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Geiseln verlassen die entführte Afriqiyah-Maschine auf dem Flughafen von Malta

Libysche Passagiermaschine entführt

Maltas Regierungschef: Entführer hatten Handgranate

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Valletta - Eine Flugzeugentführung ist auf Malta ohne Blutvergießen zu Ende gegangen: Die beiden Entführer und die letzten Geiseln verließen am Freitagnachmittag das Flugzeug.

Bei den festgenommenen Entführern der libyschen Passagiermaschine sind eine Handgranate und eine Handfeuerwaffe gefunden worden. Das sagte der maltesische Regierungschef Joseph Muscat am Freitag vor der Presse. Bei der Durchsuchung des Flugzeugs sei eine weitere Waffe entdeckt worden. Später teilte der Regierungschef mit, dass es sich um Nachbildungen gehandelt habe.

Die Afriqiyah-Airways-Maschine mit 111 Passagieren an Bord war auf einem Inlandsflug entführt und zur Landung in Malta gezwungen worden. Bei den Entführern habe es sich „wahrscheinlich um libysche Staatsbürger“ gehandelt, so Muscat.

Die Männer hatten sich nach Verhandlungen mit Maltas Behörden ergeben. Sie seien festgenommen wurden und würden verhört. Auch Crew und Passagiere sollen befragt werden, um den Tathergang zu klären. Danach sollen die Passagiere mit einem anderen Afriqiyah-Airways-Flug nach Libyen zurückkehren, sagte Muscat.

Flugzeugentführung auf Malta unblutig beendet

„Die Entführer haben sich ergeben, sind durchsucht und in Gewahrsam genommen worden“, teilte der maltesische Regierungschef Joseph Muscat am Freitagnachmittag kurz vor 16 Uhr über den Online-Kurzmitteilungsdienst Twitter mit. 

Das Afriqiyah-Airways-Flugzeug war gegen Mittag in Malta gelandet. Er sei über die Flugzeugentführung eines libyschen Inlandsflugs informiert worden, hatte Muscat in einem Tweet erklärt.

Flug 8U209 war ursprünglich auf einem Inlandsflug von Sabha nach Tripolis, änderte aber den Kurs und landete um etwa 11.30 Uhr auf dem Malta International Airport.

Am Nachmittag verließen schließlich 109 Menschen die Maschine. Nach bisherigen Informationen waren 111 Passagiere in der Maschine, darunter 82 Männer, 28 Frauen und ein Kind. Muscat zufolge befanden sich zunächst noch zwei Entführer und mehrere Crewmitglieder an Bord.

Entführer stellt Bedingungen

Das Flugzeug war unterdessen umringt von Militärfahrzeugen auf dem Rollfeld gestanden. Unklarheit herrschte lange über die Zahl der Entführer. Maltas Regierung sprach von einem Entführer. Vertreter der libyschen Fluglinie Afriqiyah Airways, der die entführte Maschine gehört, sprachen von zwei Luftpiraten. 

Die Entführer sollen zwischenzeitlich mit der Sprengung der Maschine gedroht haben. Darüber habe der Kapitän des Flugzeuges den Tower auf Malta informiert, berichtete die libysche Nachrichtenseite Alwasat am Freitag, ohne eine Quelle zu nennen.

Entführer möglicherweise Gaddafi-Unterstützer

Der oder die Entführer hatten angeblich versprochen, alle Geiseln freizulassen, wenn ihre Bedingungen erfüllt würden. Welche Forderungen sie stellten, wurde zunächst nicht bekannt. Die Entführer hätten angegeben, Unterstützer des ehemaligen Machthabers Muammar al-Gaddafi zu sein, schreibt die „Times of Malta“.

Das staatliche maltesische Fernsehen zeigte Bilder, auf denen vermutlich einer der Entführer zu sehen war. Nachdem alle Geiseln die Maschine verlassen hatten, trat er an die Tür und schwenkte die alte libysche Staatsflagge.

Auch deutsche Flüge umgeleitet

Wegen der möglichen Flugzeugentführung hatte der dortige Flughafen auch zahlreiche Maschinen umgeleitet - das hatte auch Auswirkungen in Deutschland. Fünf Flugzeuge auf dem Weg nach Malta seien zum Flughafen Catania auf Sizilien geleitet worden, schrieb der Flughafen auf seiner Internetseite. 

Für weitere acht Flieger wurde kein Alternativ-Ziel angegeben, darunter fünf Maschinen aus Frankfurt/Main, eine davon von der Lufthansa. Ein Lufthansa-Flug von Malta nach München wird als verspätet oder gestrichen gemeldet. Vier weitere Flieger nach Frankfurt/Main - darunter eine Lufhansa-Maschine - wurden als verspätet angegeben.

IS auch in Libyen aktiv

Libyen war nach dem Sturz und dem Tod des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Zuge des Nato-Einsatzes im Jahr 2011 ins Chaos gestürzt. Seitdem beherrschen konkurrierende bewaffnete Milizen das ölreiche Land. Auch die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) nutzt die unübersichtliche Lage aus, um sich in Libyen auszubreiten.

Seit ihrem Amtsantritt im März versucht eine von der UNO unterstützte Einheitsregierung, ihre Macht in Tripolis zu etablieren und das gesamte libysche Staatsgebiet unter ihre Kontrolle zu bekommen. In der ostlibyschen Stadt Tobruk ist aber nach wie vor eine Gegenregierung aktiv, das dortige Parlament in Tobruk verweigert der Einheitsregierung bisher das Vertrauen.

AFP/dpa/fn

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