Offene Machtfrage bei der CSU Oberbayern

München - Der Wettlauf um eines der mächtigsten Parteiämter in Bayern bleibt offen. Auch am Rande der Klausur der Oberbayern-CSU verständigten sich die Bewerber nicht. Eine friedliche Einigung ist aber weiter möglich.

Es gibt Themen, zu denen wollen Politiker einfach nichts sagen. Siegfried Schneider macht das sehr konsequent. Am Wochenende druckte der „Donaukurier“ ein großes Interview mit dem Bezirksvorsitzenden über seinen geplanten Ausstieg aus der Politik. Die Fragen waren präzise gestellt, ein Bild ausgewählt - aber weil Schneider das Interview mehrfach und bis zuletzt verweigerte, druckte die Zeitung statt seiner Antworten große weiße Flächen.

Viel mehr als bei dem ungewöhnlichen Eklat mit seinem Heimatblatt sagte Schneider zeitgleich auch seinen Parteifreunden nicht. Von Freitag auf Samstag ging der CSU-Bezirksvorstand in Rosenheim in Klausur, wieder verlor der Vorsitzende kein Wort über seinen nahen Abschied. Man habe keine Signale empfangen, staunen Teilnehmer. Die Runde aus vier Dutzend Parteifreunden ist wohl zu groß für wirklich heikle Themen.

Aktuell ist die Zukunftsfrage im größten Bezirksverband freilich schon. Schneider will am 24. Februar zum Präsidenten der Landesmedienaufsicht gewählt werden, Amtsantritt im Herbst. Dass ein hoher CSU-Politiker, Minister in der Staatskanzlei, die vorgeblich parteiferne Medienzentrale leiten soll, ist ungewöhnlich. Die politische Hygiene würde ihm nahelegen, seine Ämter sehr zügig abzugeben.

Minister will er wohl noch einige Wochen bleiben, manche reden gar von der Sommerpause. Schneider will die Olympia-Bewerbung und die Grundstücksverhandlungen so weit wie möglich begleiten. Die Staatskanzlei würde dann den Geschäftsverlauf so ändern, dass Schneider von Medienthemen fortan ferngehalten wird. Den Bezirksvorsitz könnte er sofort ruhen lassen. Dann müsste jemand kommissarisch übernehmen.

Zwei aussichtsreiche Kandidaten haben Interesse: die Minister Ilse Aigner (Bund) und Georg Fahrenschon (Land), beide Schneiders Stellvertreter. Die als dritte Interessentin genannte Christine Haderthauer kam krankheitsbedingt nicht zur Klausur. Eine nervenaufreibende Kampfkandidatur wollen Aigner und Fahrenschon, privat gut befreundet, nicht. Sie bemühen sich um einen Konsens - da müsste einer verzichten.

Erste Vorgespräche gab es wohl, eine Einigung nicht. Man wolle ja den Eindruck vermeiden, zu früh das Fell des Bären zu verteilen, heißt es. Die Klausur klammerte das Thema strikt aus. Beide durften zu Fachthemen referieren, beide wohl sehr überzeugend, Fahrenschon harrte noch dazu bis frühmorgens bei den Vorstandskollegen aus.

Hinter den Kulissen wird an Lösungsmodellen gebastelt. Erste Kreisvorsitzende positionieren sich intern - die CSU habe ja das „Jahr der Frau“ ausgerufen - klar für Aigner, ebenso das nicht unmaßgebliche Parteimitglied Horst Seehofer. Schneider soll Fahrenschon zuneigen. Junge Union und Frauen-Union sind bisher neutral.

Noch weiß niemand, ob Aigner bei der Wahl im Juli überhaupt antreten will. Eine Option wäre, ihr Fahrenschon als herausgehobenen Vize zur Seite zu stellen, der auch Sprecher der oberbayerischen Landtagsabgeordneten sein könnte. Bis in vier Wochen, drängen Vorständler, wolle man eine Lösung.

Womöglich dauert es nur noch vier Tage: Ende der Woche treffen die Kandidaten bei einem Empfang in Fahrenschons künftigem Stimmkreis Starnberg aufeinander. Denkbar, dass sie da mehr Worte finden werden als Schneider.

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