Olaf Scholz im Januar 2021 in Berlin.
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Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD)

Exklusiv-Gespräch

„Müssen pro Woche Millionen impfen können“: Scholz macht Druck auf Politik - und spottet über Söder-Ideen

  • Mike Schier
    vonMike Schier
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  • Christian Deutschländer
    Christian Deutschländer
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Im Exklusiv-Interview verlangt Olaf Scholz mehr Tempo im Corona-Fahrplan, positioniert sich zu Rechten für Geimpfte - und will sich von Markus Söder nicht aus der Ruhe bringen lassen.

  • Es geht zu langsam beim Impfen gegen Corona* – das sagt selbst der Vizekanzler.
  • Olaf Scholz (SPD*) fordert deshalb im Gespräch mit dem Münchner Merkur alle Politiker und Behörden auf, dringend einen Zahn zuzulegen.
  • Im zweiten Quartal 2021 müsse man pro Woche „Millionen“ impfen können, sagt er.

München – Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) verlangt mehr Tempo beim Impfen in Deutschland. „Natürlich wünschen sich alle, dass es schneller vorangeht“, sagte Scholz im Interview mit dem Münchner Merkur. Er forderte Politiker und Behörden auf, sich besser auf Massenimpfungen* im zweiten Quartal einzustellen als bisher. „Wenn endlich genügend Impfstoff da ist, muss es schnell gehen. Im zweiten Quartal müssen jede Woche mehrere Millionen Bürgerinnen und Bürger geimpft werden – das erfordert deutlich höhere Kapazitäten als wir im Augenblick haben“, sagte Scholz.

Seine Mahnung: „Alle, die im Land dafür Verantwortung tragen, müssen diese heiße Phase gut vorbereiten. Es darf nicht passieren, dass wir zwar genügend Impfdosen haben, aber zu wenig Impftermine.“ Er ließ Skepsis durchscheinen, ob das ganze Land vor Ort auf dieses Tempo eingestellt ist: „Die Kapazitäten sind groß, aber vermutlich noch nicht ausreichend.“

Vizekanzler Scholz zu Rechten für Corona-Geimpfte: „Zu früh für diese Debatte“

Scholz schaltet sich auch in die Debatte ein, ob Europa trödelte beim Bestellen. In Brüssel wird jede Mitschuld eifrig zurückgewiesen, aber im Land hat sich der Eindruck festgesetzt: Gerade von Biontech*, dem ersten zugelassenen Impfstoff, bestellte Europa zu spät zu wenig; das wurde erst vor Kurzem durch Nachbestellungen zu lindern versucht. Scholz sagt nun unumwunden: „Eines ist ganz klar: Es wäre besser gewesen, Europa hätte früher alle Möglichkeiten genutzt, so viel Impfstoff zu bestellen, wie möglich war. Das Thema Impfstoff hat oberste Priorität.“

Auf die Debatte über die schnellere Rückkehr zu vollen Grundrechten für bereits Geimpfte mag sich Scholz noch nicht einlassen: „Eines nach dem anderen. Noch ist es zu früh für diese Debatte, leider. Erstmal müssen wir zum Beispiel klären, ob Geimpfte andere nicht noch anstecken können.“ Vor Scholz hatte Außenminister Heiko Maas – ebenfalls SPD – genau diese Debatte geführt und dafür geworben, dass Geimpfte schneller wieder reisen und Restaurants besuchen dürfen.

Scholz mahnt bei Lockdown-Verlängerung: „Es muss endlich klappen, die Heime besser zu schützen“

In der Corona-Diskussion verteidigt Vizekanzler Scholz die Verlängerung des Lockdowns. Das sei „richtig und notwendig – so belastend das für uns alle ist“. Neben Homeoffice und Masken sei es nun sehr wichtig, Senioren zu schützen: „Es muss endlich klappen, die Heime besser zu schützen und für Bewohner, Besucher und Pflegende genug Schnelltests* bereitzustellen. Das muss besser werden.“

Trotz sinkender Inzidenzwerte („Die Tendenz stimmt“) rief er zu Geduld auf. „Nun müssen wir durchhalten, dürfen allerdings eben nicht zu früh wieder aufmachen, denn das würde den Trend umkehren.“ Auch mit Blick auf aggressivere Mutationen* gelte: „Wir müssen die Infektionszahlen soweit es geht nach unten drücken. So mühsam es ist, es wird Leben retten.“ Auf die Frage, ob Deutschland überm Berg ist, sagt er zurückhaltender: „Wir kommen über den Berg.“

SPD-Kanzlerkandidat Scholz zu Konkurrenten Laschet und Söder: „Ich nehm‘s, wie es kommt“

Scholz ist seit mehreren Monaten Kanzlerkandidat der SPD für die Wahl im Herbst. Dass sich jetzt die Union auf die Suche nach ihrem Kandidaten macht, verfolgt er betont gelassen. Ob NRW-Regent Armin Laschet* oder CSU-Chef Markus Söder* ihm gefährlicher werden? Beim Online-Interview mit dem Münchner Merkur reagiert der Vizekanzler fast erheitert. „Ach, ich nehm’s, wie es kommt. Darüber zerbrechen sich in der Union gerade so viele Leute den Kopf, da muss ich mir ehrlich gesagt wenig Gedanken machen.“

Zum wiederholten Werben von CSU-Chef Markus Söder für ein schwarz-grünes Bündnis auf Bundesebene sagt Scholz: „Träumen ist erlaubt, auch wenn ich nicht weiß, wie viele Leute seinen Traum teilen.“ Wie er nach der Wahl regieren will – Groko, Ampel, Linksbündnis – mag Scholz bisher nicht einschränken. Einzige Vorgabe, die als Gruß an die Linkspartei* und deren Außenpolitik verstanden werden darf: „Alle Parteien, die in meine Regierung eintreten wollen, müssen sich selbst und den Wählerinnen und Wählern die Frage beantworten, ob sie regierungsfähig sind.“ *Merkur.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

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