpräsidenten in der vergangenen Woche ist ein richtiger Schritt“, sagte er der „Bild am Sonntag“. „Aber noch vor der nächsten Bundestagswahl 2017 wird eine weitere grundlegende Reform des deutschen Energierechts notwendig sein.“ Dies gelte schon deswegen, weil die EU vorhabe, dass die Förderungen für erneuerbare Energien verstärkt auf der Basis europaweiter Ausschreibungen vergeben werden sollen. „Das muss dann in das deutsche Energierecht integriert werden.“

Am Atomausstieg will Oettinger nicht rütteln: "Als Realist bin ich mir sicher, dass die restlichen Atomkraftwerke wie geplant bis 2022 abgeschaltet werden, egal welche Partei die nächsten Bundestagswahlen gewinnt." Deutschland habe vor der Atomkatastrophe in Fukushima bei der Stromerzeugung einen Kernenergie-Anteil von nur 23 Prozent gehabt. Der Verzicht darauf sei also machbar. "Außerdem kann man gegen die Überzeugung der Bürger keine Politik machen", fügte Oettinger hinzu.

afp/dpa

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