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Da war die Welt noch in Ordnung: Hans Reichhart (r) und CSU-Chef Horst Seehofer im Jahr 2013.

Offener Bruch mit dem CSU-Chef

Der für Seehofer gefährliche Zorn aus der Jungen Union

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Eine Terminkollision führt zum offenen Bruch zwischen der Jungen Union und dem CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer. Die Partei-Jugend kritisiert den Chef: „Er weicht uns aus“.

München/Erlangen – Als Horst Seehofer eines Samstags im Mai von seiner großen China-Reise zurückkehrte, stolperte seine Delegation übernächtigt und erschöpft aus dem Flugzeug. Er hingegen ließ sich eilig zum nächsten Termin fahren, als gäbe es nichts Wichtigeres auf der Welt: Die 70-Jahr-Feier der Jungen Union wollte der CSU-Vorsitzende keinesfalls verpassen. Die Mitreisenden rieben sich die müden Augen, Seehofer aber hatte Recht: Zu groß ist das Gewicht des Parteinachwuchses für einen, der noch Wahlkampf treiben und die Partei verjüngen will.

Seehofer in Zeitnot

Dank gibt es nicht in der Politik – das zeigt sich jetzt, ein halbes Jahr später. Wieder steht ein JU-Termin an, diesmal die dreitägige Landesversammlung in Erlangen. Wieder ist Seehofer in Zeitnot, diesmal wegen der Sondierungen in Berlin. Nun sagt er aber kurzfristig für Samstag ab – und der Zorn der Jugendorganisation wallt in auffallend scharfer Form auf. Landeschef Hans Reichhart (35) schimpft per schriftlicher Mitteilung über Seehofer, er weiche kritischen Debatten aus. Andere fauchen, wenn Seehofer gewollt hätte, hätte er sicher einen Ausweichtermin finden können. Die Distanz zwischen Erlangen und Berlin sei nicht unüberbrückbar.

Hans Reichhart führt die Junge Union – nun wohl gegen Seehofer

Tatsächlich dürfte sich die Terminabsage als fatal erweisen. Dem eloquenten Landtagsabgeordneten Reichhart war es nur unter allerlei rhetorischen Verrenkungen gelungen, offene Rücktrittsforderungen aus der JU an Seehofer zu verhindern. Der Verband ist seit der Bundestagswahl-Klatsche in der Frage gespalten, ob man mit Seehofer oder mit dessen Rivalen Markus Söder zur Landtagswahl 2018 besser aufgestellt wäre, wird aus einigen internen Runden berichtet. Nach der Absage des Parteichefs dürften die Dämme brechen. Wenn sich die JU am Wochenende einreiht in die Seehofer-Kritiker, vielleicht gar mit einem offenen Beschluss, destabilisiert das den Partei- und Regierungschef.

Die JU wird die Personaldebatte zelebrieren

Da ist sie also wieder, die untote Personaldebatte. Die JU wird sie nun zelebrieren: Für den Sonntag ist ja Markus Söder als Hauptredner angekündigt, der sich auch in diesem Verband ein Netzwerk aufgebaut hat. Er wird mit Freude registrieren, dass die JU eine „Erlanger Erklärung“ plant, die zur Verjüngung der Partei auf allen Ebenen aufruft. Den kritischeren Part, die Aussprache zum Wahlergebnis, müssen am Samstag nun Parteivize Manfred Weber und Spitzenkandidat Joachim Herrmann übernehmen. Man rechne damit, nun als „Blitzableiter“ genutzt zu werden, heißt es von deren Leuten nüchtern. Landeschef Reichhart wird das weitere Wochenende eher gelassen verfolgen. Seine Wiederwahl stand am Freitagabend schon an und galt als ungefährdet.

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